Ostalbtour

Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle verabschiedet das alte Jahr mit skrupelloser Hausmusik

 „Alle Jahre wieder oder doch lieber "The same procedure as every year"? Keine Frage, wenn „Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle“ zum Jahresende in der Aalener Stadthalle aufmarschiert. Ein mit skrupelloser Hausmusik ausgestattetes Quartett, das famos über 1000 Stumpfes-Fans begeistert.

Die zwar bundesweit agierende Chaostruppe gehört zu Aalen wie der Kocher und die Stadtkirche. Sie ist längst Teil schwäbischer Identität, Teil heimischer Kultur, die so unverbrüchlich hintersinnig erscheint, das sie keiner missen möchte. Folgerichtig kommt tout le monde zu den beiden Heimspielen - im Sommer zum Fachsenfelder Schloss OpenAir, zum Jahresende in die Stadthalle. Wie eben wieder und wie immer ausverkauft, noch bevor der Vorverkauf so richtig in die Gänge gekommen ist.

Wie eben wieder und wie immer ausverkauft, noch bevor der Vorverkauf so richtig in die Gänge gekommen ist.

Blödelbarden, Comedians, Musikclowns oder kammermusikalisches Musik- und Gesangsquartett mit Stich? „Wenn die hearsch, bisch sicher - bei dr Zieh & Zupf Kapell“, deuten die Fans nachdrücklich und singen so manche Ballade, als sei sie die Hymne ihres Lebens. Apropos Hymne. Seit Anfang 2019 sind die Vier gar von Landrat Klaus Pavel offiziell bestallte Botschafter des Ostalbkreises, zumindest wenn sie bei ihrer Tour "Die eigens verfasste Ostalbhymne" schmettern. Beim jetzigen Konzert mit tatkräftiger Unterstützung der SHW-Bergkapelle, die beim ihrem traditionellen "Steigerlied" die Stumpfes zu SHW-Bergkapellen-Frontmen erkoren.

Unterstützung der SHW-Bergkapelle, die beim ihrem traditionellen "Steigerlied" die Stumpfes zu SHW-Bergkapellen-Frontmen erkoren.

So ist das im Ostalbkreis, da wäscht eben sehr zur Freude der Konzertbesucher eine Hand die andere, zumal alle mitsingen dürfen.    „Stumpfes“ sind überdies einfach Kult. Manche meinen sogar Pflicht, da sich ihr mit Blues, Folk, Rock und Pop unterlegtes schwäbisches Liedgut längst zur Weltmusik par excellence entwickelt hat. Klassisches a´ cappella, ein Landler oder wie wäre es mit groovendem Blues, gefolgt von  allerschönstem Belcanto? Alles kein Problem, weil alles mit schwäbischem Herz und Verstand gemeistert

wird. Daneben wechseln sie von einem Instrument zum anderen, jeder spielt alles, denkt mr, ond jeder sengt au no dazua, glaubt mr.

Doch das gehört zum Repertoire, auch wenn niemand so recht glauben mag, dass dahinter auch noch eine durchgeplante Choreographie steckt. Eine die so lebensecht herüberkommt, dass niemand sie bemerkt und wenn, dann jeder glaubt, die Stumpfes seien Meister der Spontaneität. Authentisch schwäbisch eben  wie all der knitze Humor in den Texten, das leidenschaftliche Verhohnepipeln von allem und jedem. Das eigentliche Wesen Stumpfscher Sanges- und Musizierkunst. Niemand kann davor sicher sein, nicht mal die

Musiker selbst. Und so singen und ulken sie in einem fort, prusten in die Tuba, zupfen auf dem Bühnenboden liegend den Bass und lassen bei Bedarf gar Spielzeuginstrumente quäken, um der fidelen Hausmusik jene sagenumwobene Skrupellosigkeit zu verpassen, der die Fans lustvoll zu Füßen liegen. Spätestens dann dämmert es selbst Nichtschwaben, warom ond wieso des so ond so ond net andersrom isch. Doch, um mit Goethe zu reden, "Der Worte sind genug gewechselt, / Laßt mich auch endlich Taten sehn! / Indes ihr Komplimente drechselt, / Kann etwas Nützliches geschehn." Genau so ischs odewr so ähnlich, weshalb jetzt nur noch Fotos vom Konztert kommen. Die passende Musik gibt es unter www.stumpfes.de

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Aalener Kulturjournal