Beim Festival Schloss Kapfenburg schnackelst´s bayrisch 

Von der Alm ins Schloss mit Benni Hafner und Partystimmung mit LaBrassBanda  

Es gibt sie tatsächlich, die Fans, die in Lederhosen gen Schlosshof ziehen, das karierte Hemd unterm Jankerl. An diesem Abend gehört das dazu, wie das Luftgitarrenspiel ein Tag zuvor beim Status-Quo-Konzert. Bayrischer Traditionssound weltmusikalisch unterlegt, soll es werden. Schließlich ist das derzeit in! LaBrassBanda, so heißen die unzähligen Akteure auf der Bühne, denen kreative Zeitungsleute den Beinamen Bayerische Gypsy-Brass verliehen haben. Hört sich gut an, im Verlauf des Konzerts wird sich zeigen, da quetschen sich tatsächlich wahnsinnig gute Rhythmen durch die Lautsprecher. Eine Musik, die sich übrigens gerne die Attitüde "antikulturbürgerlich" gibt. Indes in diesem Sinne "gutbürgerlich", was die seltsamen Regeln für Fotografen betrifft; weshalb hier auch keine Fotos von LaBrassBanda zu sehen sind. 

Macht nichts, dafür gibt es Bilder von Benni Hafner. Den muss man im Schwäbischen nicht kennen, denn wie LaBrassBanda stammt er aus Bayern. Genauer vom Tegernsee. Irgendwie hat man bei diesem jungen Mann das Gefühl, er kommt direkt vom Münchner Musikantentreff. Oberbayrischer Dialekt, viel Improvisation und immer wieder krude Geschichten aus dem Alltag, meist kabarettistisch aufbereitet. Da macht das Zuhören  Spaß, so man etwas - trotz süddeutscher Herkunft - versteht. Beni Hafner zupft dabei kräftig wie bluesig die Saiten seiner Gitarre. Singt, erzählt, schwadroniert vom Wirtsbua und Kraxler "aus´m Stoll", der kein Blatt vor den Mund nimmt, auch wenn er "gor ned woiß, wos er spült". 

Blau-weißer Frohsinn in anarchischem Sound

ONach einer knappen halben Stunde verabschiedet er sich artig, was das immer auf bayrisch auch bedeuten mag, um den großen Brüdern von LaBrassBanda das Feld zu überlassen. Die kommen fröhlich  hüpfend auf die Bühne, prusten ins Blech, legen eine  Sound aufs "Parket", der auffallend starke Züge von Partymusik besitzt. Musik, die anheizt, Stimmung macht. Mit durchschlagendem Erfolg. Das Publikum jubelt und singt mit, die Laune steigt. Blau-weißer Frohsinn, der mit Polka und Funk gen anarchischem Sound treibt. Ansage und Liedtexte  bleiben, wie beim imara-Bua Beni Hafner für viele Zuhörer ein Geheimnis.

Dafür gerieren sich die merkwürdigen Blasmusikanten mal als mexikanische Trompeter, mal als bayrische Techno-Band. Polka ist immer wieder ein Muss, die Brass Band liebt schließlich bayrische Volksmusik, aber niemand sollte auf einen Karl-Moik-Sound hoffen, denn es geht auch mal mit punkigen Rhythmen zur Sache.   

Es sei  Musik, die einfach aus ihnen heraus wolle, behaupten die Oberbayerischen, denen gerne die filmische Attitüde von den "Men In Blech" angehängt wird. Ein Markenzeichen, dass - trotz klassischem Lederhosen-Outfit - vor der Vereinnahmung durch Musikantenstadl und Volkstümlichkeit schützt. Allerdings nicht vorm Mainstream. Die ersten Lieder überzeugen und überraschen mit ungeahntem Timbre. Doch nach und nach stellt sich das Gefühl ein, die nächste Nummer ist vorhersehbar. Das schmälert freilich in keinster Weise die Partystimmung. Das verzückte Publikum im Schlosshof war bester Beleg.

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Aalener Kulturjournal