Die EAV verabschiedet sich. Vorerst!

„Küss die Hand schöne Frau“

Schluss! Aus! Ende! Die Erste Allgemeine Verunsicherung trägt sich selbst zu Grabe! Zumindest behauptet das die Alt-Herren-Band aus Österreich bei ihrer derzeitigen Abschiedstournee durch die Republik. Zwischenstopp legten die Musiker beim Festival Schloss Kapfenburg ein, wo sie mit alten Hits und überbordender Selbstironie die  Konzertbesucher begeisterten. Eigentlich eine traurige Nachricht, denn für die Rocker mit dem Schmäh in der Stimme und dem schwarzen Humor im Lied ist derzeit keine Nachfolge in Sicht. Das ist umso trauriger, da die kurz EAV genannte Band sich durchaus ernsthaft wie bissig in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs einzumischen versteht. Musikalisch und mit bemerkenswerten Texten! Dazwischen die Ironie, die es ermöglicht, trotz  "#MeToo" die Hände der schönen Frauen zu küssen, wenn auch nun zum letzten Mal.

Die Show auf der Kapfenburg hat nichts von ihrem alten Charme verloren. Seit Ende der 1970er Jahre ziehen die Barden engagiert und  mit ideenreichen Kostümen durch die Lande. Masken, Kleider und selbst die Farben stehen symbolisch für gesellschafts- und immer wieder religionskritische Lieder, die melodisch indes weder das graue Gewand eines Franz Josef Degenhardts noch Wolf Biermanns tragen, sondern sich gänzlich einer heiteren  Wohlfühlweise verpflichtet fühlen. Da hören selbst die gerne zu, die der politischen EAV-Richtung folgen wollen.  Wobei zugegebenermaßen Letztere in der Minderheit waren.  Dafür bekamen sie starken Tobak zu Gehör, schließlich leben wir (nach Meinung der EAV) in einer Zeit, in der immer mehr Menschen "Rechts 2/3" in genau in diese Richtung abbiegen.

 

Da darf die Warnung vorm Bazillus Nationalis, auch „Nazi-Bazi" genannt, nicht fehlen.

Was zwangsläufig folgt ist herbe Sozialkritik. Beispielsweise „Burli“, ein Lied, dass der bayrischen Rundfunk einst auf den Index setzte. Weil das Tschernobyl-Burli mit seinen drei Ohrli Menschen mit Behinderungen ins Lächerliche ziehe, so die damalige Begründung der Senderverantwortlichen. Geht Satire besser? Dazwischen der legendäre  „Ba-Ba-Banküberfall“ und „An der Copacabana“.  Widersprüche sind bei der EAV eben (wie fast) „Alles erlaubt“ und je später der Abend, um so bissiger die Lieder. Oder realitätsnaher? So nehmen sie die seltsamen Niederungen der Kommunalpolitik beim „Trick der Politik“ mit dem "Gelenk für jeden Richtungsschwenk" auf die Schippe. Eine altbekannte Wendehalsmarotte. Eine akzeptierte, denn das Wahlvolk sei es gewöhnt, "dass man mit heißer Luft die Dinge schönt".

Bis in die tiefe Nacht hinein stehen die Mittsechziger auf der Bühne, um ihre subversiv angehauchte Botschaft rüberzubringen. Dafür gibt es Beifall in Hülle und Fülle. Die Steigerung hierfür heißt Ovationen und die kommen unausweichlich bei all jenen Liedern, die auf das infantilere "Tirili, tirilo, tirila"!-Prinzip schwören, eben beim „Küss die Hand schöne Frau“, beim „Märchenprinzen“, der "Fata Morgana" und und und.

 

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Aalener Kulturjournal