Junge Philharmonie Ostwürttemberg trifft Siggi Schwarz & Band

Mit sinfonischer Rockmusik auf den Stufen zum Glück

Manch klassischer Musiker lässt bekanntlich ab und an seinen Mozart links liegen, um sich rockigen Weisen zu widmen. So überraschten in der Vergangenheit die Wiener Symphoniker und die Londoner Philharmoniker immer wieder mit reizvollen Crossover-Experimenten, einem Mix aus Klassik und Rock. The Beatles und U2, Led Zeppelin und Queen - alle wurden so erfolgreich gecovert. Und wenn Nigel Kennedy und David Garrett auf der Violine Rock-Hymnen zelebrieren, sind selbst Mozart-Fans hingerissen.

Manch Kostproben von "Rock meets Classic" sind auch auf der Ostalb in guter Erinnerung, doch was am vergangenen Sonntag in der Aalener Stadthalle anstand, dürfte es so noch nicht gegeben haben: Ein hochkarätiges Orchester unter der Leitung von Uwe Renz, die Junge Philharmonie Ostwürttemberg (JPO), traf auf internationale Rockmusiker um den Heidenheimer Gitarristen Siggi Schwarz. Ein vielversprechendes Miteinander. Indes ein überraschendes, denn kein rockiges Update des "Don Giovanni" oder der "Kleinen Nachtmusik" stand auf dem Programm, sondern Hits großer Rockbands. Folgerichtig lag das anstehende Crossover eben nicht in einer modernisierten Klassikversion. Ungewöhnlichere Musik sollte es sein, und aller klassischer Instrumente zum Trotz, mit einem überaus vehementen Groove.

Gegensätze prallen aufeinander, nicht nur musikalische. Hier die in feines Schwarz gekleideten Musiker der JPO, da die typische Rockbandtracht des Siggi-Schwarz-Quintetts, dazwischen Dirigent Renz ohne Frack. Die Musik setzt mit Van Halens "Jump" und Whitesnakes "Here I go again" höchst impulsiv ein. Den rockigen Rhythmen und harten Beats geben die 62 Orchestermusiker wider Erwarten kein Kontra. Vielmehr fügen sie sich meisterlich in den Bandsound ein, umhüllen ihn regelrecht, verstärken, sorgen für raumfüllenden Groove. Rock at it´s best. Doch wo bleibt die Sinfonie? Kurz gesagt: Sie ist immer da! Uwe Renz setzt jedoch Akzente, beispielsweise bei "Dust in the wind", auch bei "More than a feeling".

Seine Blechbläser lassen es besonders rockig "krachen", zum Beispiel wenn sie bei Totos "Rosanna" im Pulk aufstehen, Posaunen und Trompeten von links nach rechts schwenkend, die schon kräftigen Dezibel weiter in ungeahnte Höhen treiben.

Rockmusik eben, doch so jenseits klassischer Gepflogenheiten nun auch wieder nicht. Manch ein Komponist vergangener Epochen schockierte das Publikum ebenfalls mit einst neumodischen Klängen, die in den Ohren der Zeitgenossen wie heutige Rockmusik geklungen haben müssen. Erinnert sei an Vivaldis, Beethovens oder Strawinskys Musik mit ihrem explosiven Potenzial. Geht es doch um starke Gefühle. Wie beim Rock.

Die werden von Siggi Schwarz und Band sowie der JPO regelrecht herausgefordert. Gelegentlich allerdings auf Kosten des Gesamtklanges. So verpuffen beispielsweise beim "Eye of the Tiger" die Instrumente der Rocker im Orchestersound, auch die Stimme von Tom Cròel muss sich recht mühsam einen Weg durch den Klangteppich bahnen. Dafür ist dieser höllisch, weckt Erinnerungen an Rockkonzerte vergangener Zeiten. Dazwischen immer wieder ruhigere, sinfonisch arrangierte Balladen, wie die musikalischen Stufen ins Glück, Led Zeppelins legendäres  "Stairway to heaven". Der "Final Countdown" der schwedischen Hard-Rock-Band "Europe" ließe sich hier noch zuordnen.

Den Musikern der Jungen Philharmonie macht das Tête-à-Tête mit Siggi Schwarz sichtlich Spaß. Und obwohl nach über zwei Stunden den Zuhörern die Ohren klingeln, fordern sie Zugabe um Zugabe. "We will Rock you" wäre folgerichtig. Wohl zu viel Klischee für die Musiker. Sie hängen lieber "Hotel California" an, dann - zu aller Überraschung - John Lennons "Imagine", sein Traum von einer besseren Welt. Feuerzeuge (heute Handys) schwenken und selig mitsingen.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal