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Filmkunstprojekt

Keine Stille im Auge des Orkans

Überraschend viele Interessierte fanden sich am Samstagabend auf dem Aalener Sparkassenplatz ein, um auf der großen LED-Leinwand die erste Ausgabe des Aalener Filmfestivals mitzuerleben. Noch nicht ganz Festival, doch auf einem guten Weg, da von wackeliger Amateurfilmerei wenig, von künstlerischem Kurzfilm dagegen viel zu sehen war. Allesamt handgemachte Mikrofilme unter der Überschrift "Im Auge des Orkans". Ein Format, das sich sehen lassen kann und nach einer Fortsetzung verlangt.

Mit Horrorsound und atemberaubender Geschwindigkeit kommt bekanntlich ein Orkan daher. In seinem Auge herrscht freilich Totenstille. Während draußen die vierte Pandemiewelle anrollt, breitet sich drinnen eine Ruhe aus, die noch zwischen behaglich und unheimlich wankt, aber Zeit zum Nachsinnen ermöglicht. Zeit, sich einer orkanartig wandelnden Welt neu zu vergewissern. Ein Muss und ein Weckruf für die Kunst. Fragen stehen im Raum, nach Antworten wird verlangt, beispielsweise zum Leben der Anderen. Die Aalener Künstlerin Martina Ebel ergreift die Initiative und schart acht weitere Kollegen um sich: Andreas Böhm, Ines Tartler, Silke Schwab, Andreas Welzenbach, Bruno Nagel, Julius Eiberger/Anselm Forcht und Jakob Arold.

Ihr Plan könnte mit "Künstler vis-a-vis Bürger" umschrieben werden. Bereits vor anderthalb Jahren begannen sie dafür auszuloten, was mitten in der Pandemie die Mitbürger bewegt, welche Gedanken und Gefühle, Hoffnungen oder Befürchtungen sie in schwieriger Zeit umtreiben. Ihren Gesprächspartnern wollten sie persönliche Geschichten entlocken, daraus möglichst interessante Kurzfilme entwickeln. Fremdes Leben reflektieren, artifiziell interpretieren - Martina Ebel spricht rückblickend von einem Auftakt zu einem prozesshaften Austausch.

Über 100 Aalener stehen mit Einbruch der Dunkelheit und bei herbstlicher Kühle auf dem Sparkassenplatz, werden in Vertretung von OB Rentschler von Uta-Maria Steybe begrüßt. Diese lobt die "einzigartige Idee" der Künstlergruppe, deren Engagement für die Bürger der Stadt.

Das Stichwort für Betriebsseelsorger Dr. Rolf Siedler, der sich als Fan solch künstlerischer Experimente outet, da sie Menschen nicht als Statisten wahrnehmen, sondern als Akteure.

 "Das gibt jedem einzelnen ein Gesicht", ist er sich sicher, um folgerichtig dann dem Publikum zu empfehlen: "Die Künstler haben decodiert, die Zuschauer müssen nun enträtseln." Und weil die Aalener Künstlergruppe daran so zielstrebig gestrickt hat und die Interaktion von Künstler/Bürger durchaus an Joseph Beuys erweiterten Kunstbegriff erinnert, spricht Pfarrer Siedler kurzerhand von der Beuys‘sche Vorstellung einer "Sozialen Plastik".

Einer flimmernden, die unterhaltsam und 45 minutenlang die LEDs zum Leuchten bringt. In achtfacher Vielfalt, mal vermeintlich klar und eindeutig, dann wieder abstrakt und mit manch surrealistischen Anflügen, geht es um Selbstfindung und Entfremdung, um Corona und um den ganzen restlichen Parcours des Lebens.

 

INFO

Die Kurzfilme sind in den kommenden drei Wochen immer wieder auf der Leinwand am Gebäude der Aalener Kreissparkasse zwischen 12 und 18 Uhr zu sehen. Ab Mitte Oktober auch im Kino am Kocher als Vorfilme.

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Aalener Kulturjournal