Heidi Hahn in der Aalener VR-Bank Ostalb

Wie ist die Welt so stille

"Fertig werden Bilder eigentlich nie", gesteht Heidi Hahn. Kaum sind die ersten Pinselstriche gesetzt, schon wischt die Künstlerin mit einem Tuch darüber, wechselt Pinsel und Farbe und malt erneut an ihren so sonderbar in Licht und Nebel getauchten Landschaften. Es scheint, als sei  Heidi Hahn in die Rolle der Nele Leibert geschlüpft, die in Sabrina Jeneschs Buch "Katzenberge" vermessen durch die im Nebel versunkene niederschlesische Flur wandelt. Heidi Hahn möchte indes nicht im  Trüben fischen, zumal die Künstlerin während der Eröffnung ihrer aktuellen Ausstellung in der Aalener VR-Bank gleich noch eigene satirische Gedichtchen mit auf den Weg gibt.

Mauricio von der Gruppe "Zio Orlando" tut ein Übriges, wenn er "Cerco l'estate tutto l'anno e all'improvviso eccola qua" singt. "Das ganze Jahr such' ich den Sommer und jetzt auf einmal ist er schon da" - Adriano Celentanos "Azzurro" passt einfach zu diesen in sich heiter gestimmten Bildern, auch wenn Azurblau in keinem der Bilder auftaucht. Dafür haben sie dieses unerlässliche Quäntchen Magie, das Kunst zur Kunst macht.

Das mag an den nicht enden wollenden und sorgsam übereinandergelegten Farbeschichten liegen, die in wechselndem Licht immer wieder anders reflektiert werden, so ein suggestives Gefühl von Raum, Tiefe und Bewegung vermitteln. Ein fast schon wesenhaftes Licht in anrührender Farbigkeit, irgendwo zwischen Abstraktion und Realität irrlichternd. Die Grundfeste aller Natur- und Landschaftsmalerei.

Doch nur wer vor den Bildern stehen bleibt, sich auf sie einlässt, darf in dieses eleusinische Farbenmeer eintauchen, in eine harmonische Farbsymphonie. Keine kunterbunte, vielmehr eine zart angehauchte, ätherische. „Und aus den Wiesen steiget / Der weiße Nebel wunderbar“ - im Schutze einer beharrlichen Unschärfe gehen Täuschung und Phantasie Hand in Hand. „Wie ist die Welt so stille, Und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold!“ (Matthias Claudius). Natur war und ist das große Thema in Heidi Hahns Malerei. Die Bilder wirken verhalten kraftvoll, oftmals dramatisch und zugleich schwärmerisch. Sie sind abstrahiert und doch ganz nah an Figurativem. Ein solchermaßen geleitetes Erkennen beflügelt irrationale Phantasien, die sich zu geheimnisvollen Geschichten über Hogwarts-gleiche Welten verdichten. Aber nur wenn  sie Sinne Beim Spiel von Licht und Schatten muss diese Phantasie an die Macht!

 

Heidi Hahns Hahns Malstil erinnert frappierend an  den Impressionismus eines William Turner.  Wie er konzentriert sie sich auf das Wesentliche, auf Motive und Farben, wobei sie einer freien Malweise frönt, um so den Blick auf die Natur neu bewerten zu können. Immer in der demütigen Gewissheit: „Als Maler werde ich vor der Natur hellsichtiger. Ich kann nicht die Intensität erreichen, die sich vor meinen Sinnen entwickelt, ich besitze nicht jenen wundervollen Farbenreichtum, der die Natur belebt“ (Cezanne an seinen Sohn Paul Cezanne). 

In klassischer Weise malt die Künstlerin das Objekt Natur nicht so, wie sie es vorfindet, vielmehr hebt sie es behutsam auf eine befremdend und zugleich verlockend wirkende Ebene.  Fantasievolle Landschaftsräume werden inszeniert, dramatische Naturereignisse zu traumhaften Ereignissen. Erkennbar und doch verborgen unter einem poetischen Schleier.

 

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Aalener Kulturjournal