Jazz Lights Konzert in der Hammerschmiede und Gitarrenworkshop fällt krankheitsbedingt aus

 

Die für Freitag, 29. März 2019, in der Hammerschmiede Königsbronn geplante Jazz Lights Veranstaltung "A TRIBUTE TO WOODSTOCK" mit Siggi Schwarz, Frank Dietz und Claudia Cane muss leider krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt werden.

Ebenso entfällt der GITARRENWORKSHOP, der für Samstag, 30. März 2019, im Leitz Auditorium Oberkochen geplant war.

Beide Veranstaltungen werden jedoch in Kürze nachgeholt. Die Nachholtermine werden auf der Jazz Lights Homepage unter www.jazzlights.de und in der Presse rechtzeitig veröffentlicht. Die Eintrittskarten behalten für beide Veranstaltungen ihre Gültigkeit.

Jazz Lights zollen Woodstock musikalischen Tribut

 Wenn Jörg Stockinger am Herd "I´m a Bluesman" singt

Ist das Jake oder Elwood Blues? Hut und Sonnenbrille - stimmt alles. Einer von den beiden Blues Brothers könnte es tatsächlich sein, wenn da nicht überall Küchenutensilien wären .  Zugegeben, das irritiert schon etwas doch der Mann am Herd ist niemand anderes als Jörg Stockinger, seines Zeichens Küchenmeister und damit Herr über all die Töpfe und Pfannen ringsum Was unweigerlich zum Thema Essen führt. Eigentlich. Im Falle des Oberkocheners aber nicht nur, denn Jörg Stockinger ist eben nicht nur Chef de Cuisine bei der Firma Leitz, nicht nur Koch mit Leib und Seele, sondern auch Musiker. Er singt leidenschaftlich gerne und verfügt über eine so gute Stimme, dass er jeden Sangesbund zieren würde. Doch der Lindenbaum "Am Brunnen vor dem Tore" ist seine Sache nicht. Statt nach Franz Schubert und Ferdinand Silcher steht ihm der Sinn eher nach "R & B". Und das schon immer.

Zumindest fast, denn sein rockiges Erweckungserlebnis hat er in den frühen 1970er Jahren, zu jener Zeit, als die Hippieära ihren Zenit bereits überschritten hatte, musikalisch aber noch allgegenwärtig war. "Im Heidenheimer Stadtpark trafen sich immer Freaks zum Rock’n’Roll´, da habe ich mich einfach dazu gesellt", verrät Jörg Stockinger. Die mitgebrachte Klampfe war alt und hatte nur noch drei Saiten. Kein Problem, denn spielen konnte er sowieso nicht. Doch irgendwie zupfte sich der Nachwuchshippie zu Bob Dylans "Blowin in the wind´ durch. In Jörg Stockingers Erinnerung noch heute eine schöne Zeit! Janis Joplins "Me and Bobby McGee", "Hey Joe" von Jimi Hendrix und selbstredend "With a little Help from my Friend" von Joe Cocker. "Lend me your ears and I'll sing you a song - Leih mir deine Ohren und ich singe dir ein Lied" heißt es bei ihm seitdem. Der Küchenmeister hat es sich schon früh zu Herzen genommen. Damals im Stadtpark beschloss er deshalb, dem Rock für immer die Treue zu schwören,  verhieß der doch Freiheit im Sinne von Richie Havens "Freedom".

Aktiv in die Rockszene einzusteigen, war zu der Zeit allerdings noch ein Traum, aber als die Heidenheimer Band "Blues Pilz" einen Roadie suchte, war Jörg Stockinger gleich Feuer und Flamme. Eine tolle Zeit sei das gewesen. Licht- und Tontechnik, Betreuung der Backline. Da war immer was los. "Wir hatten alle Hände voll zu tun mit dem  Auf- und Abbau der Instrumente, dem Schlagzeug, dem Anschließen und Stimmen von Gitarren und Keyboards und und und." Damals habe er auch zum ersten Mal Siggi Schwarz in der Oberkochener Dreißentalhalle gehört. "Ich war hellauf begeistert. Wie konnte man nur solch ein fulminantes Klanggewitter aus einer einzigen Gitarre zaubern. Für mich war und ist er der Jimi Hendrix der Ostalb." Eine nachhaltige Begeisterung, die mit dazu beitrug, dass Jörg Stockinger mit seinem Freund `Zappa´ Zaepernik im Sommer 1978 zum Rockfestival nach Nancy trampte, um Siggi zuzujubeln, der dort mit "Blues Pilz" einen Gig hatte. 

