Septemberkonzerte der Junge Philharmonie Ostwürttemberg

Fahrende Musikanten, das sind wir!

Musik dringt nach außen. Klingt gut! Was nicht verwundert, spielen doch drinnen - im Trude-Eipperle-Rieger-Saal von Schloss Kapfenburg - die Musici der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg (JPO). Einem gefällt es indes nicht ganz. "Mehr auf die Intonation achten!", ruft Dirigent Uwe Renz, lässt erneut anspielen, bricht dann mit kurzer Handbewegung wieder ab. Richtig zufrieden sieht anders aus. "Dadada Dam ", gibt er vor, schiebt noch ein "Di Di" nach. Für Musikerohren nichts Kryptisches, sondern zielgerichteter Hinweis, wie es gehen soll. Muss! Uwe Renz besteht darauf. Nicht weil er pingelig ist, es geht ihm schlicht und einfach um eben eine saubere Intonation, schließlich hat die JPO einen guten Ruf zu verteidigen.

Aufmerksam nimmt sich das Orchester der Kritik ihres Dirigenten an, spielt die Sequenz erneut und erntet zustimmendes Nicken. Der Chef ist zufrieden und entlässt die Musiker in die Pause. In diese platzen der Landrat und einige Mitglieder des Orchestervorstands, im Schlepptau Pressevertreter. Sie alle wollen erfahren, ob die Junge Philharmonie Ostwürttemberg einsatzbereit ist, schließlich soll es am Sonntag auf große Reise gehen.

Die Kapfenburg ist seit vielen Jahren schon sommerlicher Treffpunkt zur Vorbereitung der großen Spätsommerkonzerte. Seit 1995 läuft das Projekt Junge Philharmonie, das alle Jahre wieder neue Musiker anlockt, zumeist Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert". So entsteht ein Orchestergefüge der besonderen Art, denn bedingt durch das Alter der Musiker, fast alle stehen noch in der Schul- beziehungsweise Berufsausbildung, unterliegt die Junge Philharmonie einer immerwährenden Fluktuation. Handicap und Chance zugleich.

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben!

"Circus Renz" samt Dompteur

Damit erfolgreich umzugehen, gehört seit zwei Jahrzehnten zur Aufgabe von  Uwe Renz. Der am österreichischen Mondsee lebende Dirigent kommt regelmäßig auf die Ostalb, um die JPOler zu einem veritablen Orchester zusammenzuschweißen, um die Neuen passgenau zu integrieren. Eine Aufgabe, von der er unüberhörbar schwärmt. "Ich bin total begeistert", gesteht Uwe Renz und verrät auch warum: "Die jungen Musiker haben glücklicherweise nicht diese abgebrühte Routine! Vielmehr sind sie immer mit Elan bei der Sache, hochmotiviert und total frisch! Wer auch immer die JPO dirigiert, kann - gleich mit welchem Stück - sofort loslegen." Bei solchen Worten spitzen die JPOler die Ohren und so viel Lob geht selbstredend runter wie Öl. Und weil es zudem der Wahrheit entspricht, klingt nach der Pause das "Intermezzo" aus der "Cavalleria Rusticana" noch schöner als es eigentlich klingen dürfte. Die besten Voraussetzungen also für die Konzerte im kommenden September. Bis dahin machen sich die Philharmonisten eine altbekannte Weisheit zueigen: "Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben!"

Für Landrat Klaus Pavel ist die JPO ein musikalischer Botschafter

Gute 1500 Kilometer stehen den 70 Musikern bevor, wenn sie ins rumänische Satu Mare aufbrechen, der Partnerregion des Ostalbkreises. Fünf Konzerte in fünf Städten stehen auf dem Programm. Für den Landrat des Ostalbkreises Klaus Pavel soll damit über den üblichen wirtschaftlichen und administrativen Austausch hinaus auch kulturelle Begegnungen ermöglicht werden. Ein Kulturaustausch, der die JPO in den zurückliegenden Jahren unter anderem nach Italien, Polen und Japan führte. Immer mit vielen Instrumenten im Gepäck. Entsprechend aufwendig und teuer sind die Reisen. Allerdings kann sich das Orchester auf zuverlässige Sponsoren verlassen. Die ostwürttembergischen Unternehmen wüssten die Arbeit von Uwe Renz und der JPO zu schätzen, versichert Orchestervorstand Kamran Ehsani, der die entsprechenden Kontakte knüpft, um die finanziellen Verpflichtungen erfüllen zu können. Voith, Weleda und die Kreissparkasse springen finanziell in die Bresche, andere Unternehmen schließen sich an, das Autohaus Widmann stellt Transportfahrzeuge und "Richter Lightning" sponsert die Tournee-T-Shirts. So geht regionale Kulturförderung. Den Prädikatsstempel gibt es vom Goethe Institut obendrein.

