in situ 19 - Carmina Burana

Ein Abenteuer aus Musik, Licht und Feuer

Bei einem OpenAir-Konzert  schreibt man bekanntlich gerne vom Wetter. Verständlich wenn Wind und Wolken sich so überaus wankelmütig zeigen. Bei der Eröffnung von "in situ 19 - Carmina Burana" auf Schloss Kapfenburg darf indes mit "Homo sum, humani nihil a me alienum puto" begonnen werden. Schließlich wird an diesem Abend auch in lateinischer Sprache gesungen. In Texten und Liedern, die von der Sprunghaftigkeit des Glücks, von Wohlstand, Vergänglichkeit des Lebens und der Freude über den Frühling erzählen sowie von Liebe, Lust und Leidenschaft. Deshalb zum Auftakt der Aphorismus "Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches, denk ich, ist mir fremd!"

Bei solch einem OpenAir-Konzert  schreibt man bekanntlich gerne vom Wetter. Verständlich wenn Wind und Wolken sich so überaus wankelmütig zeigen. Bei der Eröffnung von "in situ 19 - Carmina Burana" auf Schloss Kapfenburg darf indes mit "Homo sum, humani nihil a me alienum puto" begonnen werden. Schließlich wird an diesem Abend auch in lateinischer Sprache gesungen. In Texten und Liedern, die von der Sprunghaftigkeit des Glücks, von Wohlstand, Vergänglichkeit des Lebens und der Freude über den Frühling erzählen sowie von Liebe, Lust und Leidenschaft. Deshalb zum Auftakt der Aphorismus "Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches, denk ich, ist mir fremd!"

Bis zur anbrechenden Nacht versucht das Trio "Paddy goes to Hollywood" ein wenig Stimmung unter das Publikum zu bringen. Ein höchst schwieriges Unterfangen, übertrifft doch geselliger Small Talk die Lautstärke der Musiker. Selbstredend nicht immer, denn ab und an fällt ein Lied aus dem Rahmen, verstummen die Gespräche, beispielsweise bei Roger Whittakers "So how can you tell me you're lonley".

Mit der Dunkelheit kommt die Stille in den Schlosshof. Die letzten verbliebenen Kerzen werden gelöscht. Rabenschwarze Finsternis. Die große Pauke ruft zu „O Fortuna“, der Chor hebt zum mittelalterlichen Gesang an, in dem das Schicksal mit dem Mond am Nachthimmel gleichsetzt wird: "So veränderlich bist Du, wächst Du immer oder schwindest! – Schmählich ist das Leben hier! Erst misshandelt, dann verwöhnt es spielerisch den schwachen Sinn. (…) Schicksal, ungeschlacht und eitel, bist ein immer rollend Rad: schlimm Dein Wesen, Glück als Wahn bloss, fort bestehend im Zergehn!" Zaghaft beginnt die Klage, entwickelt sich jedoch zu einem wuchtigen Chorsatz. Dessen Emotionalität scheint kaum mehr überbietbar.

 

Es sei denn Joachim Brenner mischt sich ein. Der Meister der Pyrotechnik entwirft eine  atemberaubende Dramaturgie. Musik trumpft auf, Batterien an bunten Scheinwerfern blitzen und blenden. Orffs fantastische Musik geht ins Körperliche und Visuelle über. Gleißende Fackeln zünden, erleuchten die nachtschwarze Szenerie. Feurige Raketen schießen in den Himmel, queren den Schlosshof. "Drum zur Stunde ohne Saumen rührt die Saiten" - Uwe Renz treibt seine JPO an, die Chöre kommen an ihre akustischen Grenzen.

 

Feuerwerk und Licht! Der Himmel über dem Schloss erwacht urgewaltig zu infernalischem Leben aus Licht, Donner und Musik. Ein unerwarteter pyrotechnische Coup, der sich gen Ende der "Carmina" noch gewaltiger steigert. Das Publikum ist begeistert.  Ein atemberaubender Auftakt. Chöre und Solisten (Lauryna Bendziunaite, Michael Elliscasis, Andreas Beinhauer) singen vom Treiben in der Schenke, vom "Cours d´Amour", dem Hof der Liebesabenteuer, vom Knaben und dem Mädchen und am Ende - erneut unter dem Getöse des Feuerwerks - vom Schicksal, das selbst "den Wackersten" hinzustrecken vermag. 

Uwe Renz´ Musiker treffen Orffs mitreißende Rhythmus, die Sänger visualisieren die Bildhaftigkeit der Dichtungen. Nicht zuletzt ist es die vokalreiche Musikalität und auffallende Prägnanz der lateinischen Sprache, die das Publikum fesselt. Insbesondere jene überwältigenden Chorsätze, die Anfang und Ende des Werkes markieren. Dazwischen schlicht gehaltene Musik und einfacher Gesang. Wobei der "Cour d´Amour" mit seinen anmutigen Bildern und die mitreißende Hymne auf die Liebe bei "Blanziflor et Helena" die Ebene tugendhafter Zurückhaltung verlassen. Chor, Solisten und Orchester zelebrieren harmonisch wie rhythmisch einfache Weisen, führen sie zu einer sinnlichen prallen Musik, am Nachthimmel in Licht und Feuer gespiegelt.

 

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Aalener Kulturjournal