Zu Gast beim Aalener Konzertring: German Hornsound    

Einladung zu Jagd und Romantik  

 

"Jagd & Romantik" - ein seltsam Gewächs, das heute nicht mehr so recht zusammengehören möchte. Vor über 150 Jahren war das noch ganz anders. Die vielgerühmten Romantiker sehnten sich damals nach der Ferne, wobei diese nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich oder transzendent verstanden werden wollte. In seinem Gedicht „Sehnsucht“ beschreibt Joseph von Eichendorff 1834 das romantische Fernweh des lyrischen Ichs: 

"Es schienen so golden die Sterne,

Am Fenster ich einsam stand

Und hörte aus weiter Ferne

Ein Posthorn im stillen Land.

Das Herz mir im Leib entbrennte,

Da hab' ich mir heimlich gedacht:

Ach wer da mitreisen könnte …"

Längst hupt das Postauto allenfalls schrill und profan, da gibt es kein Deut an romantischem Sehnen. Aber vielleicht erinnert sich so manch einer noch an Walter Scheel, den Ex-Bundespräsidenten, der 1974 publikumswirksam vom Kutscherbock herab "Hoch auf dem gelben Wagen" sang und das Posthorn blasen ließ. Da lief den Bundesbürgern ein wunderlicher Schauer über den Rücken. Hatte doch das Horn damals als Symbol der Romantik zumindest in der Musik seine Bedeutung bewahrt.

Für das German-Hornsound-Quartett der Dreh- und Angelpunkt, um Musik mit dem Horn in den Fokus zu rücken, schließlich besitzt das rundgezogene Blech nach wie vor mehr Potential, als nur Signalgeber zu sein.

Robert Schumann griff Anno 1849 zum Ventilhorn, zu jener Zeit ein höchst innovatives Instrument, und komponierte seinen Opus 86  - ein Stück für Orchester und vier Hörner. Und weil es so schön tönt, lässt er auch Heinrich Laubes „Fünf Gesänge"  von einem Hörner-Quartett begleiten. 

Vorsicht Vorurteile!  

Das Horn als Teil eines Orchesters, daran sind Konzertbesucher gewöhnt. Aber was, wenn die Zusammensetzung eines Quartetts mit Blick auf die Instrumentierung schlicht, gar eindimensional erscheint, wenn vier befrackte Herren "lediglich" Horn spielen wollen?  In der Regel stünden sie im Orchester hinten links" gesteht denn auch einer von ihnen, Christoph Ess. Dessen ungeachtet bat Aalens Konzertring kein Orchester auf die Stadthallenbühne, sondern eben "nur" vier Hornisten. Horn, Wald und Jagd - das gehört irgendwie zusammen. Und noch bevor der erste Ton erklingt, ruft´s im  Ohr schon zum Halali, während vor dem geistigen Auge die zünftige Jagd und die weiten Wälder vorüberziehen. 

Das "German Hornsound Quartett" zu dem Christoph Ess - er ist übrigens frischgebackener Musikprofessor - Timo Steininger, Sebastian Schorr und Stephan Schottstädt gehören, will nach eigenem Bekunden musikalisch zwar an die Ursprünge des Waldhorns erinnern, zugleich aber zeigen, welch lyrisches, gesangliches wie hochvirtuoses Potential an Tönen und Farben in der modernen Variante dieses Instruments steckt. Den ersten Beweis treten sie mit Constantin Homilius "Quartett B-Dur op. 38" an, ein eigens für Hörner komponiertes Werk an, das mit einer - wenig überraschend - unisono gespielten Fanfare beginnt, aber dann allmählich in einen polyphoneren  Klang übergeht. Gekonnt intoniert, aber irgendwie dennoch konventionell. Ein voreiliges Urteil, wie sich mit Beginn des zweiten Satzes zeigt, der auffallend lyrisch und warm im Ton daherkommt, während der dritte mit seinem 6/8 Takt zur unausweichlichen Treibjagd mitnimmt.  

 

  Vertraut und doch so unbekannt

Franz Schubert hatte in  seiner "Unvollendeten" den Hörnern eine Stimme verliehen, German Hornsound erhebt den zweiten Satz nun zum Solostück und zu einem kammermusikalischen Highlight, dem noch zwei weitere folgen sollen, nämlich Mendelssohn-Bartholdys - er hatte als einer der Ersten das Ventilhorn bei seinen Kompositionen im Kopf  - "Nocturno" aus dem "Sommernachtstraum" und Antonin Dvoraks "Largo" aus der "Symphonie Nr. 9", in dem bereits das Solo für Englischhorn vorgesehen ist und, um es nicht zu vergessen, weil es in diesem Kontext ein Muss ist, die Jagdszenen im dritten Satz aus Bruckners "Symphonie Nr. 4", die nicht zufällig "Die Romantische" heißt. 

Soweit, so bekannt. Doch "German Hornsound"  wäre kein Spezialitäten-Quartett, hätten die Vier nicht noch anderes im Repertoire. Dazu gehört eindeutig "La Caccia", eine Komposition für vier Hörner, die aus der Feder der Crailsheimerin Eva Schorr stammt, die diese Musik den vier Hornisten eigens auf den Leib geschrieben hat. Was dieses Werk so hervorhebt, ist nicht nur der facettenreiche Einsatz von vertrauten Jagdsignalen, sondern auch die unkonventionellen Wendungen ins Moderne und Jazzige, insbesondere in den beiden Ecksätzen, während im zweiten Satz nahezu ausschließlich ruhiges Musizieren angesagt ist.

 

Mach’s noch einmal, Sam - Play it again, Sam

Von der eingangs befürchteten Eindimensionalität des Konzerts kann spätestens hier keine Rede mehr sein. Dafür wird höchst nuanciert zu Jagd und Romantik geblasen. In welcher Bandbreite dies möglich ist, belegt das Quartett mit einem Potpourri, zu dem so unterschiedliche Zeitgenossen wie Richard Wagner und  Giuseppe Verdi Kompositionen beisteuern. Während Wagner - man erinnere sich der Wagnertube aus dem Nibelungenring -  zunächst noch sehr deutsch und Verdi sehr italienisch klingt, verschwimmen bei Auszügen aus "La Traviata", "Tannhäuser" und Co nach und nach die musikalischen Charaktere, sodass man - wenn man 

es wollte - beim Zuordnen der Musiken höllisch aufpassen muss, um Verwechslungen zu vermeiden. Unverkennbar hingegen Carl Maria von Webers Chor der Landleute aus dem "Freischütz" - allerdings von Stefan Schottstädt arrangiert, war doch der Komponist kein Freund des Ventilhorns, das zu seiner Zeit noch mit zwei Ventilen gespielt und damit sehr unvollkommen im Klang war. Seine Landmänner klingen bei German Hornsound dennoch prächtig. Vor allem sorgt das Quartett mit seiner Musik für ein selten zu hörendes Klangerlebnis - virtuos gespielt! 

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal