Günther Bayerl: Fotoausstellung in der Rathausgalerie

Weltkulturerbestätten durch das Objektiv gesehen

"Jeglichen Beifall errang, wer Nützliches mischt mit dem Schönen ", heißt es bei Horaz. In der Aalener Rathausgalerie ist davon die visuelle Umsetzung zu sehen. Der Fotograf Günther Bayerl zeigt in einer (leider) etwas zu kleinen Ausstellung Fotografien bedeutender Weltkulturerbestätten. Dazu gibt es einen umfangreichen Bildband. Für Oberbürgermeister Rentschler ein Prachtband, der die unmittelbare Region und Baden-Württemberg als Ganzes nicht vergisst.

Von wegen; schnell daher gesagte Floskel! Tatsache istr: Gehen Aalener auf Reisen, ist der Fotoapparat mit von der Partie. Zugegeben, nicht alle Bilder würden es in eine Galerie schaffen. Warum, sei dahingestellt. Aber es gibt sie doch, die Aalener, deren fotografisches Wirken dermaßen über den Durchschnitt herausragt, dass ein Betrachten ihrer  Bilder selbst für Außenstehende ein lohnenswertes Vergnügen ist. Die Namen liegen auf der Hand, die Unbekannten gilt es zu entdecken.

Günther Bayerl zum Beispiel. In der Stadt zwar kein Fremder, doch spätestens seit er die Aalener Bucht verlassen hat, kennen ihn nur noch Freunde. Gleich zwei Ausbildungen absolvierte er erfolgreich, frönte nebenbei und danach seiner Lust auf Reisen - die Kamera immer zur Hand. Bodenständig sei er, lässt Bayerl wissen. Und Schwabe obendrein.

Kein Wunder also, dass er sich reiflich überlegt, ob er sein Hobby Fotografieren zum Beruf macht. Folgerichtig schreibt er sich in Ulm im Studienfach "Digitale Medien" ein, was ihn fachlich nicht nur breit aufstellt, sondern ihm auch die Möglichkeit eröffnet, Fotografie zum Schwerpunkt zu erheben. Das war 2006.  Mittlerweile arbeitet er als Berufsfotograf,  hat er ein Praxissemester in Stuttgart, ein Auslandssemester an der Kunsthochschule in Tasmanien und seine Abschlussarbeit über und in Sri Lanka hinter sich. 2011 folgte die Entscheidung als freiberuflicher Fotograf für allerlei namhafte Firmen und

Magazine zu arbeiten. Das führt zurück zu seiner Reiseleidenschaft, denn dieser kann er nun nach Herzenslust frönen. Von Patagonien über die Wüste Namibias und den Beduinen Jordaniens bis hin zu den Stränden der Südsee und den Kulturen Asiens führte ihn bisher der Weg. Und was entdeckt ein Aalener in der Ferne? Die Schönheit der zurückgelassenen Heimat. Mit der beschäftigt er sich nun schon seit Jahren, insbesondere mit den kulturhistorisches Phänomenen. Günther Bayerl machte daraus bereits vor drei Jahren einen prächtigen Bildband über die Schwäbische Alb. Nun legte er nach und veröffentlichte einen über das Welterbe Deutschlands.

Zugegeben ein schwergewichtiges Werk, das aber nicht nur deshalb der Bedeutung der fotografierten Objekte gerecht wird, sondern auch durch die höchst sehenswerten Bilder. Durchblättern ist angesagt, verweilen über den Fotos, schmökern in den informationsreichen Texten. Was ihm bei seiner eigenen Bildauswahl am besten gefalle, darauf kann Bayerl keine rechte Antwort geben. Verständlich! Doch die sechs Eiszeithöhlen im Ach- und Lonetal, das Kloster Maulbronn und selbst den römischen Kran des Aalener Limesmuseums hat Bayerl ins rechte Licht gerückt.

Der Bildband spannt dabei den Bogen von der Urzeit bis in die Moderne, die Unteruhldinger Pfahlbauten, die Insel Reichenau sind mit dabei, auch der Speyerer Dom, die Bauhaus-Architektur.

All die fotografischen Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie hautnah man anhand der 42 deutschen Welterbestätten und -schätze Geschichte erleben kann. Man muss sich nur darauf einlassen. Günther Bayerls Bildband kann zwar mit seinen vier Kilo Gewicht nicht als Reiselektüre dienen, doch er birgt auf 320 Seiten und mit seinen 200 Abbildungen jede Menge Motivationspotenzial, um Lust auf eine Reise zur den Weltkulturerbestätten zu bekommen.

In der Aalenerer Rathaus-Galerie ist eine kleine Auswahl dieser Fotografien zu sehen, Bilder, in die Bayerl viel Zeit und Kreativität investierte.

 

Morgens, mittags, abends - eine Entscheidung, die die Atmosphäre eines Bildes wesentlich bestimmen kann. "Schnappschuss" oder komponierte Aufnahme?  In welcher Achse liegt der jeweilige Raum am optimalsten? Fragen über Fragen, die der Fotograf oftmals spontan beantworten musste, insbesondere da er Wert auf höchst individuelle Fotos legt. Man solle in den Bildern auch seine Handschrift erkennen, meint Günther Bayerl. Charakteristisch sind beispielsweise seine Vorliebe für unwirkliches Licht, vielleicht auch die verwischten Wolken und die spiegelglatt erscheinende Wasseroberflächen. Solche "Spielereien" heben ihn aus der Masse an Fotografen heraus und geben dem Bildband etwas Einzigartiges. Aber wer kauft heute noch in einen 98 Euro teuren

Bildband, wo doch das Internet schnellere Antworten liefert ? Überraschend viele, verrät Günther Bayerl. "Die erste 3000 Bücher umfassende Ausgabe war innerhalb weniger Wochen verkauft."

 

Bildband Welterbe - Deutschlands lebendige Vergangenheit
Günther Bayerl und Florian Heine

 

© 2018 Frederking& Thaler Verlag in der Bruckmann Verlag GmbH

ISBN 978-3-95416-190-4

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Aalener Kulturjournal