Kultur im September

Die Herbstzeitlosen blühen, erste Weihnachtsartikel stehen in den Supermarktregalen, die große Hitze ist fast vorbei, der Urlaub allerdings auch. Zwar ist - kulturell gesehen - noch nicht allzu viel los, aber dennoch liegen zwecks Berichterstattung Bleistift, Block und Fotoapparat bereit. Roland Kaisers "Es geht schon wieder los" kommt in den Sinn, wenn sich die eMails melden, um von Ausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen und ähnlichem zu künden. Mal kleine, mal große Kunst, gelegentlich bemühte, erfreulicherweise aber meist bestens inszenierte. 

Der Ostalbkreis und die Stadt Aalen beherbergen zum Glück Kunstschaffende jedweden Genres, alte Hasen und unbekannte Newcomer. Vieles wiederholt sich dennoch. Gott sei Dank, darf betont werden, weil es ebenso prächtig wie unterhaltend ist.  Beispielsweise Musiklesungen. Eine vielversprechende findet bereits am kommenden Sonntag in der Aalener St. Johann-Kirche  (Der Tonkünstler Schubart - Schubarts „Ästhetik der Tonkunst“ in Wort und Musik;  3. September, 17 Uhr) statt. 

Da darf man sich nicht nur auf die Atmosphäre in Aalens ältestem Kirchlein freuen, sondern auch über Schubarts durchaus noch aktuelle „Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst“, die der Dichter während seiner Festungshaft entworfen hat. Obwohl das Werk Fragment geblieben ist, gehört es zu den wichtigsten Musikbüchern aus der Zeit des Sturm und Drang. Schubart beschreibt darin zahlreiche frühere und zeitgenössische Komponisten, von denen beim Konzert Pachelbel, Telemann, Händel, J. S. 

Bach, dessen Söhne und Mozart zu Wort kommen, um mit Schubartschen Ideen abgeglichen zu werden.  

Siegfried Großmann, in Aalen aufgewachsen und Abiturient am Schubart-Gymnasium, wird in das Thema einführen und auf der Orgel musikalisch die „Ästhetik der Tonkunst“ umsetzen, der Schauspieler Arwid Klaws trägt passende Texte von Schubart vor. 

Bis in die dritte Septemberwoche hinein herrscht noch so eine Art Atempause, bevor die Villa Stützel zur Barockmusik mit "Red Priest" in die Ulmer Straße (Aalen) lädt. Angemerkt sei: Wer im Urlaub weder Cambridge, New York oder Paris  und die dortigen Konzerte von "Red Priest" besuchte, dem sei die Eigenwerbung der Musiker ans Herz gelegt: "Save the date and meet the world´s most extraordinary baroque quartet." Man gönnt sich ja sonst nichts! Also Kalender raus, eintragen oder ins Smartphone tippen:  16. September (19 Uhr), Villa Stützel, Aalen.

Nur einen Tag später lädt nochmals die St. Johann Kirche ein: Sopran mit Orgel steht auf dem Programm (17. September, 18 Uhr), und wem selbst die Orgel noch zu zahm ist, sollte sich am 21. September aufmachen zur Kapfenburg. Hier werden "Spark" mit neuem Sound und unkonventionellem Rockappeal einen Mix aus Klassik, Minimal Music und Artpop inszenieren. Radikal und explosiv wie angepriesen? Das wird sich zeigen. Einfach beim Konzert dabei sein und schauen. Nach wie vor gilt (wie einst beim Mathe-Unterricht): qed - quod erat demonstrandum. 

Theatermäßig läuft gegenwärtig ebenfalls wenig. Erst am allerletzten Tag im September wird der Startschuss zur neuen Saison gegeben. "Sein oder Haben", so das Spielzeitmotto des Stadttheaters. Klingt vielversprechend. Übrigens so vielversprechend wie gleich zwei Ausstellungen, die derzeit noch zu sehen sind und die man sich nicht entgehen lassen sollte: Paul Groll in der Aalener Rathausgalerie und "Figura e Natura" im Fachsenfelder Schloss. 

Mit einer Kunstschau wartet Aalens Kunstverein im Alten Rathaus auf. Am 24. September geht es hier um die scheinbare Schönheit der einfachen Dinge. Zu sehen sind Keramiken,  Kelims und orientalische Textilien aus 2500 Jahren aus der Sammlung  Sabine Steinbock und Harry Koll.  Apropos einfache Dinge. Höchst komplex ist bekanntermaßen die Neresheimer Abteikirche. 

 

Manfred Schindler hat sie akribisch als aquarellierte Zeichnungen auf Papier festgehalten. Zu sehen sind die Bilder im Aalener Landratsamt.

Der September hält, wie erwähnt, nicht allzu viele kulturelle Highlights bereit. Eine gute Gelegenheit in ruhigen Stunden ein Buch zur Hand zu nehmen. Goethe geht immer, auch weil er gerade seinen 268. feierte  (mehr dazu unter https://www.aalener-kulturjournal.de/literatur/johann-wolfgang-von-goethe-zum-geburtstag/ ).

Selbstredend gibt es auch Aktuelleres, zum Beispiel Ismail Kadares "Die Verbannte" (https://www.aalener-kulturjournal.de/literatur/ismail-kadare-die-verbannte/ )  oder Astrid Seebergers "Nächstes Jahr in Berlin" zu lesen im Aalener Kulturjournal ab Donnerstag. Noch ein Tipp für Literaturbegeisterte: Einfach mal hier im Aalener Kulturjournal unter "Literatur" nachschauen. Da gibt es ausführlich beschriebene wie auch lohnenswerte Lesetipps. 

Und wer nach dem Abtauchen in die Literatur dann wieder ein Stückchen Realität braucht, am Wochenende ist Drachenfest auf der Osterburgersteige, acht Tage später sind die Reichsstädter Tage an der Reihe und am 23./24. September heißt es beim Limesmuseum "Vita Romana", ein Event, das die vielfältigen Aspekte des römischen Zivillebens, wie es sich im vicus (Dorf) um das Kastell der größten Reitereinheit am Limes abgespielt haben könnte.

Ach ja, da ist noch etwas Nettes: Der Künstler Atif Gülücü - Anfang des Jahres ließ er eine "Blumenwiese" in der Aalener Rathausgalerie erblühen - lädt am 10. September zur „Inneren Reise", zu einer Malerei-Objekte-Installation-Ausstellung. Der kleine Haken, Kunstfreunde müssen zur Vernissage nach Preetz, das liegt irgendwo jenseits der Main-Linie, pilgern.

Und der September hält garantiert auch noch viele schöne Sonnentag parat.

 

 

INFO

03. September, 17 Uhr St. Johann Kirche, Aalen) - Der Tonkünstler Schubart - Schubarts "Ästhetik der Tonkunst“ in Wort und Musik";

Der Eintritt ist frei. Informationen unter kulturamt@aalen.de oder Tel. 52-1110

 

16.September , 19 Uhr, Villa Stützel, Aalen. Infos unter Telefon 073651-8166777, per eMail info@villa-stuetzel.de oder über http://villa-stuetzel.de/kulturprogramm/programm

 

17. September (18 Uhr), St. Johann Kirche, Aalen - Sopran und Orgel.

 

21. September (19.30 Uhr), Schloss Kapfenburg

 

Fotos: Kullmann, Bartosch-Salmanski ("Spark")

 

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Aalener Kulturjournal