Kleinkunst-Treff Aalen

Vier Dresdner "Medlz"

Die vier Damen der á-cappella- Gruppe "Medlz“ entpuppen sich als wahre Überraschung, verfügen sie doch gleich über mehrere Kompetenzen, die sie aus der Masse liedsingender Künstler herausheben: Sie sind intelligent, haben Humor, verstehen sich auf R & B ebenso wie auf romantische Poesie. Und wenn sie sich auf "Rammstein"-Niveau begeben, klingen sie sogar so. In ihrem aktuellen Programm haben sie sich der deutschen Sprache verpflichtet, da diese so viel, so schön ausdrücken vermöge, begründet  Sabine Kaufmann und erhält umgehend Zustimmung von ihren Sangeskolleginnen  Nelly Palmowske, Silvana Mehnert und Joyce-Lynn Lella. "Sprache ist ein Stück Kulturgut, das man weitertragen sollte!“

Ein Bekenntnis, dem mit einem Vers von Regy Clasen rasch ein überzeugender Beleg folgt: „Ich wär gern mit dir aufgewacht. Ich hab aber gar nicht geschlafen.“ Weg mit dem Gesülze des deutschen Schlagers, mag man denken, wenn solche Worte zu  ebensolchen Bildern werden, wenn sich Sprache zu einer charmant subtilen Diktion erhöht. Wie auch beim "Liebesbrief" der "Fantastische Vier": "Da alle Liebenden innerlich immer noch Kind / und da die, die reinen Herzens handeln unsre größten Helden sind rett ich die Welt mit deiner Liebe …". Sprechgesang in seiner schönsten Form.  

Schon alleine des Spannungsbogens wegen - immerhin stehen die vier "Medlz" über zwei Stunden auf der Aalener Stadthallenbühne - dürfen die krassen Gegenbeispiele nicht fehlen. Allen voran Helene Fischers "Atemlos", das sich in eine sächsisch gesungene Version wandelt.

Klangvariation, Stimmvolumen und die Fähigkeit, Höhen wie Tiefen differenziert auszuloten, bestimmen gemeinsam mit Charme und Witz souveränen Liedgesang. Der sich übrigens ebenso bemerkenswert in nahezu allen Genres bewährt, sei es Schlager, Metal, Rap- und Rock oder eben im fein artikulierten Lied des 19. Jahrhunderts. Indes nicht ganz im reinen á-cappella-Format, denn obwohl Joyce-Lynn Lella einen beeindruckenden Stimmbass liefert (nur ein wenig elektronisch gestützt), würzen  Cajon, Drumpad, Tamburin und Rassel so manch schönen Beitrag.

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Aalener Kulturjournal