Festival Schloss Kapfenburg: "in situ 20 - solo"

Von Kennern und Könnern

Die Junge Philharmonie Ostwürttemberg (JPO) auf der Bühne beim Festival Schloss Kapfenburg. Hier kommt zusammen, was zusammengehört! Eigentlich müsste man gar nicht weiter darüber reden. Obwohl es durchaus Zeiten gab, da war aus unterschiedlichsten Gründen leider kein einziger der jungen Philharmonisten mit von der Partie. Schwamm drüber. In guter Erinnerung sind sie dennoch geblieben und in sehr guter Erinnerung werden sie auch mit ihrer Musik beim derzeit laufenden Event sein. Zumal sich Akademiedirektor Erich Hacker und JPO-Chefdirigent Uwe Renz einen höchst unterhaltsamen wie aufschlussreichen Gig haben einfallen lassen, der einem konzertanten Oeuvre gleicht, um es anschaulich zu umschreiben.

Der Grund ist einleuchtend, bei der Eröffnung des Festivals gar augenscheinlich: Alle JPOler auf der Bühne und davor jede Menge Solisten. Einer besser als der andere, für jeden Geschmack ein Scheibchen brillanter Musik, dazu eine allerhöchst bemerkenswerte Lichtchoreographie (Kay Möller, Video: Prof. Maximilian Richter) und in guter Tradition wurde erneut ein Bündnis aus Feuerwerk (Joachim Brenner, Robert Wahl) und Musik geschmiedet, das den absoluten Höhepunkt darstellte. Zwar keine "Music for the Royal Fireworks", schließlich gibt Georg Sviridov beim Festival den Händel und ist außerdem 230 Jahre nach dem Maestro geboren. Eine andere Musik also, aber mit Böller und Raketen sicher so imposant, wenn auch nicht ganz so gigantisch wie Anno 1749 auf der Themse. Der Nachthimmel über der Kapfenburg funkelte dennoch in nahezu allen Farben und Goldlametta regnete es obendrein herab.

Das bleibt in Erinnerung ebenso wie die fantastischen Musiker, die mit Edgar Elgars unverzichtbarem "Pomp & Circumstance", dem Marschauflauf, der glücklicherweise seit Edward VII.  nicht mehr mit Shakespeares  Othello-Zitat unterlegt ist, sondern mit "Land of Hope and Glory". So schnell wird ein 100jähriger Satz wieder aktuell. Erfreulicherweise ist die Kapfenburg nicht London und das Festival kein Brexit, so dass Elgars Komposition dennoch zu recht den Startschuss in eine vielfältige wie klangvolle, leuchtende und in jeder Hinsicht bemerkenswerte Nacht geben durfte. Gerecht wurde dabei dem Anspruch der Internationalen Musikschulakademie Schloss Kapfenburg, junge Musiker zu fördern. Erfolgreich, sei angesichts des philharmonischen Orchesters und der zahlreichen Solisten vorab schon angemerkt. Die "Fanfare" zum Auftakt dazu bläst Maximilian Sutter mit Jean-Baptiste Arbans „Karneval von Venedig“; dem Glanzstück für Solotrompeter wie  Maximillian Sutter.  Das Publikum zeigt sich begeistert.

Danach die 180-Grad-Wende, weg vom Blech, hin zum Saitenspiel. Iris Mack positioniert sich am Cello, um hingebungsvoll Saint-Saens "Schwan" zu hauchen. Das Publikum ist hin und weg. Bizets "Habanera" folgt. Am Mikrofon die Trude-Eipperle-Rieger-Förderpreisträgerin Barbara Grabowski, die mit schöner Stimme überzeugend wie temperamentvoll "L'amour est un oiseau rebelle" singt. Solch glühender Leidenschaft widmen sich hernach ebenfalls Marie Humburger (Saxophon) und Mona Weingart (Akkordeon), jenes Duo par excellence, das sich insbesondere in jüngerer Vergangenheit mit artifiziellem Können einen guten Ruf erworben hat. Hinreißend zelebrieren die Beiden Richard Gallianos "Tango pour Claude". Ganz vorne in der Publikumsgunst liegt auch Estelle Weber und wie bei Cellistin Iris Mack wird es auch bei der Violinistin ganz still im Schlosshof, obwohl ihr virtuos gespielter "Czárdás" (Vittorio

Monti)  alles andere als ein Abendständchen ist. Vielleicht noch am ehesten mit Dominik Englert vergleichbar, dessen „One study one summary“ (John Psathas) kaum einen seiner Zuhörer ruhig auf den Bänken sitzen lässt, gelingt ihm doch mit Marimbaphon und Percussions jener Rhythmus, bei dem man mit muss. Angesichts seines rasanten Hin-und-Herwirbelns stellt sich die Frage: Gibt es außer Teufelsgeiger auch Teufelsmarimbaphonisten?

Bei all den hervorragenden Solisten darf indes die JPO nicht vergessen werden. Nicht nur weil sie so dezent und stimmig die Solokünstler begleitet, sondern auch das sie mit Verve immer wieder zum orchestralen Kontext zurückfindet. Versiert geleitet von Uwe Renz und unübersehbar entspannt und in sich ruhend.  Fein abgestimmt auf die jeweils solistischen Beiträge, mal erstaunlich intensiv im Ausdruck, mal schwärmerisch, aber immer gegenwärtig.

So stimmt denn auch die durchaus heikle Balance zwischen Tutti und Solo, ungeachtet aller spieltechnischen Unwägbarkeiten und facettenreichen Interpretationsmöglichkeiten der Beiträge. Hier bewährt sich Uwe Renz´ Meisterschaft, seine Fähigkeit, den jungen Künstlern ein Höchstmaß an musikalischem wie technischem Können zu entlocken.

Was das mit Akademiedirektor Hacker zu tun hat? Sehr viel, doch das steht auf einem anderen Stern und hat mit dem Auftritt der jungen Philharmonisten nur indirekt etwas zu tun. Umso mehr aber sein eigenes "Solostück", sitzt er doch bei Leroy Andersons „The Typewriter“ als Hosenträger tragender Bürogehilfe an der Schreibmaschine, um im Takt der Musik die Tastenhebel charakteristisch klackern und die Schreibmaschinenklingel klingeln  zu lassen.  "Time forward" heißt es zum dann Abschluss. Zu der von der JPO gespielten Georgi Sviridovschen Feuerwerksmusik zaubert Pyrotechnikpapst Joachim Berner ein Lichter- und Sternenmeer in den Nachthimmel über der Deutschordensburg.

PS:

Um es nicht zu vergessen: Das Süddeutsche Salonorchester unterhielt mit charmanten Melodien, mit Musik, die leider immer seltener zu hören ist. Eigentlich wären die Musiker einen eigenen Konzertabend wert.

 

Info:

Lust aufs Kapfenburg-Festival? Für das Konzert mit James Morrison (28. Juli, 20.30 Uhr) gibt es noch Tickets.

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Aalener Kulturjournal