Galgenbergfestival

In the Heat of the Night

Vom brennend heißen Wüstensand sang einst Freddy Quinn in seinem "Heimweh"-Lied. Jetzt, 62 Jahre später, brennt die Nachmittagssonne mindestens so heiß auf den Schotterplatz des alten Gaswerks. Am Abend zeigt das Thermometer glücklicherweise lediglich noch 27 Grad an. "In the Heat of the Night" ist folgerichtig der Musik geschuldet, die im fliegenden Wechsel die Musiker des "Vereinsorchesters" durch die Lautsprecher jagen. Und damit das heimliche Versprechen des diesjährigen Galgenbergfestivals - „Feelin’ Alright“ - Übergebühr erfüllen. Wobei das letztjährige  "Schlaflos in Aalen" sozusagen als Dauerbrenner immer gültiger Untertitel ist.

So manch ein Nachtschwärmer tauchte denn auch erst spät in der Nacht auf, als es auf dem proppenvollen Schotterplatz beim einstigen Gaskessel, schon hoch herging. Musikalisch gesehen. Auffallend war übrigens, dass viele Festivalbesucher heuer rechtzeitig zum letzten Event vor der Sommerpause kam, besser ist von halb Aalen zu reden, um zwei Dinge zu tun: klasse Musik  zu hören und das Vereinsorchester der Kulturfreunde Galgenberg zu erleben.

Hinter den Akteuren dieses ganz besonderen Orchesters stehen die musikalischen Lokalmatadore aus der Region, die local heroes, die dem  OpenAir sowohl eine spezielle Note wie auch ein Alleinstellungsmerkmal verleihen. Eine unverzichtbare Notwendigkeit angesichts der „Flut“ an Freiluftveranstaltungen, die sich rund um die Wendezeit Juli-August drängeln. Das Aalener Galgenberg Festival hebt sich aus diesem Freiluftstadl schlichtweg als der eigentliche Ostalb-Geheimtipp heraus.

Geheimtipp zurecht, denn mit dem Vereinsorchester erklimmt ein bunt zusammengewürfelter Truppe aus Profis und Amateuren die Bühne. Allesamt musikalische Akteure mit höchst bekannten Gesichtern, die sonst nur in Verbindung mit Bands wie den Stumpfes, Tightrope, Dannemann Hausband, Beatles Band, Voicechords, Live ‘n’ Nature, Barline5, Homebelly Groove, Flying Penguins und - wie sie sonst noch heißen oder hießen - gebracht werden und unterm Regiment von Herrn Kapellmeister Matthias Kehrle stehen. 

Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die  Jungen

Auf der sich daraus ergebenden stilistischen wie musikalischen Vielfalt beruht seit Festivalurzeiten der alljährliche Erfolg dieses markanten Konzertteils, bei dem es trotz Besucherandrangs immer wieder gelingt, eine überaus lässige wie familiäre Atmosphäre zu schaffen. Immer nach dem Motto: Musikspaß für jeden.

Noch eine unverzichtbare Anmerkung: Was den alten „Musikerhasen“ sichtlich Vergnügen bereitet, kann den jungen nur recht sein, weshalb bereits vor vielen Jahren Timo Schaal ein quirliges Jugendvereinsorchester initiierte, das unter dem Namen "Gallow Mountain Express" regelmäßig als Opener fungiert. Chef des Jugendvereinsorchesters ist derzeit Christian Steiner, der dafür sorgt, dass die Jugend denn auch tatsächlich publikumstaugliche Musik nach der bewährten Devise „Be Happy“ abliefert. Dabei stehen den Frischlingen insbesondere aktuelle englischsprachige Hits zur Verfügung. Und wer ihnen alle Jahre wieder mit Vergnügen lauscht, weiß: Die werden immer besser und können´s mittlerweile so gut wie die Großen. Populärer ausgedrückt: Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die  Jungen.

Beim Festival dreht es sich allerdings die Reihenfolge um. Noch während der "Mountain Express" Beifall erntet, drängen schon die "Allstars" zum Zwitschern. Das Vereinsorchester rüstet sich. Wie immer tauchen viele bekannte Gesichter aus allen wichtigen lokalen beziehungsweise  regionalen Szenebands auf der Bühne auf. Für sie ist das Festival eine spaßige Session, für die Fans eine fabelhafte Partytime, bei der Mitklatschen, Mitsingen und Tanzen angesagt ist.

 

Musik und Lebensfreude im Bundle

Dafür garantieren nicht nur die im fliegenden Wechsel auf der Bühne agierenden Musiker, sondern auch die bluesigen bis rockigen Ohrwürmer, populäre Balladen von einst und jetzt, präsentiert in einem überaus groovenden wie fabelhaften Vereinsorchestersound.

Musik, die begeistert und Partystimmung garantiert. Mitfeiern ist angesagt, wobei heuer die Festivalbesucher sich temperaturbedingt zugeknöpfter zeigten als in den Jahren zuvor. Ausreißer waren dennoch die Regel, zumal wenn Sonja Felkel, Timo Schaal, Flex Flechsler, Axel Nagel, Walter Belge und all die anderen prächtig ins Mikrofon sangen. Mal ganz dicht am Original, mal in einer famosen Vereinsorchester-Version, aber immer als zuverlässiger Stimmungsmacher par excellence.  

 

TIPP

Heute Abend: „Pop & Poesie“ goes Galgenberg (04. August; 20 Uhr)

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Aalener Kulturjournal