Inklusiver Spielclub zeigt Ovids "Metamorphosen"

Wenn die Götter sauer werden

Die Freude eines jeden Schauspielers: Drei Vorhänge nach der Aufführung! Bei der Premiere der "Metamorphosen" auf der Bühne im Aalener Wi.Z waren es gar fünf! Oder mehr? Jedenfalls waren die Zuschauer hellauf begeistert, applaudierten stehend und frenetisch. "Chapeau!", hätte man früher gen Bühne gerufen. Dort zeigten sich Schauspieler, Musiker, Regisseur, Dramaturg und all die anderen Beteiligten ob solchen Zuspruchs  verständlicherweise hocherfreut und zufrieden. Immerhin haben sie einen fulminanten Auftritt hinter sich. Gemeint sind die Mitglieder des Inklusiven Spielclubs des Theaters der Stadt Aalen. Gemeinsam mit Regisseur Siegfried Hopp und Dramaturg Winfried Tobias brachten die Amateurschauspieler kein Larifaristück der üblichen Art, wie man es theaterspielenden Menschen mit Behinderung gerne unterschiebt, auf die Bühne, sondern Ovids "Metamorphosen", ein antiker Bilderreigen, bei dem sich die Götterwelt den Kopf über die Erdenbewohner zerbricht.

 

Menschen mit und ohne Behinderung, letzteres in unterschiedlicher Ausprägung, gemeinsam beim Spiel, da sind falsche Gedanken schnell zur Hand. Umso größer die Überraschung über ein so spielfreudiges Ensemble. Zum Auftakt rezitiert am Bühnenrand Ovid (Regina Trauter) den Beginn allen Seins: "Am Anfang war Chaos". Die visuelle Umsetzung: ein in waberndem Nebel stocherndes Durcheinander. Herumirrende Menschen, wirres Rufen, ein schreienden Kauderwelsch. Ovid nennt es abfällig Mischmasch. Chaos eben. Das bliebe so, schritt nicht eilends Gott Jupiter herbei, um dem Tohuwabohu ein Ende zu bereiten. In seinem Gefolge die Götterschar, von Venus und Aurora über Iris und Minerva bis hin zur Furie. Alle sind gekommen, um Ovid die Leviten zu lesen, sind sie doch mit seinen Geschichten höchst unzufrieden, weil sie nicht immer bestens darin wegkommen. Künstlerische Freiheit ist der Götterreligion ein Dorn im Auge. Von Lug und Trug ist deshalb die Rede.

Zum Beweis werden einige der Erzählungen aus Ovids unendlichen Geschichten vorgespielt. Atmosphärisch unterstützt von einer gelungenen Licht- und Tanzchoreographie. Besonders ansehnlich bei Cindy Laupers "True Colors" und noch bemerkenswerter dank der Unterstützung durch das Streicherinnenensemble der Musikschule Aalen (Pia Geiger).

Der Inklusive Spielclub wagt mit den "Metamorphosen" eine höchst eigenwillige Inszenierung, die sich durch ein hohes Maß  an Gestaltung durch die gesamte Gruppe auszeichnet. Gisela Graf-Fischer, Bereichsleiterin des Samariterstifts, kennt die Herausforderungen, die ein solch anspruchsvolles Stück für Menschen mit Behinderung mit sich bringt. Deshalb lobt sie die Theatermacher ausdrücklich, da es gelungen sei, trotz kognitiver oder sprachlicher Beeinträchtigungen jedem Mitspieler eine gleichwertige Rolle zu übertragen. Wobei gegebenenfalls die Rolleninhalte zum besseren Verständnis von der gesamten Gruppe als Chor übernommen werden.

 

Unterstützt wird der „Inklusive Spielclub“ von der VR-Bank Ostalb und durch Mittel der „Aktion Mensch“ - in Kooperation mit der Samariterstiftung.

INFO

 

Weitere Aufführungen gibt es am 1. und 2. Juni (jeweils 18 Uhr) im Aalener Wi.Z

 

https://www.theateraalen.de

 

Fotos: P. Schlipf

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Aalener Kulturjournal