Aalener Jazzfest:  Harold Lopéz Nussa Trio 

El niño que vino en el piano

Manchmal traut man seinen Augen nicht, besser den Ohren, welch fabelhafte Musiker auf der kubanischen Insel heranwachsen. Gerade im Jazz, wo sie sich zu einer innovativen Melange traditioneller wie moderner afroamerikanisch-europäischer Rhythmen zusammenfinden, die allesamt karibischen Flair in sich tragen. Beim Aalener Jazzfest lieferte das "Harold Lopéz-Nussa Trio" ein solcherart gelagertes Timbre sozusagen frei Haus ins Kino am Kocher. Der kleine Vorführsaal proppenvoll, unter der Leinwand lagern Piano, Bass und Schlagwerk. 

Und während nachrückende Zuhörer sich noch ein freies Plätzchen suchen, warten die Musiker bereits in der benachbarten Bar am Venushafen, um sich dann eine Gasse durch die Menge zu bahnen. Was folgt, ist Routine. Ein paar Schläge mit den Sticks, ein Anzupfen der Saiten und ein Akkordstrich über die schwarzweißen Tasten und schon füllt sich der Raum mit einer Musik, die aus zwei Komponenten zu bestehen scheint: Feingefühl und Dynamik, verpackt in auffallend melodische Auslegungen. 

Nicht vergleichbar mit Magnus Lindgren, der vor einigen Jahren im Kino auftrat und am Samstag mit der SWR Big Band im Zelt musizieren wird, aber mit der gleichen neugierigen Weltoffenheit, kombiniert mit dem notwendigen Instinkt für musikalische Fantasie und in der dafür notwendigen Virtuosität.  Luftig schaffen die Drei den durchaus gewagten Spagat zwischen harten Grooves und sensibler Melodik, bei dem immer wieder einer solistisch vorprescht, das Publikum begeistert, um  an einen der Kollegen weiterzugeben. 

Während Harold López-Nussa, der Mann am Klavier, in hörbar allerbester Spiellaune erfrischend modern agiert, gelegentlich aber auch in retro-afrikanischer wie -kubanischer Spurensuche schwelgt, streichelt, schlägt und zupft Gaston Joya Perellada seine Bässe, um sie insbesondere in den Soli gar zum Singen zu bringen. Derweil befasst sich Ruy Adrián López-Nussa höchst ausgiebig mit dem Schlagwerk, lässt die Trommelfelle der Zuhörer in den ersten Reihen nachhaltig vibrieren, sorgt für einen Rhythmus, bei dem tatsächlich jeder mit muss.   

Harold Lopéz-Nussa wirft immer mal wieder ein paar humorvolle Erläuterungen zu seiner Musik ein, wobei sich seine Erfahrung als  klassischer Konzertpianist bemerkbar macht. Nicht zuletzt durch ein ausnehmend differenziertes Spiel, dem der Drang zu neuem Jazz innewohnt. Entsprechend abwechslungsreich gestaltet sich das Konzert mit seiner vernehmbaren Affinität zu kubanisch-afrikanischen Querverbindungen, die beim Nussa-Trio immer Aufbruch in die Moderne beinhalten.

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Aalener Kulturjournal