Aalener Kleinkunst 

Götz Alsmanns Traum von "Bella Italia"

Er gibt sich formvollendet, gleicht in seinen fließenden Bewegungen einem Balletttänzers. Oder besser Traumtänzer? Gleich wem, jedenfalls bringt so etwas nur einer fertig: Götz Alsmann. Seines Zeichens fulminanter Mastermind des deutschen Jazz-Schlagers. Das Ende seiner Weltstadt-Trilogie stellt er in der Aalener Stadthalle vor und nahezu 1000 Fans wollen mit dabei sein.  Ob es überwiegend Frauen sind, wie er vermutet, sei dahingestellt. Begeistert sind jedenfalls durchweg alle. Das steht sicherlich auch im Zusammenhang mit den zuckersüßen Melodien, den unvergleichlichen Ohrwürmern. 

Wer kann zu denen schon nein sagen, zumal der erst auffordert: "Lass uns träumen am Meer, einen Traum von Amor." Richtig, Toni Renis´ Schlager von 1962. 

Der große Krieg noch brandheiß im kollektiven Gedächtnis stürzte man sich im damaligen Wirtschaftswunderland auf alles, was seichtes Nichterinnern versprach. Auf den Schlager eben. Zugleich träumten viele von Bella Italia, verhießen doch die südlichen Liedchen Lebensfreude pur. Götz Alsmann hüllt sie in vergnügliche Moderation, erzählt dazu Wahres und Fantasiereiches, erinnert an vergangene Schlagergrößen und an das Schlagerfestival San Remo, das den Italienern wie eine zweite Weihnacht ist. 

"Nel blu dipinto di blu"- darf´s noch etwas mehr sein

Alsmann überschreibt alles mit einem knappen „In Rom“. Der besagte dritte Teil seiner Trilogie, für die er mit seiner Band auch  „Am Broadway“ (Teil 1) und  „In Paris“ (Teil 2) war. Nun stieg er eigens in die römischen Gewölbe unter der Kirche Sacro Cuore di Maria hinab, zu Ennio Morricones berühmten Musikstudio "Forum Music Village".  Passend im Klang des Italo-Klassikers "Spiel mir das Lied vom Tod" serviert er eine Bella-Italia-Variante, die im italienisch-deutschen Miteinander die 

Schlagerwelt der 50er und 60er Jahre veränderte, einstmals ganze Fernsehshows dominierte.

Bei Alsmann werden sie neu arrangiert zu fast swingendem Jazz-Schlagern mit einem gewissen Bar-Timbre. 

Doch die Liedchen haben mehr in sich als nur Wiedererkennungswert, ob italienisch oder deutsch gesungen. Dass allerdings die italienische Fassung mit Sprachwitz spielt, ging an den deutschen Interpreten der 1950er Jahren oftmals unbemerkt vorbei. 

 

Das Ergebnis: kitschige Ernsthaftigkeit. Was hätte nicht alles Schöne aus Domenico Modugnos "Nel blu dipinto di blu  - In Blau gemaltes Blau", besser unter "Volare" (gesungen von Fabio Rovazzis) bekannt, werden können, hätte nicht einst Peter Alexander sein „Bambina“ daraus fabriziert, das mit dem Originaltext aber auch rein gar nichts zu tun hat. Alsmann hingegen legt präziser nach, wenn er „Ich fliege“ singt, um dem "Volare" seine innewohnende  romantische Sehnsucht Ausdruck zu geben.

Welch großartige Musik

Rocco Granatas „Marina“ darf nicht fehlen, auch nicht "Mambo Italiano", ganz zu schweigen von "Azzurro" - Italien pur und so überaus testosteronhaltig. Mio caro ragazzo!  Und dazu noch solch eine phänomenale Band, deren musikalisches Können über bloße Begleitung weit hinausgeht. Wie Alsmann unter anderem belegt, wenn er Verdis Ouverture zu "Il Trovatore" anstimmt: Flügel, Bass, Vibraphon und reichlich Schlagwerk. Dazwischen und danach folgen noch Klarinetten, 

Trompete und unverzichtbar das italienischste aller Instrumente: die Mandoline. 

Mit der Mandoline inszeniert er ein "Guarda Che Luna", wie es nur noch Luciano Pavarotti singen kann. Bei Alsmann indes ausgesprochen groovend vom Schlagwerk, Bass und Vibraphon umspült und in Deutsch gesungen: "Schau dir den Mond an". Klingt  leicht, lässig und charmant. Eine Art, die Alsmann auch in seiner Moderation pflegt, die authentisch zu den 1960er passt.  

Immer ein bisschen ironisch, ein wenig kitschig,  musikalisch aber erstklassig. So gut, dass das Publikum nicht genug bekommen kann. So dass nur noch eines fehlt:  "O sole mio". Doch diese italienische Hymne tippt Alsmann nur kurz auf dem Piano an. Dafür setzt er den Schlusspunkt mit "Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt, und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt, zieh´n die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus und sie legen im weiten Bogen die Netze aus" - Rudi Schurickes urdeutsche Bella-Italia-Phantasie.

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Aalener Kulturjournal