Zu Gast beim Aalener Konzertring: Sabine Meyer and Friends

Auf den Flügeln der Musik

Man verliert offen gesagt allmählich den Überblick angesichts der vielen Adventskonzerte, die derzeit stattfinden. Auf dem Höhepunkt dieser alljährlichen Häufung lud Montagabend Aalens Konzertring zum Innehalten ein. Dabei sollte bewusst weder ein "beladenes Schiff" empfangen noch "Maria" "durch den Dornwald" begleitet, sondern "Momente der Ruhe und des Friedens" geschaffen werden, wie Simone Fürst-Adriaans (Konzertring) in ihrer Begrüßung betonte.

Den Weg zu dieser vorweihnachtlichen Kontemplation wollte keine Geringere als die international renommierte (und aus Crailsheim stammende) Klarinettistin Sabine Meyer ebnen. Unterstützung findet die Künstlerin in "and Friends", womit Lucas Macias Navarro (Oboe), Dag Jensen (Fagott), Bruno Schneider (Horn) und für den verhinderten Pianisten Martin Helmchen nun der Franzose Eric Le Sage. Wie die Musiker für eine erlesene Auswahl stehen, so vielversprechend liest sich das Musikprogramm, das eben diesen Weg über die

lyrischen hin zur ätherisch dramatischen Form beschreitet.

Da kann eigentlich nur von Mozart, Schumann und Beethoven die Rede sein. Diese Namen verheißen bereits die allgegenwärtige lyrische Grundlinie der Kompositionen, deren anspruchsvolle Passagen von den Musikern virtuos wie beiläufig gemeistert werden, die zugleich einer klanglichen Harmonie frönen, aus der das Konzert sein wohlgeformtes Ganzes bezieht, ohne gleichförmig zu wirken. Kein rührseliges Allerlei, aber eine Musik, der konzentriert begegnet wird, um deren sentimentales Potential gemäß des Versprechens einer besinnlichen Kontemplation ausschöpfen zu können.

Zum Auftakt spielten die Musiker gemeinsam Mozarts Quintett in Es-Dur" (KV 452). Das Auffallendste, die dynamische Feinstabstimmung, ein nuancenreiches Musizieren,  bei dem insbesondere die exorbitante Kunst der vier Bläser, die mit einem fabelhaften wie souveränen Gespür den Bläserklang  mit dem des Klaviers verschmelzen. Eine heikle, doch virtuos gemeisterte Klangbalance.

Mozart komponierte Mitte der 1780er Jahre innerhalb weniger Wochen neben dem Quintett gleich noch drei weitere Klavierkonzerte, wobei das KV 452 sich als erfolgreichstes erwies. Mozart nahm es gelassen und schrieb knapp, es habe  „außerordentlichen beyfall erhalten".  Aus heutiger Sicht immerhin eine seiner genialsten Kompositionen. Folgerichtig sorgen die fünf Musiker für ein bestechendes Miteinander aus konzertierendem und kammermusikalischem Stil. Was bereits im Largo zum Tragen kommt, in einem feierlichen Bläserakkord, der so reizvoll das elegante Klavierspiel kontrastiert, zumindest bis der Hornist charmant zu romantischeren Gefilden ruft.  Mit Unterstützung des Pianisten stimmen die Bläser allmählich in die gefühlvolle Melodien mit ein. Mozart, wie er schöner nicht klingen kann.  

Danach das erste Duo: Eric Le Sage "begleitet" Hornist Bruno Schneider am Klavier.

Schumann wollte sein "Adagio und Allegro, op. 70" eigentlich als Romanze anlegen, alternierend für Violoncello oder Violine. So vielgehört, mit Horn indes überraschend

ausdrucksstark, gerade auch der langsame, melancholische erste Satz. Regelrecht gefordert wird Schneiders Virtuosität aber im zweiten, Schumanns delikatem „Bravourstück“, das mit seinen Soli den Hornisten vor große Herausforderungen stellt.

Duo zum Zweiten. Die Reihe ist an Sabine Meyer. Erneut Schumann, diesmal mit dessen "Fantasiestücke, op. 73". Nach der 1848 Revolution herrschte ein neuer Zeitgeist. Das aufkommende Biedermeier war der Opulenz abhold, bevorzugte die Schlichtheit des Ausdrucks. Der sogenannte “Volkston” hielt, das Überbleibsel der demokratischen Revolte. Zugleich eine Einfachheit, die der Schumannschen Gefühlslage entgegenkam und die "im stillen Kreise das Gemüth erquickt". Sabine Meier zelebriert drei gesangliche Sätze, wobei der erste der Melancholie frönt, der zweite dynamisch und freundlich klingt, während im dritten die Klarinettistin höchst artifiziell die melodischen Klippen meistert. Lucas Macias Navarro oblag es, den Höhepunkt dieses Schumannschen

Zyklus zu interpretieren. Die "Drei Romanzen für Oboe und Klavier" (op.94) schrieb der Komponist 1849 für seine Frau Clara, die vom balladenhaften Klang des Eingangssatzes entzückt gewesen sei, wie überliefert wird. Sicherlich auch von den beiden nachfolgenden, wird doch in diesen das elegante Spielmotiv immer wieder in charmanter Weise zur romantischen Melancholie geführt.

Fünf Jahrzehnte zuvor, veröffentlichte Beethoven sein "Quintett in Es-Dur, op. 16", das so zauberhaft auf den frühen Mozart verweist, der ebenfalls ein Quintett in derselben Tonart und Form sowie in gleicher Besetzung schrieb. Beethovens Genius erlaubt dennoch versteckte melodische Anklänge an diverse Mozartsche Opern. Indes für "Sabine Meyer and friends" unerlässlich, Beethovens Eigenart hörbar zu machen. Hier macht der neu angeschlagene Ton tatsächlich die Musik. Während Mozart das Ideal aus Belcanto und Virtuosität suchte, bedient Beethoven seinen Zeitgeist, indem er die alternierenden Bläser harsche Akzente setzen lässt, den  Klaviersatz charaktervoll und dominant anlegt. Im Ergebnis grandiose Musik, von einem virtuos spielenden Quintett höchst artifiziell zu einem brillanten Konzert zusammengeführt.

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Aalener Kulturjournal