Die Hymne der Ostalb

"Ostalbherz"  

Sodele, jedzd han d´Oschdälblr also au ihre National- äh Oschdalbhymne. Ha no, warom au nedd? Das passt ja blendend zum Zeitgeist, zumal der Lobgesang auf Land und Leute durchaus mit Recht, aber auch mit einem Schmunzeln bedacht werden darf. Wer am Wochenende mal über den Aalener Tellerrand geschaut hat, konnte tatsächlich der vom Westwind aus Gmünd herüberwehenden Ostalbhymne lauschen.

Da indes auf das Wetter kein Verlass ist, sorgten bereits zuvor die Kreisverwalter für einen großen Presseauflauf, damit denn auch alle Medien umfänglich über die neue Ode berichten sollten.

Eigentlich hätten sie gleich über Sebastian Blaus "Gsangverei" schreiben können, auch weil die vier Ostalbhymne-Sänger - Flex, Manne, Benny und Selle - mit ihrem äußeren Erscheinungsbild so schön daran erinnern: " Jetzt legat se los, weil jetzt ischs eane gleich, wia zittrat dia Schnautzbärt, wia wacklat dia Bäuch / Sia sengat so schea ond sia sengat so laut, (…) / Ond sia machat ganz schpitzige Mäuler, …!" Für alle, die bei der Präsentation der Ostalbhymne nicht dabei waren: Genauso war´s.

Aber der Reihe nach: Irgendwann und irgendwo kamen "Herrn Stumpfes Zieh und Zupfkapelle und Landrat Klaus Pavel irgendwie auf die Idee zu einer Ostalbhymne. "Des wär do ebbes. Machd ihr mid?", wurde vermutlich gesagt und gefragt.

Eine schwäbische Ode in heimischer Diktion, die vor allem die Liebe zur Heimat beflügeln sollte, schwebte den Initiatoren vor. Mit "Herrn Stumpfes Zieh und Zupfkapelle" hatten sie zugleich die richtigen Musikanten zur Hand, die dem Liedchen die notwendige Portion Heimatliebe mit auf den Weg geben konnten. Inhaltlich wie musikalisch.

Norda, Oschde, Süda, Weschda - do dahoim isch's am beschta

"Ostalbherz" steht über den fünf Strophen, die mit leicht melancholischem Unterton von einer Reise durch die Ostalb berichten und zu dem immer gleichen Ergebnis kommen: Wer hier geboren ist, verlässt die Ostalb nicht und wenn, kommt er/sie schnellstmöglich wieder zurück.

"Ob an Jagst, Rems, Brenz oder am Kocher /auf´m Härtsfeld oder auf´m Aalbuch / wenn de weg warsch ond´s de wieder hoimziaht / wird´s Dir wärmer om dei Herz, es bombert wild ond Dir wird klar: /Do bei Dir, auf dr Ostalb, fühl i mi, ganz bei mir."  So ist das mit den Menschen hier. Keiner geht freiwillig.

Das Lied könnte tatsächlich ein Ohrwurm werden, wie so viele der Stumpfes-Lieder. Doch mit der "Ostalbherz"-Ode gehen die Musiker noch ein Stückchen über das Gängige hinaus,

soll sie doch auch all jene erreichen, die der sogenannten "skrupellosen Hausmusik" der Barden eher skeptisch gegenüberstehen. Deshalb kommen gleich drei Versionen auf den Markt, eben als skrupellose Hausmusik, in einer hymnischen Version - unterstützt von der Bläserformation "Junges Fieber" - und eine für Blasmusik-Orchester. Besonders diese Komposition  betont den musikalischen Aspekt, dem man unüberhörbar eine gewisse Nähe zu Ernst Moschs Egerländern attestieren darf.

Dabei zahlt es sich zugleich aus, das sich das von "Manne" Arold in Noten gesetzte Liedchen rhythmisch einem Defiliermarsch ähnelt. Wer´s pazifistischer mag: Es kann auch durchaus beim Wandern über die Ostalb geträllert werden.

 

"Singe, wem Gesang gegäben!" Älle andera derfed abr au midsinga.

Landrat Pavel zeigte sich bei der Uraufführung am vergangenen Samstag im Gmünder Stadtgarten so begeistert, dass er und eine ganze Riege an Ostalbbürgermeister im Chor und auf der Bühne mitsangen.  Auf der Ostalb lebten die Menschen mit Herz, Hand und Verstand, auch wenn hier das Leben in der Vergangenheit nicht immer leicht gewesen sei, betonte Pavel. Dafür werde heute ehrenamtliches Engagement um so größer geschrieben. Zum Beweis führt der Landrat jene 1000 Ostälbler an, die im vergangenen Jahr beim Ehrenamtstag auf der Kapfenburg ausgezeichnet wurden. Wenn sich der Tag im Sommer wiederholt, werden übrigens alle mit einer Stumpfes-CD belohnt, darauf die Ostalb-Hymne. Auch an die Musikvereine wurde gedacht, sie bekommen demnächst Post vom Ostalbkreis, darin:  100 Notensätze, damit sich die Hymne auch ja schnell verbreitet.  Dafür arbeiten auch die Musiker von "Herrn Stumpfes Zieh und Zupfkapelle". Sie wollen das musikalische "Ostalbherz" in den Mittelpunkt ihrer 2019er Ostalbtour  stellen, die in Gmünd begann und fortan durch Dörfer und Städte zieht, um traditionsgemäß am 31. Dezember in Aalen wieder zu enden.

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Aalener Kulturjournal