Nachhaltig deshalb, weil nun die Zeit reif war, selbst aktiv zu werden. Gemeinsam mit Zappa und Klaus Mohr  gründete er eine eigene Band: `Rockwurschd´ , "weil wir von Blues und Rock nicht genug bekommen konnten!" Jörg Stockinger streicht mit der Hand über seinen Musketierbart und lacht: "Das Mikrofon stammte damals von einem Kassettenrekorder. Uns fehlte es eben an allem. Aber es war einfach eine coole Zeit!" Und weil es auch an Geld für den Kauf von Gitarren mangelte, es jedoch in Heidenheim  einen Gitarrenbaukurs gab, zupfte manch einer am Ende die Saiten auf der Marke Eigenbau.

Aber - um es hinter vorgehaltener Hand zu verraten - die Musik ergriff freilich nicht aus heiterem Himmel Besitz von  Jörg Stockinger. Schon sein Vater spielte täglich das Klavier. An manchen Tagen gab es richtige Hausmusik im Wohnzimmer. "Selbstverständlich immer nur Klassisches. Im Grunde genommen gab es bei uns den lieben langen Tag Musik. Und ich mit meiner Geige mittendrin."  Als Siggi Schwarz 1986 mit Danny Austin  die Gruppe "Split" gründete, eröffnete sich für Jörg Stockinger die Chance, ab und an als Sänger mit einzusteigen. So richtig mit ins Boot stieg er jedoch erst bei "Gamblin´ Blues".

 

Doch Musik ist nur eine seiner Leidenschaften. Die zweite heißt Kochen. Statt eine große Musikerkarriere anzustreben, blieb der junge Mann bei - sozusagen - Schusters Leisten und entschied sich für die handfeste Alternative: Jörg Stockinger trat eine Lehre als Koch an. "Kein Acht-Stunden-Job. Da ging´s bei wenig Lohn von morgens bis abends richtig zur Sache." Doch er brannte für diesen Beruf und absolvierte später noch eine zweite "Lehrzeit", jetzt bei Starkoch Vincent Klink. Damit standen ihm die Küchentüren der Sternehotels offen. 1988 zog es ihn in die Welt hinaus. Sein Glück suchte er zunächst im schottischen Hochland. Besser gesagt in schottischen Golf-Club-Hotels. "Hier geben sich die Top Ten des Golf-Sports die Klinge in die Hand, von Bernhard Langer bis Greg Norman - ich weiß nicht mehr genau wer noch alles. Hier waren so viele unterwegs."

Anspruchsvoll musste es in den Küchen zugehen. "Nur das Feinste vom Feinen!" Die Kräuter selbstverständlich aus dem eigenen Garten. Gerne erzählt Jörg Stockinger die Geschichte, wie bei der Kräuterernte plötzlich ein Fremder auf ihn zukam und wissen wollte, wozu er Petersilie und Schnittlauch benötige. "Ich habe ihm fast das ganze Rezept erklärt." Freundlich habe sich der Unbekannte bedankt, ging dann seines Weges. Die Hotelchefin, die den kurzen Plausch beobachtet hatte, kam auf ihren Koch zu, um zu fragen, ob er denn wisse, mit wem er gerade gesprochen habe. "Natürlich wusste ich es nicht. Mich hat es aber fast umgehauen als ich den Namen hörte, war es doch niemand geringeres als König Hussein von Jordanien."

