Abschlusskonzert beim Festival für Alte Musik Aalen

Thomas Haller und Andreas Vogel musizieren in St. Johann

Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt! Da behauptet eine Orgel, von barocker Natur zu sein, obwohl Joseph Nikolaus Allgeyer sie vor gerademal 216 Jahren in der Kirche St. Johann installiert hat. Ein Jungspund sozusagen, weshalb Kirchenmusikdirektor Thomas Haller mit den Worten aufklärt: "Dieser Allgeyer baute die Orgel wie sein Vater, sein Großvater, Urgroßvater, Ururgroßvater und und und Orgeln gebaut haben." Irgendwie kommt man so ins Barock und hat eine ideale Begründung dafür, das Festival für Alte Musik in Aalen eben in jenem Kirchlein mit seiner "neubarocken" Orgel entsprechend ausklingen zu lassen.

Thomas Haller sitzt selbst am Manual, bedient die Fußpedale, zieht die Register, während ein Helfer im Hintergrund an den Seilen zieht, um das handbetriebene, manchmal auch ächzende Gebläse in Schwung zu bringen. Technik wie im Barock! Musikalisch mit dabei Andreas Vogel. Auch er mit einem im 17. Jahrhundert aus der Schalmei entwickelten Instrument, das für die damalige französische Barockmusik so unentbehrlich war, der Oboe. Der Stuttgarter gilt als ausgewiesener Kammermusiker, der in diversen Ensembles ("Faboé", "Lobos Trio", "CAMAS") renommierte Konzertreihen absolviert und als Solist auch den S3-Musikpreis verliehen bekommen hat. 

Mit Georg Philipp Telemann, dem barocken Großmeister schlechthin,  "Sonate Nr. 1 a-Moll" eröffnete das kleine Konzert. Leises Orgelspiel, eine singende Oboe. Andächtige Musik, ein überaus warmer Klang, der sich behutsam in einer "Siciliana" entwickelt, im zweiten Satz hörbar lebhafter wird und im dritten, einem "Andante", zu pastoraler Tugend mahnt. Wobei die Oboe über einem tiefen Moll der Orgel eine versonnene Melodie spielt, um im abschließenden "Vivace" tänzelnd wieder ins Leben zurückzukehren. Ein nahezu programmatischer Auftakt, denn Carl Philipp Emanuel Bach und Jean-Baptiste Loeillett beschreiben die Welt in vergleichbarer musikalischer Harmonie friedlich, freundlich und höchst liedhaft. Da lauscht man einfach gerne.

Den konzertanten Spannungsbogen liefert freilich der Kirchenmusikdirektor selbst, denn seine behutsame "Orgelbegleitung" endet bei seinen Soli.  Dafür sorgen freilich schon die Kompositionslieferanten, allen voran Dietrich Buxtehude, dessen raumfüllende (akustisch!)  zweiteilige "Tedeum Laudamus"-Fantasie von Thomas Haller in melodischer Ausgewogenheit Fantasie und Dramatik trefflich verbindet und glänzend dem kappellengleichen Kirchenschiff anpasst, ohne überspannte  Registrierung beziehungsweise akustischer Übertreibung. Dadurch kommt Buxtehudes

Kathedralmusik an der kleinen Allgeyer-Orgel mit einer gewissen Eleganz so prächtig zur Geltung. Auch hier die akustische Verbindung zu einem weiteren Orgelspiel, zu Buxtehudes gedankenvoll intonierter "Passacaglia d-moll, BuxWV 161". Antonio Vivaldi durfte mit seiner Suite aus "Il Pastor Fido" das kleine Konzert abrunden. Sowohl für Andreas Vogel als auch Thomas Haller nochmals eine schöne Gelegenheit, Stil und Ausdruck der Endphase barocker Musik zu Gehör zu bringen. Zumal Vivaldi in den sieben Sätzen seiner Suite den "guten Hirten" galant in einer imaginären wie assoziationsreichen Schäferwelt verortet. Zur Freude der Zuhörer - im Barock wie heute.

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Aalener Kulturjournal