Diese Seite wird neu eingerichtet!
Diese Seite wird neu eingerichtet!

Konzert mit dem „ensemble πk“

Minimale Musik mit maximaler Wirkung

Uwe Renz (l) und Edgar Mann (r)

Edgar Mann und Uwe Renz  zeichnen für ein  delikates Musikprojekt verantwortlich, das im Rahmen der Kulturwochen 2021 am kommenden Samstag, 13. November (18 Uhr) im KubAA stattfindet. Dabei wird das „ensemble πk“  seine Sicht auf „Minimal Music – Pop Art der klassischen Musik“ servieren. Dirigent Uwe Renz verspricht minimale Musik mit maximaler Wirkung.  Was es damit auf sich hat, erläutert er im Interview.

 

 

Das „ensemble πk“ serviert diesmal sogenannte Minimal Music. Warum?

 

Das „ensemble πk“, Edgar Mann und ich sehen es grundsätzlich als unseren kulturellen Auftrag an, die in unserer Region unterrepräsentierte sogenannte "Neue Musik" des 20. und 21. Jahrhunderts den geneigten und daran interessierten Menschen näherzubringen. 

Voranstellen muss man die beiden Fragen, was im 20. Jahrhundert geschah und was heute im 21. geschieht. Dazu muss man wissen, dass sich - neben der allmählichen Auflösung der Tonalität zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts  und der darauffolgenden Zeit freier Atonalität, Zwölftontechnik, serieller Technik,  Aleatorik und so weiter - ab den 1960er Jahren zugleich die Minimal Music mit all ihren vielschichtigen Erscheinungsformen entfaltete. Die übrigens nach wie vor auch in die Popkultur ausstrahlt. Ein hochinteressanter Zweig der Neuen Musik also, den es lohnt für unser neugieriges Publikum zu beleuchten.

Macht das die Minimal Musik anfällig für Zeitgeistiges?

Ein Urteil inwieweit Minimal Musik gefällig ist oder nicht bleibt jedem selbst überlassen. Seit Jahrhunderten gibt es in der Kunstmusik Komplexes und sicherlich auch Gefälliges. Das war bei Bach so bei Mozart , Beethoven und vielen anderen.  Simpel ist- hier wie da - allerdings nichts, denn die inneren Strukturen  der jeweiligen Komposition erweisen sich als höchst vielschichtig. Nach außen hin mögen sie oberflächlich erscheinen, vielleicht gar einfach, aber in ihrem Innern, im Mikrostrukturellen, `geht die Post ab´.

 

Vorurteile also und alles nur eine Frage des technischen, virtuosen und musikalischen Niveaus?

Die  Voraussetzungen für die musikalische Umsetzung sind ein hohes musikalisches Niveau, ein äußerst wacher Geist sowie technisches und virtuoses Können aller Protagonisten.

Folgerichtig liefert Minimal Musik auch großartige musikalische Momente, weitab des Mainstreams?

Natürlich gibt es diese! Auch emotionsgeladene! Ansonsten hätte diese Musik wahrscheinlich die Zeit nicht überdauert. Steve Reichs "Radio Rewrite", das wir beim Konzert spielen werden, ist aus dem Jahr 2012. Er verwendet als Ausgangspunkt für seine Komposition Musik der Rockband "Radiohead, indem er sich an Harmonien und Melodiefragmenten bedient.

Ein sehr emotionales Stück! Wie auch Arvo Pärts "Spiegel im Spiegel" ein emotional sehr ruhiges Werk ist.

 

Indische, afrikanische und südostasiatische Musik, psychedelische Stücke aus Jazz- und Rockmusik werden beim Konzert mitmischen. Hört sich multikultisch an.

Vorsicht, das ist kein Multikulti im herkömmlichen Sinne. Denn das würde bedeuten, man reiht indische, afrikanische und andere Musik mit unverkennbarem Lokalkolorit aneinander. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr werden aus all diesen verschiedenen nationalen Musikwelten  Einzelerscheinungen "erfasst" und "herausoperiert", sodass im Ergebnis etwas völlig Neues und eigenständiges entstehen kann. Keine Folklore!

Was verlangt solcherart Musik vom Dirigenten und dem Ensemble?

Gefordert werden wir durch komplexe rhythmische Spielanweisungen, Vorgaben und Strukturen.  In Steve Reichs "Radio Rewrite gibt es beispielsweise rhythmisch nur selten zwei oder drei  gleiche Takte  nacheinander. Die Taktarten wechseln in einer zusammenhängenden   20-minütigen Musik permanent.  Dirigent und Musiker müssen in jeder Sekunde höchst konzentriert sein. Das ist geradezu ein "Höllenritt" für alle Beteiligte.

 

Beim Konzert wird Musik  von Philip Glass, Steve Reich, Ulli Götte und Arvo Pärt zu hören sein. Warum gerade diese Vier?

Diese Komponisten zählen zu den Hauptvertretern der Gattung Minimal Musik.  Folgerichtig lag es für Edgar Mann und mich nahe, die Vier auszuwählen.

Der Jüngste in diesem Quartett wurde gerade 67. Ist das dennoch modern und spricht junge Musikfans an?

Warum sollte in einer Zeit der "Alterslosigkeit", gerade in der Musik,  ein 67-jähriger  nicht modern sein können?

1990 habe ich, als Student am Mozarteum Salzburg, Vorlesungen von John Cage gehört. Er war damals 78 und mit seinen Ideen fortschrittlicher, moderner und revolutionärer als manch junge Studierende. Gerade bei der Minimal Music haben Edgar Mann und ich (auch durch Edgar Manns Schüler) gemerkt, wie sehr sie junge Menschen anspricht.

Irgendwie erkennt man bei vielen Werken eine nicht zu verleugnende "Verwandtschaft" mit dem Techno der heutigen Clubs und Dance Floors.

 

Was sollte man zum Konzert mitbringen? Neugierde und Offenheit oder mehr?

Neugierde und Offenheit genügen. Wie bei allen Künsten . Man nimmt mit, was man erlebt, erfährt und für sich entdeckt. Ganz einfach!

 

Info:

Bereits gekaufte Karten von 2020 behalten ihre Gültigkeit. Es gelten die 3G-Regel sowie die Maskenpflicht.

Karten für das Konzert sind an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich: Tourist-Information Aalen, Reichsstädter Straße 1, 73430 Aalen, Telefon 07361-52-2358 oder unter www.reservix.de.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal