Aalens Kleinkunst-Treff feiert Weihnacht mit den "Ringmasters"

Musik, die nimmer vergeht

Vier ältere Jungs auf der Bühne wären noch vor wenigen Jahren eine Boygroup gewesen und ein Weihnachtsspecial hätte sicherlich in rührseligem „O Tannenbaum“ münden müssen. Aalens Kleinkunst-Treff bat nun die aus Schweden angereisten „Ringmasters“ (Didier Linder, Jakob Stenberg, Rasmus Krigström, Emanuel Roll) in die Stadthalle, vier ausgesprochen virtuose Sänger, die überzeugend darlegen, dass in stiller Nacht durchaus auch ausgewählte Musiken aus Klassik und Pop adventlich klingen können. Schönes Beispiel beim Konzert der „Beatles“ einstiger Dauerbrenner „All you need is love“, der irgendwie das aktuelle Weihnachtsthema berührt. Das einzige Lied übrigens, bei dem das Publikum mitsingen  darf.

Bei allen weiteren beharrt das Vokal-Quartett darauf, selbst die Stimme zu erheben. Im schwarzen Anzug mit roter Krawatte und Einstecktuch tauchen die Stockholmer aus waberndem Kunstnebel auf, begrüßen locker mit vernehmbarem skandinavisch angehauchtem „Halli Hallo“, gruppieren sich nett ums Mikrofon und begeistern ihr Publikum bereits mit dem ersten Ton von Bernsteins „The most beautiful Sound“, steigern sich nochmals im darauffolgenden „Tonight“. Spätestens nun wird auch dem Letzten klar, die Vier verstehen sich trefflich auf Liedgesang und beweisen geschlagene zwei Stunden lang, von welch hoher Qualität dieser sein kann. Zumindest wenn die Künstler – wie die „Ringmasters“ - ihr Handwerk verstehen und die Arrangements so hervorragend bis zur letzten Achtelnote auf sie abgestimmt sind.

Keine Langeweile kommt auf, kein eintöniges Trällern ödet an. Dafür gibt es beste Unterhaltung mit durchdachter, sorgsam interpretierter Musik, überwiegend in englischer Sprache gesungen, ab und an in drollig (nicht abwertend gemeint) klingendem Schwedisch. Alles verpackt in eine launige wie vergnügliche Moderation á la „He takes his Pferd and go to the Bierstube“. Folgerichtig wird vom Publikum keine Sprachkenntnisse gefordert, auch keine irgendwie geartete musiktheoretische, klingt doch alles so schön liebenswürdig, so harmonisch und immer mit einer gewissen Eleganz versehen. Vielleicht, weil, wie die Vier verraten, sie in der Lage seien, selbst jene Noten  zu Gehör zu bringen, die es eigentlich gar nicht gebe. Der Beweis folgt auf schon fast inflationäre Weise vom pastoral klingenden “Santa Lucia“ bis hin zum unvermeidlich-fröhlichem „Jingle Bells“.

Ringmasters Weihnachtskonzert gleicht einem Flug durch Zeit und Raum. Einem anglo-amerikanisch-schwedischen, bei dem Elvis Presleys melancholisches „Blue Christmas“ ebenso wenig fehlen darf wie die mystische Peter-Pan-Hymne „You can fly“ und ein ebensolches „Black Bird“, von dem Paul McCartney behauptet, Bachs „Bourrée in e-Moll“ aus der „Lautensuite BWV 996“ habe ihn dazu inspiriert. Davon scheint das Quartett unüberhörbar zu wissen.

Entsprechend  peppen sie immer wieder auch andere Traditionals modern auf, ohne den klassischen Kontext aus dem Auge zu verlieren, zaubern daraus wie von leichter Hand höchst harmonische wie unterhaltsame Melodien. Sei es ein poetisches schwedisches Weihnachtslied, ein im Beach-Boys-Timbre gehaltenes „Santa Claus is coming Tonight“ oder, besonders bemerkenswert, Presleys legendäres „All shook up“. Vokalmusik im besten Sinne, eingerahmt in die „ewige Suche nach Frieden und Freud“. Weihnacht eben.

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Aalener Kulturjournal