Oberkochen dell´Arte: Helge und das Udo

Wo ein Wille ist, ist auch ein Witz

Vor dem Oberkochener Bürgersaal herrscht viel winterliche Kälte, drinnen hingegen wohliger Schwabencharme. Keine Selbstverständlichkeit, zumal die beiden Komödianten direkt aus Kiel an den Kocher kommen. Dessen ungeachtet servieren "Helge und das Udo" keine wie auch immer geräucherten Sprotten, sondern überaus herzerfrischende schwäbische Mundart, die selbst einen eingefleischten Schwaben verwundert, aber sich als Garant dafür erweist, dass sich das Publikum vor Lachen kringelt. Schuld daran sind freche Reime und knitze Wortspiele sowie ein kaum vorstellbares Gag-Tempo. Nicht zu vergessen: "das Udos" höchst amüsante wie bilderreiche Gesichtsmimik. Alles verpackt in einen sehens- wie hörenswerten Mix aus scharfsinnigen Sketchen, alberner Tierparodie und trefflicher Improvisationskomik.

Ein schönes Beispiel dafür, die Mini-Sketche im Heinz-Erhardt-Stil. Die „Zahnziehung. Nur Wörter mit dem Anfangsbuchstaben "Z" sind erlaubt: Zahnstein,  Zimmer zwei! Zack, zack! Zähne zeigen! Zuviel Zigaretten. Zustand ziemliche Zumutung. Zitter, zitter. Zusatzbetäubung? Zeitverschwendung! Zahlungsart? (C)zent! Nein Zloty! Genausogut die kecken Sprachspielen á la "Oi Oi un oi Oi, san zwoi Oi!".

Die Zwei profilieren sich von Anbeginn als Komödianten nostalgischer Provenienz. Kein Django Asül, Bülent Ceylan oder Olaf Schubert, vielmehr geschwisterlich verbunden mit den Bajuwaren Constanze Lindner und Uli Bauer, aber immer im Geiste eines Heinz Erhardt und Loriot.

Dementsprechend frönen sie dem rar gewordenen Mix aus Sketchen und Improvisationskomik. Dass dabei ein zungenfertiger Kieler (Helge) mit einem drolligen Schwaben ("das Udo") gemeinsame Sache macht, wirkt wie das sprichwörtliche Salz in der Suppe.

Was immer Helge Thun und Udo Zepezauer an Sprache, Gestik und Mimik liefern, wirkt spontan und trotz aller Perfektion kein bisschen einstudiert. Sie flirten, schwelgen und rappen, fabulieren und scherzen. Einfach so, frisch von der Leber weg. Frei und ungezwungen,

manchmal gar hintersinnig und ab und an müssen die Beiden gar über ihre eigenen Scherze lachen. Ein unablässig wortverdrehendes Blödeln mit irren Dialogen, hin zu einem haarsträubenden Ergebnis - vollgepackt mit Sprachwitz, zungenbrecherischem Vokabular und eigentümlichen Schüttelreimen.

Ein bestens eingespieltes Team, das sich auf intuitive Situationskomik und Stegreif-Spiele versteht, dem kecke Limericks und freche Lieder leicht über die Lippen kommen - immer schlagfertig, bei Bedarf mit staubtrockener Ironie und ohne sich auf das Niveau platter Kalauer herabzulassen. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Witz", könnte das Motto sein.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal