Jazzfest Aalen: Peter Fessler und  Alfonso Garrido im Kino am Kocher

What a difference a (music)day makes

Gefühlt gehört er längst zum Inventar des Aalener Jazzfestes, denn irgendwie ist der Gitarrist und Sänger Peter Fessler immer mit von der Partie. Heuer im Kino am Kocher und hier gemeinsam mit Alfonso Garrido, vieltalentierter Frankfurter Percussionist mit chilenischen Wurzeln.

Der Kinosaal proppenvoll, die erste Reihe sitzt en face zu den Musikern. Mit Blick auf das Potential eines Schlagzeugs zu nah, weshalb sich Peter Fessler mittels gläsernem Paravent vor allzu lauten Beats schützt.  Dass der Mann mit der Batschkapp seine Gitarre  fest im  Griff hat und über gut geölte Stimmbänder verfügt, ist für die meisten Jazzfans keine überraschende Neuigkeit, schließlich bekam der Kölner vor ein paar Jahren den "Echo"-Jazzpreis, stand mit  Al Jarreau beim Montreux Jazzfestival auf der Bühne, spielte mit Randy Crawford, George Benson, Shirley Bassey, Bobby McFerrin, Till Brönner und und und.

Wichtiger an diesem Abend ist allerdings, dass der musikalische Hans Dampf es versteht, sein Publikum über die Musik mitzunehmen, hin zu lateinamerikanischen Gefilden, genauer  zu afrobrasilianischer Musik, der so viel europäische Tradition anhaftet.  Wobei Alfonso Garrido schon beim Auftakt mit "O Barquinho" klar macht, welch gewichtige Rolle seine Percussions in diesem Konglomerat aus polyrhythmischen Strukturen und synkopierten Betonungen für das ewige Wechselspiel von Frage und Antwort haben. Offen bleibt, wie viel davon mit Peter Fessler abgesprochen oder was eben so klangvoll improvisiert ist.

Jedenfalls sind die Zuhörer begeistert, spendieren bei jeder gekonnten Einlage reichlich Zwischenapplaus, überführen den Rhythmus unmittelbar in die Beine und wiegen den Kopf im Takt. Das macht Spaß und gehört zum festen Repertoire der kleinere Jazzfest-Gigs. Mitmachen oder auch nur der Musik freien Lauf durch Herz und Verstand lassen.  Darauf verstehen sich die beiden Musiker blendend, davon weiß Fessler nicht nur ein Lied zu singen, übrigens mit einer überaus angenehm sonoren Stimme. Und selbstverständlich mit virulentem Gitarrenspiel. Ging dasselbige noch beim "kleinen Boot" ("O Barquinho") im percussionistischem Sturm unter, so entfaltet sich in der

Eigenkomposition "Brisa"  die bunte Vielfalt an Gitarrenklängen, insbesondere da Garrido seine Geräuschkulisse dezent hinter die Saitenklänge platziert.

Peter Fessler steuert an diesem Abend gleich mehrere Eigenkompositionen bei, gesteht allerdings freimütig, dass eingefleischte Europäer niemals dem wahren Kern brasilianischer  Musik nahekommen könnten. Dem Timbre allerdings schon, wie Beide immer wieder lebhaft belegen, sei es mit "Rapido, Rapido" und "Manha de Carnaval". Und sie verfügen über die notwendige Sensibilität, um der "Melancolia" Brasiliens mit "Estate" in den Kinosaal zu holen. Im zweiten Set zu diesem Thema noch eine kleine Reminiszenz, bevor sich Baden Powell, Horace Silver und Kollegen musikalisch ausbreiten. Unverzichtbar dabei Maria Grevers "What a difference a day makes". Genau dafür sorgten Peter Fessler und Alfonso Garrido beim Tag zwei des Aalener Jazzfestes.

Kino am Kocher
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Aalener Kulturjournal