Sommerprojekt de Jungen Philharmonie Ostwürttemberg

Wenn Meditation auf Marschmusik trifft

Uwe Renz und seine Jungen Philharmoniesten sind bekanntlich immer für eine Überraschung gut. Auch heuer wieder. Diesmal indes mit einer Musikauswahl, die niemand erwartet hätte. Doch ganz welcher Art von Delikatessen aus der Alten oder Neuen Musik auf dem Programm stehen , bei der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg (JPO) sind sie in guten Händen. Konzertbesucher ist so höchstmögliches Niveau garantiert. Bei der JPO liegt der Fokus auf jung, schließlich hatte in manch einem Jahr der eine oder andere Musiker noch Mühe übers Notenblatt zu schauen.

Bei diesem Konzert zählte nur eine Handvoll noch keine vierzehn Lenze. Exquisit sind sie dennoch allemal, schließlich gehört jeder von ihnen zur Equipe des alljährlich stattfindenden Wettbewerbs "Jugend musiziert" - Landes- und Bundespreisträger.  Darauf baut Chefdirigent Uwe Renz, wenn er nach Musik von Beethoven, Brahms oder Bruckner Ausschau hält, wenn er mit seinen Musici Ravells "Bolero" oder Orffs "Carmina Burana" einstudiert. Diesmal zauberte er allerdings ganz anderes aus dem Hut. Ouvertüren und Intermezzi. Im französischen Sprachraum spricht man gerne von Entrée. Genauso sind die Stückchen auch gemeint. Ein, zwei Sätze zur Einstimmung auf die eigentliche Musik. Nun haben jedoch Komponisten wie Musikfreunde ein besonders Naturell. Die ersten brauchen etwas Zündendes, möglichst einen unvergesslichen Ohrwurm, und die anderen sind davon meist restlos begeistert. Wie gesagt, Uwe Renz hat ein Händchen für eine solche Auswahl, und weil diese eben so schön sind, macht er leichterhand damit ein abendfüllendes Programm.  Eines ohne Wenn und Aber, und eines, das alle großen Namen Huckepack trägt.

So erweisen sich die ausgewählten Entrées als wohlbekannt und man kann sie dem jeweiligen Hauptwerk zuordnen. Dass solcherart Harmoniemusik nicht nur auf der Ostalb gut ankommt, war der JPO und ihrem Dirigenten sicher wohlbekannt, weshalb sie bei ihrer großen Konzertreise nach Rumänien selbstredend alle Notenblätter mit dabei hatten. Zehn Konzerte standen insgesamt auf dem Plan. Das lässt die Sache mit den Notenblättern fast zur Makulatur werden, habe jeder die Stücke am Ende fast auswendig spielen können, verrät Fagottist Lukas Hadinger schmunzelnd. Übrigens: Edgar Elgars "March of the Mogul Emperors" spielten sie gar ein elftes Mal in der Millieniumskirche in Timisoara. Diesen Gottesdienst werde so schnell niemand vergessen, versicherte Kirchenmusikdirektor Thomas Haller, der bei der Rumänienfahrt für die Kirchenmusikbeiträger der JPO verantwortlich zeichnete.

Ein Konzert zum Abschluss der Reichsstädter Tage

Der Schlussakkord des diesjährigen Sommerprojekts der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg  fiel nun in der Aalener Stadthalle. Von Wagner über Massenet zu Strauß und Elgar. Was kompositorisch Rang und Namen hat, war dabei, musikalisch ging es von der Meditation aus "Thai" bis hin zum unüberhörbaren "Pomp and Circumstance".

Herz, was willst Du mehr ? Die Reichsstädter Tage sind gerade zu Ende gegangen, da darf dank Edward Elgar ruhig nochmals kräftig auf die Pauke gehauen oder sich im Drei-Viertel-Takt  zur Strausschen Ouvertüre ("Fledermaus") gedreht werden, um schließlich bei Massenet sich ganz der Kontemplation hinzugegeben.

Schöne wie bezaubernde Musik, doch bleibt die Frage, was lockt die Musikfreunde in die Konzerte der Jungen Philharmonie, was fasziniert an dieser Art zu musizieren? Da spielen sicherlich höchst unterschiedliche Gründe mit eine Rolle. Sicher ist es das verblüffende Miteinander von jugendlichem Alter und musikalischer Virtuosität, das den Zuhörern eine frische, klare Musik ohne jedweden beliebigen Hintergrundklang beschert.

Uwe Renz weiß, wie er seine Musici motivieren kann, wie er sich um sie kümmern muss und sie zugleich gewähren lassen kann. Ein Handling, das gut ankommt. Übrigens nun schon seit zwei Jahrzehnten und trotz der altersbedingten Fluktuation im Orchester scheint es, als  unterliege dessen Grunddisposition einerseits im Bewahren eines hohen spieltechnischen Niveaus und gleichzeitig einer stetigen künstlerischen Weiterentwicklung. Zwei schöne Belege beim Konzert waren sicherlich Pietro Mascagnis Intermezzo aus der Bauernoper "Cavalleria Rusticana" und Jéronimo Giménez Intermedia aus  "La Boda de Luis Alonso". Nicht wie bei altgedienten Orchester bestimmt hier die langjährige Zusammenarbeit den Orchesterklang, den Unterschied findet man im jugendlichen Engagement gepaart mit einem Höchstmaß an Motivation. Die Streichergruppe der Jungen Philharmonie bildet augenscheinlich und klanglich das Herz des Orchesters, dem längst nicht mehr jeder Einsatz exakt vorgegeben

werden muss. Sie spielen brillant und stellen aus ihren Reihen bei Bedarf auch begabte Solisten, wie heuer Amelie Reinhardt bei Massenets "Thai" bewies. Aber auch die Holzbläser fallen angenehm auf, zeigen sie doch ein sicheres Gespür für die richtige Klangbalance. Heikel hingegen das große Blech. Bei Edward Elgars "Pomp and Cirumstance" bekanntlich prominent vertreten, schaffen es die Bläser wie von selbst, sich in einen runden Orchesterklang zu integrieren. Ganz im Sinne der Zuhörer, die nach einem lang gezogenen Crescendo inklusive Paukenwirbel hellauf begeistert sind.

Selbst bei solch einem Zugaben-Konzert gibt es selbstverständlich Zugaben. Unter anderem den Radetzky-Marsch, der zum "Wenn der Mops mit der Wurst übern Rinnstein springt" mutiert, zumal die Blechbläser hier ihre Eigenständigkeit auf nette Art - und gekonnt - belegen, spielen sie doch am Ende ein queres "Jingle Bells" in den Mitklatscher.

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Aalener Kulturjournal