Nach zwei Jahren Inselleben ging´s zurück auf den Kontinent. "Als Koch muss man eine Weile auch selbstständig gewesen sein." Die Heidenheimer "Weinstube" ist sein erstes Lokal. "Eigentlich wollte ich nur guten Wein und eine Kleinigkeit zum Essen anbieten. Doch meine Art zu kochen machte schnell die Runde. Dafür fraß der Erfolg nun mein ganzes Privatleben auf. So hatte ich mir das nicht vorgestellt."

Vor allem keine Musik mehr machen, schien wenig reizvoll. Über die Musik lernte er Anfang der 2000 Jahre den vor zwei Jahren  verstorbenen Leitz-Chef Dr. Dieter Brucklacher kennen. "Ich hatte ihn damals zur `Kultur im König´ eingeladen. Das war die Zeit, in der die Musik mich wieder voll im Griff hatte und in meinem Brauereigasthof `König´ regionale Musiker ein- und ausgingen." Jörg Stockinger kam darüber zum Catering für die Jazz Lights und irgendwann fragte ihn Dr. Brucklacher, ob er nicht Lust hätte, bei ihm als Küchenchef einzusteigen. "Das war verlockend! Endlich geregelte Arbeitszeiten und ganz viel Zeit für Musik."

Längst war auch der Kontakt zu Siggi Schwarz wieder eng und Jörg Stockinger, wenn er nicht gerade in der Küche steht - wieder voll in seinem Element. Jimi Hendrix "Purple Haze", Hootchi Koos "Rock´n Roll" oder Joe Cockers "First we take Manhatten" - bei den kommenden Jazz Lights steht er am Mikrofon, um  in der Königsbronner Hammerschmiede für "A Tribute to Woodstock" einzufordern.

Opferbereitschaft oder Gottvertrauen? Gitarrist Siggi Schwarz kostet bei Chef de Cuisine Jörg Stockinger, was angerichtet wurde!

"Wir werden die Jazz Lights zu "Love & Peace" der 1969er Jahre zurückführen", verspricht er. Mit Siggi Schwarz und Band sollen all die alten Woodstock-Hits Wiederauferstehung feiern. Hendrix, Joe Cocker, Santana, The Who, Ten Years After, Janis Joplin und Canned Heat, um nur einige zu nennen. Nicht nur Jörg Stockinger wird mit dabei sein, auch Claudia Cane (AC/DC) und Frank Diez, der einst gemeinsam mit Jimi Hendrix auf der Bühne stand. "Das war damals einfach der beste Rock aller Zeiten", ist sich Jörg Stockinger sicher.

100 Mittagessen hat er an diesem Tag hinter sich. Seine Mann- und Frauschaft räumt gerade die letzten Reste weg. "Bei einem Espresso über Kochen, Musik und alte Zeiten reden, das hat was", findet er. "Das ist eigentlich genauso wichtig, wie es für ein Unternehmen zufriedene und motivierte Mitarbeiter sind. Deshalb ist eine gute Küche das A und O für ein Unternehmen. Für Dr. Brucklacher war das übrigens immer Teil seiner Firmenphilosophie!" Auch für den Küchenmeister die Basis seines Tuns: "Ganz gleich, was wir kochen - vegan, vegetarisch, Fleischgerichte - unsere Menüs sind reichhaltig und abwechslungsreich. Da lege ich absoluten Wert darauf." Das ist wie bei der Musik. "B.B. King und Ray Charles, Mozart und Beethoven, das sind aller scheinbaren Gegensätze zum Trotz meine großen Vorbilder." Und in der Kochkunst? Kaum gefragt, kommt schon die Antwort: "Eckart Witzigmann! Er ist für mich wie ein Gott!"

 

INFO

Jazz Lights Oberkochen

"A Tribut to Woodstock"

 

Freitag, 29. März 2019, 20:00 Uhr

Hammerschmiede, Herwartstraße 2

89551 Königsbronn

 

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Aalener Kulturjournal