Katharina Uhland und Florian Thunemann auf kleiner Reise    

  Ein bisschen Spaß darf sein  

Man möchte an Shakespeare denken, wenn Katharina Uhland im Alten Rathaus wie "Hamlet" über „Sein oder Nichtsein" grübelt. Dass es indes hierbei keine Zwischentöne geben kann, belegt sie in ihrem Programm "Kleine Reise". Eine merkwürdige Achterbahnfahrt durch ein recht verwirrendes Gefühlsleben.  Dabei geht es freilich nicht immer voran, sondern ab und an auch zurück. Doch selbst ihre Scheu vor entschlossenem Handeln und dem gelegentlichen Hauch eines allumfassenden Weltschmerzes können die Sängerin in keinster Weise aufhalten.

Die "Kleine Reise" verzichtet auf allzu viel emotionalen und philosophischen Tiefgang. Dafür wird´s umso lustiger und musikalischer, zumal Gitarrist Florian Thunemann die Lieder mit bemerkenswertem Saitenspiel begleitet, selbst wenn der Gesang auch mal schräg klingt. Mit jazzigen und vielen bluesigen Rhythmen rückt der Berliner Musiker die Balladen der  "Kleinen Reise" ins rechte Licht. Unerlässlich, denn Katharina Uhlands, übrigens ebenfalls Berlinerin, aber mit hessischen Wurzeln, Auslassungen über allerlei Zustände der  Ein- und Zweisamkeit brauchen dringend diese musikalische Unterstützung als emotionale Hängematte.

Kein Freudsches Sofa, es klingt vielmehr unerhört spaßig, mal verstärkt mittels Megafon, mal chorisch aufgepeppt dank Loop-Station. So erklärt sich auch alles leichter, selbst innige, leidenschaftliche und sonst wie gelagerte Momente des Lebens - auch die, die man eigentlich schnell wieder vergessen möchte.  Das muss aber nicht immer die alte Leier Beziehungskiste sein, aber eben auch. Um das alte "Leben und Leben lassen" geht es letztlich, um all das, was einem täglich widerfährt und irgendwie mehr berührt als alles andere.

Ausgesuchte  Texte werden herangezogen, aus realen und fiktiven Briefen zitiert. Wird´s dann doch zu melancholisch, darf ein leicht abgewandeltes "Hello Darkness my old friend" (Simon & Garfunkel) ran. Gefühlter Tiefsinn, dem Katharina Uhland mit der notwendigen Leichtigkeit des Seins unter die Arme greift. Ganz im Sinne Roberto Blancos "Ein bisschen Spaß muss sein!"

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal