Silvesterkonzert mit "Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle" 

"Komma senn mir als Fremde, ganga denn mir als Freind"

(KH) Der gemeine Schwabe als solcher kann bekanntlich alles, so er nur will. "Was ma net älles sott", täten "Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle" sicherlich flugs kommentieren, zumal sie auf die gleiche Weise alles parieren, was das Leben sicherlich auch im kommenden Jahr bereithält. Mit Humor und schwäbischer Mundart, versteht sich. Mit beidem  bieten die Musikanten alle Jahre wieder einen Tag vor Silvester in der Aalener Stadthalle dem allgemeinen kulturellen Verfall  mit Verve Paroli. Übertrieben? Bei Leibe nicht, denn wenn selbst Reigschmeckten auffällt, dass es kaum noch  „Muggaseggele“ herumlaufen, dann darf angenommen werden, es steht schlecht um die Mundart - besser: "Schwäbisch goat dr Bach na." 

Wobei selbstredend jede Medaille zwei Seiten hat, denn der Stumpfes Konzert Anno 2016 lädt manch einem mit Blick auf den Verständigungsgrad eine schwere Last auf, haben doch die vier Barden immer wieder jede Menge Knacknüsse auf Lager. Beispielhaft sei. "Henderscheviersche" genannt. Unwissenschaftliche Studien haben erwiesen: Einheimische wie Reigschmeckte ringen redlich um Übersetzungsvariationen, aber so recht weiß keiner Bescheid. "Ebbes isch andersch", um nochmals die "Zieh und Zupf Kapelle" zu zitieren.

Beim Konzert beharrte das Quartett selbstverständlich dennoch standhaft auf seiner schwäbischen Dialekt-Tradition und glücklicherweise auf seiner Musik, die - auf der neuen CD wie beim Live-Auftritt - regelrechte Triumpfe feiert und wahre Begeisterungsstürme auslöst. 

"Do ko mr hald nix macha, s'isch wias isch!"  

"Was haben die gerade gesungen?" -  Anscheinend die falsche Frage zur falschen Zeit, denn außer verständnislosen Blicken und Achselzucken gibt es keine Antwort. Der bedarf es freilich auch nicht, denn es kommt bei Stumpfes-Heimspiel insbesondere auf das Drumherum, auf Stimmung und Atmosphäre an. Das Urteil klar: grandios. "Sauguat!", sagt ein Fan und haut sich vor Begeisterung auf die Schenkel. Genauso sollte man sich ob solch urschwäbischer, hausmusikalischer und natürlich gnadenlos skrupelloser Lieder freuen. Ganz gleich, wie viel man versteht. Der Ton macht die Musik!

Gnadenlos voll ist´s in der Stadthalle - im Foyer, Saal, Empore. Wer die Barden kennt, weiß um deren Anziehungskraft. 

Folglich kommen die Fans aus Stadt und Land, reihen sich in die Warteschlange vor dem Einlass ein. Alle fabelhaft gelaunt, viele tragen Stumpfes-T-Shirts und alle sind gespannt, was  Manfred „Manne“ Arold, Benny „Banano“ Jäger, Michael „Flex“ Flechsler und Marcel „Selle“ Hafner sich Neues haben einfallen lassen. Da findet sich hauptsächlich in der Set-Liste der neuen CD manch bekanntes Unbekanntes. Wobei zugegebenermaßen sich das jauchzende Publikum über die alten, lästernden, witzigen oder auch nur harmlosen Lieder, die den Ruf des Quartetts  begründen, ebenso angetan zeigt wie über "Bäsles Hochzeit" und "Schneggle". Um im Kontext zu bleiben, "es kennt gar net scheener sei".

"I hab mein Lada ans Discheck gschlaga, …"  

„Herrn Stumpfes“ stehen eben für diese Tradition der besonderen Art. Wer die Kapelle kennt, weiß denn auch, was noch zum Konzert gehört: schwäbische Pünktlichkeit, schwäbisches Bier, schwäbisches Vesperbrot und alles andere Schwäbische auch noch.  Damit geht es sofort zur Sache, wobei jegliche Ernsthaftigkeit mit überbordendem Humor und chaotischen Gefühlsausbrüchen unterwandert wird. Nicht zu vergessen diese launige Nonchalance, mit der alles auf den Kopf gestellt wird, was eigentlich gar nicht auf den Kopf zu stellen ist. Zwangsgepaart mit verdrehen und vorführen, genial in Noten gepackt, vieles in muntere Dialoge gelegt. Die Mischung macht´s. Zu der gehört ein charmantes Honoratiorendeutsch genauso wie urschwäbisches Kauderwelsch. In beidem sind die Herren Stumpfes Meister! 

Erste Sahne ihr prächtiger Gesang, klasse die musikalische Begleitung, drollig die  Kinderspielzeug-Plastikinstrumenten-Einlagen. Und wer´s denn doch zwischendurch seriöser mag, wiegt sich im Rhythmus zur altvertrauten Weise von "Liebchen, willst Du mir gestehen". Erich Seemanns Dauerbrenner von 1929. Von "Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle" astrein hochdeutsch gesungen! Auch das geht, neben schwäbischer Mundart, Comedy und Frotzelei. Mehr braucht das Stumpfsche Stadlkabarett nicht, um die Stadthalle in einen freudetaumelnden Hexenkessel zu verwandeln.

Halt, nicht ganz! Eines darf aber als allerletzter Schlussakkord nicht fehlen: s´Bemberle.

 

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Aalener Kulturjournal