Kammersolisten XXI beim Aalener Konzertring

Musik für eine Sommernacht

Für das letzten Konzert der laufenden Saison holte sich der Aalener Konzertring die "Kammersolisten XXI" auf die Stadthallenbühne. Erst im Oktober werde es dann wieder neue Konzerte geben, betonte Konzertring-Geschäftsführerin Simone Fürst-Adriaans, die zugleich einen Ausblick auf einige Highlights der Saison 2018/2019 gab. Demnach steht im Programm der kommenden Saison unter anderem das Wiener  „Ensemble 5“, hochkarätige Musikerinnen, die sich Brahms, Mozart und Reger widmen. Ein besonderes Ereignis wird sicherlich auch das Konzert mit der weltweit renommiertesten Klarinettistin Sabine Meyer im November sein, während im nächsten Frühjahr Olivier Pols, bis 2016 Leiter des Aalener Sinfonieorchesters, mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg in die Stadthalle zurückkehrt.

Zum Saisonabschluss am vergangenen Freitagabend standen gleich sieben Musiker auf der Stadthallenbühne. Klassikfreunde durften gespannt sein, nennt sich doch das Septett "Kammersolisten XXI" - Musiker, die mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts die Kompositionen der vorangegangenen interpretieren wollen. Allerdings beanspruchte es ein Weilchen, um sich dies bewusst zu machen, um Isabelle van Keulen (Violine), Elisabeth Kufferath (Viola), Gustav Rivinius (Violoncello), Rüdiger Ludwig (Kontrabass), Jens Plücker (Horn), Bence Bogány (Fagott) und Til Renner (Klarinette) entsprechend künstlerisch einordnen zu können. Wobei die aus dem Städtedreieck Berlin-Hamburg-Hannover stammenden Musiker durchweg zu den Großen gehören, unterwegs auch als Solisten in unterschiedlichen Orchestern weltweit. Gespannt sein durften auch all diejenigen, die das "XXI" als "XXL", als Maßstab der Superlative interpretieren wollten.

Musikalische Eulenspiegelei  

Für Aalens Konzertring konzentrierte sich das Ensemble auf die klassisch-romantische Zeitspanne, wählte zum Auftakt Richard Strauss´ „Till Eulenspiegels lustige Streiche“. Eine bemerkenswert entspannt intonierte sinfonische Dichtung, in der musikalische Brüche der Ambivalenz dieser Schelmengeschichte Rechnung tragen. Im Original als Orchesterfassung, bei den "Kammersolisten" im Arrangement von Franz Hasenöhrl. Bildhaft tritt der Schalk - von den einzelnen Instrumente trefflich charakterisiert - hier auf. Eng lehnen sich die Musiker an das ursprüngliche Orchestertimbre an, behalten dabei die prägenden Elemente bei, das  vorwitzige Hornthema ebenso wie das eher bedächtige Hauptmotiv. Das verwandelt die musikalische Eulenspiegelei in eine fast märchenhaften Etüde, die luftig wie launig dem jedoch bitteren Ende entgegen strebt: Eulenspiegel wird hingerichtet. Doch aus dem abschließenden melancholischen Klangbild taucht keck nochmals Eulenspiegels Geist auf, um eine launige Kapriole zu schlagen. 

Mit Franz-Adolf Berwalds "Septett Es-Dur op. 20" entführen die Kammersolisten hernach kompromisslos in die Leichtigkeit des Seins. Ein höchst eingängiges, heiteres Stückchen, umwoben von lyrischem Timbre, von weit schweifenden Harmonien - vom Septett galant über das schwelgerische Adagio hinaus betont und erst in einem prickelnden Finale endend. Bei solch charmanter Musik ist der Gedanke an Schubert nicht weit, auch wenn Berwald vermutlich eher seinem großen Vorbild Ludwig van Beethoven folgt. Dessen apartes "Septett op. 20" bildet dann den eigentlichen Höhepunkt des Konzerts. Zurecht - denn schöner kann Serenadenmusik wirklich nicht sein. Den alten Meister trieb dieses "Septett" allerdings um, war ihm doch dessen Popularität außerordentlich lästig geworden. Warum auch immer. Schließlich verhalf ihm das Opus zu Ruhm und Ehre.

 

Entspannte Musik für eine laue Sommernacht

Seit der Uraufführung um 1800 ist es bis heute das unbestritten beliebteste und meist gespielte Beethoven-Werk. Heute würde man sagen, es stürmte damals regelrecht die Charts und blieb auf Ewigkeit ganz oben.

Sicher kein Kriterium! Schon gar nicht für Beethoven. „Mein Septett schikt ein wenig geschwinder in die Welt - weil der Pöbel drauf harrt“, soll er seinem Verleger geschrieben haben. Für die Musikfreunde eine Beethovensche Eigenart, denn das so erfolgreiche Stück erfreut sich einer - vergleichbar dem Schubertschen "Oktett" - satztechnischen Vielfalt, die den Hörgenuss garantiert. Unüberhörbar spiegelt es symphonische, solistische und kammermusikalische Merkmale, welche die sieben Musiker gekonnt zu amüsanter Konversation verleiten, wobei jeder in einem Solo zu Wort kommt, sich entsprechend profilieren kann. Besser muss, denn  alle Stimmen sind nach Beethovens Willen im Sinne der Kammermusik obligat auszuführen.

 

Von den "Kammersolisten" virtuos ausgeführt. Und noch etwas fällt auf: Das "Septett" gleicht einer vorweggenommenen Zitatensammlung aus den späteren Werken Beethovens.  Zumindest glaubt man immer wieder Passagen aus unterschiedlichsten Kompositionen herauszuhören, die indes um 1800 noch gar nicht geschrieben waren. Die Musiker verstehen sich blendend darauf, diese Eigenart aufzugreifen, um sie höchst reizvoll zu Gehör zu bringen. Im Mittelpunkt selbstredend immer  die wechselnden Soli. Und das Ganze übrigens in bester Spiellaune vorgetragen, sei es beim beschaulichen Adagio, dem tänzerischen Mittelteil oder dem forschen und genau so gespielten "Andante con moto alla Marcia". Eben Musik für eine entspannte Sommernacht und mehr.

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Aalener Kulturjournal