Galgenberg Festival zum Ersten

  Schlaflos in Aalen - ein Schwoba Speschl

Der Abend war noch jung, als das derzeit angesagteste Aalener Trio - Tightrope - begann, das Publikum auf dem Gelände des ehemaligen Gaskessels in Schwung zu bringen. Mit mäßigem Erfolg, wobei es sicherlich nicht an den drei Musikern lag, sind sie doch ausgewiesene Könner. Aber vielleicht war die Luft zu lau, der Sonnenuntergang zu romantisch, der Mond zu hell, die Tischnachbarn zu nett und vor allem zu gesprächig - manchmal übertönte das Stimmengewirr gar den Sound der Band. Besserung war indes in Sicht, denn nach und nach setzte sich die Musik durch, nicht zuletzt, da die sich auf "Welttournee" befindliche "Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle" einen Abstecher an den Hirschbach  wagte. 

Mitten rein in den mit "Schwoba Speschl - Schlaflos in Aalen" überschriebenen Teil eins des Galgenberg Festivals. Ein Open Air, das mit all den vielen Freiluftveranstaltungen rings um die Aalener Bucht nicht vergleichbar ist, hat es sich doch wie bei der Gründung vor 17 Jahren eines ganz besonders bewahrt: die außergewöhnliche Atmosphäre, die einst im Hof der Grünbaum Brauerei ihren Anfang nahm und beim Wechsel aufs Gaskesselgelände mitgenommen wurde. 

Da passte es prächtig, dass die Stumpfes das Publikum symbolisch zum konzentrierten Zuhören aufforderte. Ihr Mittel der Wahl: Ein kleines piemontesisches Volkslied, das allerdings über Generationen hinweg seinen guten Klang erhalten hat und vom schwäbischen Musikerquartett neu in Szene gesetzt wurde: „La Montanara“. Danach ging es gewohnt Schlag auf Schlag. Schwäbisch wurde ausgeteilt, schwäbisch von Schmach und Schande gsonge, das auserkorene Opfer diesmal: die Fachsenfelder. Rockmusik von gestern folgte mit dem "Schreiner seim Gsell", auf dem Biene-Maja-Trip nehmen sie "Sabine Mayer" mit (der Reim ist Zufall), und wer nun glaubt, "i kohs nemme hera", muss sich vom Publikum eines Besseren belehren lassen, denn die Zuhörer sind begeistert und verlangen nach mehr. Und was wäre als i-Tüpfelchen angebrachter als das zur Hymne gewordene "Bemberle", des so guat weh duat. 

Doch es ist kein Stumpfes-Solo-Konzert, weshalb sich noch in den Auftritt der "Zieh und Zupf Kapelle" die a-cappella-Knaben "Die Fünf" einmischen. Vergleichbar den Stumpfes und doch anders: Populäre Melodien, denen meist spaßige Texte übergezogen werden. So mutiert Klaus Lages  "1000mal berührt" zu "1000mal püriert", es geht auch um Schweinebraten mit Rotkohl und selbst Patrick Lindner wird in diese "schwäbische Folklore", wie es die Musiker nennen, mit dazu gebeten und noch sehr viel Ironie. 

Etwas ernsthafter (zunächst) gibt sich hingegen die SWR-Big-Band, die unter anderem mit "Sweet Emma"   der amerikanischen Jazzpianistin Emma Barrett huldigt. Populäre Standards, dazwischen auch Unbekannteres, Rhythmen für Hände und Beine, eben Musik zum Mitswingen. Als Gastsängerin bei der SWR-Big-Band dabei: Fola Dada. Mit ihr entschwindet zwar die schwäbische Mundart, doch als Stuttgarterin weiß die Sängerin um die Gunst der Stunde: Unter anderem zieht sie mit "Diamonds are the girls best friends" das Publikum auf ihre Seite. Wären da nicht die Mitmusiker von "Herrn Stumpfes" und die der "Fünf", die sich unablässig einmischen, um dem "Schwoba Speschl" in die richtige Form zu trimmen. 

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Aalener Kulturjournal