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AAlener Festival Orchester

Interview mit Gero Wittich

Am kommenden Samstag (25.09.; 20 Uhr) konzertiert das AAlen Festival Orchester unter der Leitung von Gero Wittich  in der Aalener Stadthalle. Nach seinem Einstand als Oktett im vergangenen Jahr tritt das AALEN Festival Orchester nun erstmals als vereinter Klangkörper auf. Das Orchester besteht aus Profimusikerinnen und -musikern mit Wurzeln und Ausbildung in der Region sowie deren Freunde, Kolleginnen und Kollegen.
Mit Sibelius‘ Valse Triste wagen die Musiker den Rückblick auf die Trauer in der zurückliegenden Zeit, spenden Trost mit Schuberts schlichter, heiterer und versöhnlicher 5. Sinfonie B-Dur und führen diese Elemente in Mozarts berühmter g-moll Sinfonie Nr. 40 zusammen. Was es mit dem Festival Orchester auf sich hat und warum gerade diese Kompositionen ausgewählt wurde, erläutert Gero Wittich im Interview.

Wie steht es in schwieriger Zeit um das AALEN Festival Orchester?

 

Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt erstmalig als geeinter Klangkörper auftreten können. Unser Gründungskonzert im letzten Jahr war Corona-bedingt schon auf zwei Oktette reduziert und fand im Oktober zwei Tage vor dem Lockdown statt. Viele der Musiker haben dann rund ein halbes Jahr lang kein Konzert mehr spielen können.

 

Sind die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommenden Musiker nach der langen Corona-Zeit nach wie vor motiviert, ein solches Orchesterprojekt mitzutragen?

 

Unbedingt, vielleicht sogar jetzt noch mehr. Ich denke, vielen Menschen ist der Verzicht auf Kultur und Musik, insbesondere das Konzerterlebnis, sehr schwergefallen – den Künstlerinnen und Künstlern selbst erst recht. Umso größer ist jetzt der Stellenwert und ich spüre auch noch einen gewissen Nachholbedarf und eine starke Vorfreude aufs gemeinsame Konzertieren.

 

Mussten und müssen Sie als Künstlerischer Leiter diesbezüglich viel Überzeugungsarbeit leisten?

 

Nicht im Geringsten. Ich habe keine Musikerin und keinen Musiker erlebt, die keine Lust auf dieses Projekt hatten. Hier war eher die Planbarkeit die Schwierigkeit, da aufgrund der Corona-Situation in vielen Berufsorchestern die Dienstpläne kurzfristig an die aktuellen Randbedingungen angepasst werden müssen. Auf diese Weise mussten wir schon die ein oder andere Änderung in der Besetzung organisieren, was uns durch den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung im Ensemble immer wieder gelungen ist.

Was garantiert beim AALEN Festival Orchester Musizieren auf hohem Niveau? Der Profistatus der Musiker oder gehört ein Quäntchen mehr dazu?

 

Das AALEN Festival Orchesters bekommt seine besondere Note dadurch, dass rund ein Drittel der Mitwirkenden aus unserer Region stammt und hier den musikalischen Werdegang begonnen hat. Heute spielen die Musiker in Spitzenorchestern wie dem Staatsorchester Stuttgart, den Bamberger Symphonikern, dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn und weiteren.

Für das AALEN Festival Orchester kehren sie zurück und bieten Musikgenuss auf höchstem Niveau. Bereichert wird das Orchester durch FreundInnen und KollegInnen aus ihrem großen Netzwerk. Die Verbundenheit mit der Heimat und die Freude am dortigen Konzertieren mit befreundeten Kollegen können Sie sehen und hören – ein spürbares Erlebnis!

 

Dafür stehen die ausgewählten Kompositionen von Sibelius, Schubert und Mozart?

 

Die Kompositionen stehen für mich für die schwierige Corona-Zeit, die wir durchlebt haben, den Trost, den wir suchen und brauchen – und in einem Werk wie Schuberts 5. Sinfonie auch finden – und den Blick nach vorn auf das Leben, das weitergeht. Die zugleich mit der Thematik „Trauer. Trost. Leben“ glänzend zum bevorstehenden Herbst passen. Liegt darin nach zwei kulturarmen Corona-Jahren auch ein bisschen Ermutigendes?

Auf jeden Fall – es steht in der Thematik ja ganz bewusst das Leben am Schluss und nicht etwa die Reihenfolge „Leben.Trauer.Trost“. Das ist ein klares Signal für die Kraft des Lebens, das Mut machen darf.

Das Konzert beginnt mit Jean Sibelius‘ 1904 als Bühnenmusik zu Arvid Järnefelts Drama "Der Tod" entstandenem "Valse Triste". Nordisches Timbre, beschwingte Wiener Ballklänge, Melancholie: So könnte man zwei Jahre Corona sehen?

 

Die Atmosphäre, die die Musik verströmt, hat für mich viel von dem, was uns in der zurückliegenden Zeit beschäftigt und betroffen hat: Eine gewisse Schwere und Dunkelheit, der Verlust der Unbeschwertheit, das „sich Einrichten“ mit der unbekannten Situation und der Unsicherheit, Trauer, das Aufbäumen und „zurück zum normalen Leben wollen“, die leisen Töne und die Stille. Von dort kommen wir gerade.

 

Mit Schuberts Fünften kommen in Dur Hoffnung und Aufbruch zurück?

 

Ja, Schubert hat neben der hoffungsvollen Dur-Tonart auch diese unglaublich tröstende Schlichtheit, Leichtigkeit und Heiterkeit, die gleich mit den ersten Takten des ersten Satzes beginnt. Der langsame Satz im 6/8-Takt erinnert mich in seiner Sanftheit an ein Wiegenlied, das Trost und Geborgenheit ausstrahlt. Der tänzerische dritte und der virtuose vierte Satz lassen dann allen verbleibenden Kummer vergessen.

Bemerkenswert ist die Verwandtschaft in Anlage und Aufbau mit Mozarts 40. Sinfonie: Sie steht mit B-Dur in der Paralleltonart der g-moll Sinfonie. Orchesterbesetzung, Satzfolge und Tempobezeichnungen sind weitere Beispiele für diese Verwandtschaft und belegen den tiefen Eindruck, den Mozart auf Schubert gemacht hat.

 

Wofür steht dann Mozarts 40. Sinfonie? Ohne dem Konzert vorgreifen zu wollen, darf man sich auf romantisches Liebesleid freuen oder folgt nach moderner Lesart Abschiedsschmerz?

 

Die große g-moll Sinfonie kann ich schwer in einer spezifischen Richtung deuten, sie hat für mich vielmehr alle Elemente, Facetten und Gegensätze unseres Lebens in sich vereint. Das zeigt sich schon im berühmten Eröffnungsthema: sehnsuchtsvoll und doch leicht und tänzerisch. Die Sinfonie lebt von Kontrasten und sprüht vor Energie. Sie lotet das ganze Spektrum des Erlebens aus und führt auf diese Weise auch Trauer und Trost zusammen.

Fotos: Aalen Festival Orchester, Almut Wittich

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