Status Quo rocken die Kapfenburg

The Party Ain't Over Yet

Die Zahl darf man sich auf der Zunge zergehen lassen: Über 6000 Konzerte gab die britische Band "Status Quo" im Laufe ihres Musikerdaseins. Derzeit fügen die Hardrocker bei ihrer Tournee noch ein paar allerletzte hinzu, doch dann ist endgültig Schluss. Verständlich, denn nur noch Francis Rossi spielt von der alten Kämpen in der Band mit. Das Open Air auf Schloss Kapfenburg ist einer

 der lediglich fünf Auftritte in der Bundesrepublik, auf denen Status Quo nochmals so richtig ihren "Rockin´ all over the World"-Auftrag grooven lassen wollen. Eine Musik, die immerhin rund 2500 Fans nach Lauchheim lockt, wobei erwähnt werden darf, dass nicht nur Rossis Altersgenossen diese Rocknight erleben wollen, sondern sich auch viele teils deutlich jüngere Rockfans im Schlosshof tummeln. 

Status Quo - Gründungsjahr je nach Zeitrechnung 1962 beziehungsweise 1965 - die Musik ist entsprechend in die Jahre gekommen.  Auch Band-Mitbegründer Francis Rossi, der jedoch keinem zwanghaftem Jugendlichkeitswahn frönt. Schwarz gekleidet und in Turnschuhen zeigt er sich dennoch fit wie eh und je, auch sein Gitarrenspiel kann sich wie einst hören lassen. Denn Auftakt überlässt er basslastigen Sounds, die energiegeladen durch die Boxen sausen, um die Herzen der Zuhörer nicht nur vor Freude flattern zu lassen. Rockmusic eben. 

Die Musik von damals ist wieder da - live versteht sich. 

Entsprechend guter Dinge und aufgeräumt zeigt sich das Partyvolk. Es wird gejubelt, gewunken, mit dem Handy gefilmt und - da geht kein Weg daran vorbei - es wird ausgiebig Luftgitarre gespielt. Neuere Hits, alte Hits - die Musik kommt mit Druck daher, wobei selbstredend die Oldies für Höchststimmung sorgen. Die 2000 Fans vor der Bühne lassen sich davon anstecken, hüpfen und schwenken rhythmisch die Arme. An den Rändern ist mehr Platz, da wird getanzt, mit den Füße gestampft und in Hardrockmanier die Fäuste gen Himmel gereckt. Der hat an diesem Abend übrigens ein freundliches Einsehen und verzichtet weitestgehend auf  Niederschlag, sodass die wenigen Sitzenden auf ihren Plätzen bleiben können. Übrigens auch unabhängig von dem, was da aus den Lautsprechern drängt.

Verwunderlich, denn spätestens bei den "Greatest Hits" gibt es für die Anderen kein Halten mehr. 

Hintern werden hin und her, nach links und rechts bewegt, die Arme jeweils in entgegengesetzter Richtung, dabei noch ein wenig runter in die Knie und alles mit kleinen Drehungen verbunden. Bei den Jüngeren geht das flott vonstatten, so manch einem Älteren wird erst jetzt Ernst Moschs "Schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr" bewusst. Aber der Begeisterung tut dies keinen Abbruch, schließlich kennt sie kein Alter. Zumal die Texte noch alle präsent sind. Und wenn  Francis Rossi zum Mitsingen auffordert:"Shots ring out in the dead of night, the sergeant calls" - Rossi gibt den Fingerzeig und aus dem Schlosshof klingt´s in bewährtem Sergeant-Ton: "Stand up and fight!" Beifall, Jubel - Status Quo übernimmt wieder: "You're in the army now, oh-oo-oh you're in the army now." 

Geradliniger Rock - hart, laut, schnell und familientauglich

Da wird es einem ganz warm um Herz und Seele, da werden Erinnerungen wach. Für die Meisten ist das Rockmusik im besten Sinne, darf doch nicht vergessen werden, wer sich zu  Status Quo bekennt, will keine Experimente. Sondern bevorzugt deren geradlinigen Rock, der zwar hart, laut und schnell, aber mindestens genauso familientauglich sein muss. Deshalb zischen die einprägsamen Riffs nach wie vor so erfolgreich von der Bühne und deshalb verfolgen die Fans das musikalische Mit- und Gegeneinander  der Musiker um Francis Rossi so begeistert. 

Dass die Musik - wie es Hardrock gelegentlich bescheinigt wird - freilich nicht ganz so "wild" ist, die Bühnenperformance sich in Grenzen hält, entspricht auch in der aktuellen Status-Quo-Zusammensetzung dem Konzept der Ursprungsband um Francis Rossi, Rick Parfitt, Alan Lancaster und John Coghlan. Genau das lieben indes die Fans an Status Quo und an dieser Musik. Und deshalb jubelt das Publikum beim Open Air ein letztes Mal, als Status Quo seinen musikalischen Nachschlag abliefert.

Wer danach noch immer der Meinung ist "The Party Ain't Over Yet", muss sich leider fortan mit dem Plattenspieler ( vielleicht mit dem CD-Player) begnügen, weil es eben keine Wiederholung geben wird. Status Quo live ist Geschichte! 100prozentig. Es sei denn …

 

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Aalener Kulturjournal