Programm mit Kultstatus

Zurecht, schließlich versammeln sich die Großen der europäischen Musik im Konzertprogramm: Wagner (Ouvertüre aus „Der fliegende Holländer“), Jules Massenet („Meditation aus Thaïs“), Wilhelm Stenhammar („Interlude aus The Song“), Edward Elgar („March of the Mogul Emperors“ aus „The Crown of India“ und „Pomp and circumstance, Marsch Nr. 1“). Dazu die Ouvertüre aus "Die Fledermaus" von Johann Strauss (Sohn), Pietro Mascagnis Intermezzo aus „Cavalleria Rusticana“ und Jerónimo Giménez "Intermedia" aus „La Boda de Luis Alonso“. Nicht zu vergessen Jesús Arturo Márquez Navarros "Tanz Nr. 2". Der mexikanische Komponist sei hier der Einfachheit halber unter die Europäer geschmuggelt.

Ein Programm mit Kultstatus, denn so viel kurzweiliger Ohrenschmaus gibt es bei Konzerten sonst nur als i-Tüpfelchen. Die Mitglieder der JPO wissen darum und wissen auch, welch technisches wie artifizielles Können ihr Dirigent von ihnen hierbei erwartet. So dürfen sich heuer Musikfreunde tatsächlich auf eine Musikauswahl freuen, die nicht nur dem klassischen Anspruch gerecht wird, sondern zugleich für beste Unterhaltung steht.  Ouvertüren und Intermezzi wolle man präsentieren, verrät Orchestermanager Bernhard Schwarz folgerichtig, "ein hochwertiger Mix an Kompositionen, die uns am Herzen liegen."

Zugleich eine Musik, die im September in fünf ostwürttembergischen Städten erklingen wird, als Remstal-Gartenschau-Dreingabe in Böbingen gar als Freiluftkonzert. OpenAir auch - nach dem Auftritt im Theater von Mátészalka - vor der Casa de Cultura in Satu Mare. Hier übrigens mit der Staatsphilharmonie Dimu Lipatti. Darüber hinaus hält JPO-Vorstand Thomas Haller für die Musici ein weiteres Schmankerl bereit, werden sie doch in der Bergkirche in Sighisoara, in der Millenniumskirche von Timișoara und in der "Schwarzen Kirche" von Kronstadt (heute Brasov) konzertieren. Kronstadts gotische Stadtpfarrkirche war einst die größte südöstlich von Wien und die Stadt Zentrum des siebenbürgisch-sächsischen Humanismus. Thomas Haller hebt noch ein Zweites hervor:  Kronstadt wurde von den Ritterbrüdern des Deutschen Ordens gegründet, jener Orden, dem auch die Kapfenburg unterstand.  Mehr als 800 Jahre ist das her.

Aktueller und friedlicher, die JPO-Konzerte im heutigen Brasov und in Ostwürttemberg. Eine Woche nach ihrer Rückkehr aus Rumänien ist Auftakt auf der Ostalb und in Heidenheim. Die Frage von Landrat Pavel, ob dies letztlich nicht zu viel für die jungen Musiker sei,quittieren die beiden Musikervertreterinnen Hanna Keller und Anna-Luisa Kächle mit einem klaren Nein. "Wir können das, wir sind motiviert und wir freuen uns darauf!", versichern beide übereinstimmend.

 

Die Konzerttermine sind im Einzelnen:

 

Waldorfschule Heidenheim
Samstag, 7. September 2019 um 20:00 Uhr

Evangelische Stadtkirche Ellwangen
Sonntag, 8. September 2019 um 18:00 Uhr

ODR-Arena, Gemeinde Böbingen (im Rahmen der Remstal-Gartenschau)
Freitag, 13. September 2019 um 20:00 Uhr

Congress-Centrum Stadtgarten Schwäbisch Gmünd
Samstag, 14. September 2019 um 20:00 Uhr

Stadthalle Aalen
Sonntag, 15. September 2019 um 18:00 Uhr

 

Weitere Infos und Karten unter JPO

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Aalener Kulturjournal