Magnus Lindgren und die SWR Big Band beim Aalener Jazzfest

Mit der Querflöte durch Stockholms Underground

Die SWR Big Band begleitete beim Jazzfest nicht nur Curtis Stigers, auch Magnus Lindgren gesellte sich als Solist dazu. Besser gesagt als Flötist, der nur ausnahmsweise mal zum Saxophon griff. Querflöte, wer denkt da nicht an Jethro Tulls Ian Anderson, wobei sich Lindgren das Ein-Bein-stehen beim Flötenspiel verkneift, auch wenn sein "Fluting" im Reigen mit dem Sound der Big Band im atmosphärischen immer wieder an Tull erinnerte. 

Die Querflöte ist freilich keine Ausnahmeerscheinung im Jazz. Schon Charlie Parker soll Ende der 1940er Jahre damit experimentiert haben, während zur gleichen Zeit  Jerome Richardson sie in den Modern Jazz einführte. Nicht zu vergessen: Fusion-Flötist Herbie Mann. Magnus Lindgren stellt sich in dessen Tradition und beweist mit seiner neuen CD "Stockholm Underground", wie gut sich der Flötenklang in jazziges Gefilde einfügt. 

Gemeinsam mit der SWR Big Band Hits intoniert er Hits, auf die man sich erst einmal einlassen muss, bevor man beispielsweise Procul Harums „Whiter Shade of Pale“ wiedererkennt. Eine Musik, geprägt von hoher Intensität, expressiv dynamisch, aber auch zurückhaltend sensibel. Lindgren lässt sich auf die weichen Linien, den gehobenen Klang der Flöte ein, an die sich die SWR Big Band mit bedachtem Groove beteiligt, um so des Schwedens Coolness noch ein wenig mehr zu beflügeln. 

Was übrigens auch auf das Experimentieren mit dem allgegenwärtig grassierenden Loop-Hype zutrifft. Eine Technik, die Lindgren perfekt beherrscht und die es ihm erlaubt, eigene zuvor gespielte Soli beliebig oft in sein weiteres Spiel einzubauen. Vergleichbar den Möglichkeiten mit einem Mehrspuraufnahmegerät. Dementsprechend reizvoll die sich daraus entwickelnden Melodien.

 

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Aalener Kulturjournal