„Jagd und Romantik“ 

"German Hornsound"-Ensemble  gastiert am 23.Juni beim Aalener Konzertring 

Eine kreisförmig gewundene Röhre, auf der einen Seite ein Mundstück, gegenüber ein langgezogener Schallbecher und dazwischen Ventile - ein Horn. Besser: ein Waldhorn. Immerhin gehört es zu den ältesten Blechblasinstrumenten, dessen weicher wie warmer Klang exzellent zur Musik der Romantik passt. Das dachte sich vermutlich auch der Aalener Konzertring, als er das Ensemble "German Hornsound" zum Konzert einlud. Am 23. Juni spielt das Quartett in der Stadthalle und wie könnte es anders sein, der musikalische Leckerbissen ist mit "Jagd und Romantik" überschrieben.

 

Hornist Christoph Eß weiß einiges über die Musik mit dem Waldhorn und über die für das Konzert ausgewählten Kompositionen zu berichten:

 

Das heutige Waldhorn mit seinem weichen und lyrischen Klang wurde Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt und erlebte in der darauffolgenden Epoche der Romantik eine absolute Blüte. Alle großen Symphoniker und Opernkomponisten nutzten diesen Klang und schrieben unfassbar schöne Passagen in ihre Werke. Die Ursprünge jedoch hat das Horn ganz woanders. Das Posthorn einerseits und das etwas größere Jagdhorn andererseits wurden als typische Signalinstrumente benutzt, um auf den Beginn oder das Ende der Jagd sowie die Ankunft einer Postsendung hinzuweisen. Das Jagdhorn, auch Trompe de chasse oder Parforcehorn genannt, hatte einen deutlich größeren Umfang als das heutige Waldhorn, jedoch noch keine Ventile. Es wurde um die Schulter gelegt, so dass man eine Hand frei hatte, um neben dem Blasen der Signale sein Gewehr halten zu können. Mit dem Programm Jagd & Romantik möchte Sie das Ensemble german hornsound an die Ursprünge des Waldhorns führen und Ihnen gleichzeitig zeigen, welche weichen, lyrischen, gesanglichen, aber auch hochvirtuosen Töne und Farben durch die Weiterentwicklung des Instrumentes entstehen konnten. 

Den Beginn macht eine Originalkomposition des russisch-deutschen Komponisten und Organisten Constantin Homilius (1840-1918), der sein Quartett op. 38 für die Hornklasse seines Vaters in St. Petersburg schrieb. Das Werk beginnt mit einer unisono gespielten Fanfare, aus der sich immer polyphoner werdende Themen entwickeln. Virtuose Passagen, die durch alle Stimmen gehen, wechseln sich ab mit einem lyrischen zweiten Thema. Der zweite Satz bringt den weichen Klang des Horns zum Vorschein, bevor wir im dritten Satz das Gefühl bekommen, mitten in einer Treibjagd zu sein. Typischer 6/8- Takt, schnelle Rhythmen und Dreiklangsbrechungen, die ihren Höhepunkt am Schluss des Satzes in einer Fuge haben. La Caccia von Eva Schorr (*1927) ist ein Auftragswerk von german hornsound für dieses Programm. Schorr zeigt hier, wie man auch als moderne Komponistin die Jagd hörbar machen kann. Im ersten Satz, Windspiel, arbeitet sie mit viel Vibrato und kleinen Sekundbrechungen, die das Säuseln des Windes in den Ohren nachempfinden lassen. Melodie ist ein Variationssatz über ein bekanntes Choralthema und Halali verbindet Jagdthemen mit jazzigen Fugen. Lassen Sie sich überraschen!

Anton Bruckner (1824-1896) war einer der größten, aber auch zwiespältigsten Symphoniker der Romantik. Er war ein berühmter Organist in St. Florian und Linz und hat auch alle seine Symphonien zunächst an der Orgel konzipiert. Als er dann nach Wien ging und der dortigen Musikwelt seine ersten Symphonien präsentierte, wurde er von großen Selbstzweifeln geplagt, die durch Missfallen der Kritiker zusätzlich angefacht wurden. So gibt es nahezu keine Symphonie, von der Bruckner keine zweite, manchmal sogar dritte oder vierte Fassung schrieb, bis er sich endgültig sicher war. Die vierte Symphonie, auch die Romantische genannt, beginnt gleich mit einem wunderbaren Hornsolo und vor allem im Scherzo erinnert er an die ursprüngliche Nutzung des Horns, die Jagd. Diesen hochvirtuosen Satz hören Sie heute in einer Bearbeitung von und für german hornsound. 

Der Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) ist sicherlich allen ein Begriff. Es war üblich, dass Komponisten Musiken zu Schauspielen geschrieben haben. Mendelssohn nahm sich Shakespeares A Midsummer night’s dream zur Grundlage und hat es meisterhaft geschafft, die verschiedenen Charaktere, die Verwechslungen, das Theater im Theater, Handwerker neben Rüpeln, Elfen neben Zauberern, Titanen und Zwerge musikalisch darzustellen. Sein Nocturno ist bereits im Original mit solistischen Hörnern besetzt und so war es uns ein Leichtes, dieses wunderbare Nachtstück für vier Hörner zu arrangieren.

Anschließend werden wir Sie mit den Klängen der beiden Opernkomponisten Richard Wagner (1813-1883) und Giuseppe Verdi (1813-1901) vertraut machen. Zum 200. Geburtstagsjubiläum 2013 von beiden hat german hornsound mit dem Projekt Siegfried und Violetta ein Programm entwickelt, welches die beiden Antipoden gemeinsam auf die Bühne bringt und so zeigen können, dass man in Deutschland und Italien durchaus Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten in den Werken erkennen kann. Sie hören Auszüge aus verschiedenen Opern der Komponisten, die wir auch bei GENUINclassics auf CD eingespielt haben. Eines der berühmtesten Werke der Musikliteratur ist der langsame Satz aus Dvoraks letzter Symphonie, die „Symphonie aus der Neuen Welt“. Im Original schreibt Dvorak das Solo dem Englischhorn zu, welches ebenfalls in F gestimmt ist und heute hören Sie es in der Version für das französische Horn, das Waldhorn. Noch einmal Bruckner danach. Drei wunderbare Choräle, im Original für Orgel, erklingen für Sie in einer Version für Hornquartett. Der Freischütz von Carl Maria von Weber (1786-1826) ist die romantische Oper schlechthin und eines der berühmtesten Werke dieser Epoche. Lassen Sie sich zum Abschluss noch einmal in die wunderbare Welt der Jagdklänge des Horns mit dem Chor der Landsmänner entführen.

 

Fotos: Konzertring Aalen

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Aalener Kulturjournal