Arirang Quintett zu Gast beim Aalener Konzertring

Mozart und kein Ende.

(KH) Bezwingend schön in zeitenthobener  Gegenwärtigkeit - so lässt sich Mozarts Musik knapp umschreiben. Der Komponist selbst gewährte ihr einst einen Ausdrucksraum, an dem viele Kollegen seither nicht mehr vorbeikommen. Ein Phänomen, dem der Aalener Konzertring mit Hilfe des Arirang Quintetts nachspüren wollte. Das Ergebnis: Mozart und kein Ende! Der Beweis: Musik von Carl Nielsen, Jacques Ibert, Terence Greaves und natürlich vom Meister selbst.  Vier Komponisten, drei Jahrhunderte und - Hand aufs Herz - die Einsicht, Mozart gleicht einer niemals endenden Geschichte. Geschickt beginnen Sakura Kindynis (Flöte), Olivia Comparot (Fagott), Dirk Kammerer (Oboe), Steffen Dillner (Klarinette) und Sebastian Schindler (Horn) diese mit Mozarts Adagio und Allegro f-moll für Orgelwalze (KV 594), eine für des Wiener Grafen Deyms  Kuriositätenkabinett bestimmte Komposition. 

Eine eher distanzierte, weil Trauermusik zu Ehren des 1790 verstorbenen Feldmarschalls Laudon. Im Adagio erhebt die Flöte in hohen Tönen ein Klagelied, das in tiefer Seelennot mündet, während im Allegro in F-Dur von den Heldentaten des Feldmarschalls erzählt wird, samt siegverkündender Fanfaren im Marschrhythmus.

Musik - heute zum Weinen schön, zum Trauern weniger. Aber bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts griff der Däne Carl Nielsen - Mozart war sein Lieblingskomponist - deren Intension auf, um sie in seinem einzigen bedeutenden Kammermusikwerk, dem  Quintett für Bläser op.43, zu verarbeiten. Bei einer Orchesterprobe soll er Mozarts Quintett für Orgelwalze vernommen und kurz danach seine Version im Geiste der Wiener Klassik geschrieben haben. Selbstredend ebenfalls mit einem charmanten Fagottsolo und kapriziösem Marsch für Flöte und Oboe.

Nachtmusique in seiner schönsten Form

Kein Wunder also, dass sich die Zuhörer in der Aalener Stadthalle gedanklich immer wieder in mozartschem Klang wiederfinden, in einem Timbre, dem die fünf Arirang-Musiker bemerkenswerten Elan auf hohem Niveau und brillantem Feinschliff verleihen. Was denn auch in den darauffolgenden Kompositionen begeistert, insbesondere die ausnehmend  kultivierten Horn- und Fagottpartien, die luftig dahinfließenden Flötentöne, heitere Klarinettenarabesken und virtuosen Oboenstückchen. Musik, bewundernswert elegant zu Gehör gebracht.

Danach zurück zu Mozart, zur "Serenade c-Moll (KV 406), einer vom Meister selbst neugesetzten “Nachtmusique” für Bläser, deren Kopfsatz mit einem düsteren c-Moll-Akkord 

beginnt, sich im Unisono allmählich nach oben steigert, um starke Kontraste bildend gen ansehnlichem  Kopfsatz hin zu entwickeln. Vergleichbar denjenigen in den großen c-Moll-Messen.

Ein verträumtes Andante folgt, welches der Komponisten mit einem nächtlichen Spaziergang verglichen haben möchte und welches dem Ständchen im zweiten Akt von “Così fan tutte” ähnelt. Die Serenaden-Atmosphäre im nachfolgenden Menuett und Finale kehrte schließlich zu Mozart Grundtonart zurück, indes in einem deutlich gestrengeren Kanon, was den Musikern angesichts  der eher düsteren wie kompromissloseren Vorgabe  ("Menuetto in Canone - Trio in canone al rovescio) höchste Konzentration und Virtuosität abverlangt, um eben den gewünschten Wohlklang auch tatsächlich zu erreichen. 

 

Ein Mambo für Mozart  

Jacques Ibert vertritt in diesem Mozart-Reigen das 20. Jahrhundert. Der als französischer Offenbach hierzulande bekannt gewordene Komponist verabscheute die moderne Atonalität seiner Lebensperiode, wahrte viel lieber überlieferte Form, Harmonik und Melodik. Dennoch folgte er dem Zeitgeist auf der Suche nach Neuem und wurde in einer subtilen Variante der Polytonalität, dem zeitgleichen Zusammenspiel mehrerer Tonarten, fündig. Mit französischem Timbre versteht 

sich, wie seine "Trois pièces" rasch belegen. Drei kurze Stückchen, deren höchst anregende Farbigkeit sich in zarter bis pastoraler  Andeutungen spiegelt. Diese Musik hätte wahrlich ein guter Schlussstrich unter dieser Mozart-Hommage sein können. Doch das Arirang Quintett sorgte noch für ein i-Tüpfelchen, indem der zeitgenössische Komponist Terence Greaves hinzugebeten wurde. Sein "Mozart´s Turkey Rock Mambo" setzte mit humor- wie schwungvollem Rhythmus die Zuhörerschaft sanft in Bewegung .

 
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Aalener Kulturjournal