1. Aalener Kulturwochen

Kultur pur mit Tanz, Theater, Musik und Kunst!

Kleine Stadt, was nun? Während  Schwäbisch Gmünd in seinem Kirchenmusikfestival schwelgt und in Heidenheim die Opernfestspiele mit "Nabucco" einen vielversprechenden Wurf wagen, hieß es in Aalen bisher nur "Flieg, Gedanke!".  Vorbei! Der (vielleicht) neidvolle Blick über die Stadtmauer hat endlich ein Ende.  Freudenstrahlend drückt der umtriebige Oberbürgermeister Thilo Rentschler jedem eine druckfrische Broschüre in die Hand. Mattschwarz, mit interpretationsfähigem Logo mittendrauf und "Kulturwochen Aalen 2018" als Unterschrift.

"Kulturwochen" - so heißt das neue Kind der Stadt, dass sich allerdings zunächst überwiegend auf Bewährtes stützt, werden doch  Theater, Musik und Kunst lediglich gebündelt. Vorerst - denn wer groß werden will, muss schließlich erst wachsen. Kultur, so OB Rentschler, sei eine wichtige Größe im gesellschaftlichen Leben. Vorbei also die Zeiten, in denen sie lediglich als dienlicher Standortfaktor angesehen wurde. Allerdings sollen auch die Zeiten vorbei sein, in denen jeder vor sich hin wurstelt. Rentschler will sie alle zusammenbringen, wohlwissend, dass dabei nichts neu erfunden werde. "Aber wir brauchen klare Linien, in denen sich alle Kulturschaffenden wiederfinden."  Zugleich soll ein zeitlicher Bogen von den Reichsstädter Tagen hin zu den Kulturwochen geschlagen werden.

Riskant, wie so manch ein gescheiterter Versuch in der Vergangenheit zeigte. Deshalb will das Kulturamt künftig darüber wachen, damit daraus kein Vabanquespiel wird. "Wir wollen Ehren- und Hauptamtliche in Sachen Kultur aufeinander loslassen", scherzt der OB dennoch. Für Kulturamtsleiter Dr. Roland Schurig ein höchst interessanter Prozess, bei dem Künstler aus der Stadt und von außerhalb  aufeinander treffen werden, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und um sich gegenseitig zu Neuem zu ermutigen. "Man versteht nur, was man weiß", zitiert er Goethe und hofft auf reichlich Mehrwert durch solcherart Netzwerkarbeit.

Richtig neu ist hingegen "imPuls - Tanz.Bewegung.Emotionen" - der moderne Tanz hält Einzug in die Stadt. Dusan Parizek brachte vor fast drei Jahrzehnten Theater und Tanz an den Kocher. Doch das ist lange her und fand keine Fortsetzung. Nach dem Aalen heute längst über ein eigenes Stadttheater verfügt, soll nun im Rahmen der "Kulturwochen" dem Tanz eine neue Chance geboten werden, um ihn dauerhaft zu etablieren. Den Platz dafür bereitet der italienische Choreograf Gaetano Posterino, der mit seiner Münchner "Posterino Dance Company" den Modern Dance an den Kocher bringen wird. Auftakt ist bereits am kommenden Samstag (30. Juni, 11 Uhr) mit einem Dance Flashmob auf dem Aalener Marktplatz. 

Um Aalens Initiative in Sachen Tanz zu loben, bemüht er Platon: "Tanz ist die Kunst, die die Seele des Menschen am meisten bewegt." Ziel sei, lässt Posterino wissen, choreografische Leidenschaft und Kreativität mit den Fähigkeiten außergewöhnlicher und individueller Tänzer zu kombinieren, deren unterschiedliche kulturelle Hintergründe und ästhetische Formung zu integrieren, um so einzigartige Tanzstücke auf die Bühne zu bringen. Los geht es im Oktober mit dem Podiumsgespräch "Theater trifft Oper trifft Tanz". Auf der Bühne diskutieren: Tonio Kleinknecht (Theater Aalen), Kay Metzger (Theater Ulm) und Gaetano Posterino. Danach

feiert das Tanzstück "Through my Eyes / Love me if you can" Premiere. Das Aalen schon längst hätte ein Tanz-Mekka werden müssen, belegt danach Thomas Thorausch (Deutsches Tanzarchiv) mit einem Vortrag über den Begründer des Modern Dance, dem Wasseralfinger Kurt Joos.

Ebenfalls mit von der Partie: die Musikszene. Der Konzertring belegt die Klassik mit Kammermusik des "Ensembles 5", Thomas Haller mit Orgel und Saxophon (Daniela Müller) und einem Requiem für Orgel und Posaune sowie der Verein Kunterbunt mit dem 27. Aalener Jazzfest.

Neu dabei ist eine vielversprechendes Gruppe, die sich gerade findet. Knapp "ensemble πk" nennen sich die 17 Profimusiker. "Im übertragenen Sinn steht "π" für die Offenheit bezüglich der Stilistik der Stücke sowie dafür, dass die Besetzung der Kompositionen immer variieren und deshalb die Anzahl  der benötigten Musikerinnen und Musiker immer anders sein wird. Vom Solostück bis zur Orchesterbesetzung ist künftig alles denkbar", erklärt Aalens Komponist Edgar Mann. Insgesamt vier Komponisten werden daran mit zeitgenössischen Musikbeiträgen beteiligt sein: Charles Ives ("The Unanswered Question"), Henning Brauel ("Variationen in memoriam Hans Werner Henze"), Edgar Mann ("Vor den Pforten der Unterwelt", "Beiseit") und Moritz von Woellwarth ("Karen").

Wie das klingen wird? Dirigent Uwe Renz weiß es bereits: "Mich begeistert dieser Aufbruch zu neuen musikalischen Ufern. Die Musik des 20. Jahrhunderts hat in Aalen eine lange Tradition. Daraus werden wir etwas mit Strahlkraft machen."

Unter dem Motto  "Welche Sprache passt zu mir?" beteiligt sich auch das Theater der Stadt mit zwei Aufführungen, mit "Venedig im Schnee" und "Die große Erzählung". Die Kunst "umrahmt" in der Galerie im Rathaus die Kulturwochen mit Werken von Anita Bialas und Angelika Summa, beim Kunstverein ist die Weltsicht Hermann Pleuers zu sehen, in Wasseralfingens Bürgerhaus sind noch die "Krokodile" unterwegs und im Fachsenfelder Schloss Carl Spitzweg. Bleibt die Literatur. Tatjana Gessler  stellt das Buch zu ihrer Fernsehsendung vor: "Tatjanas Tiergeschichten".

1. Kulturwochen Aalen 2018

21. September bis 11. November

 

Programmübersicht Kulturwochen Aalen

 

Galerie im Rathaus Aalen

Anita Bialas – Angelika Summa

"Malerei trifft Metall"

 

Noch bis 07.11.

Aalen- Wasseralfingen, Museumsgalerie im Bürgerhaus

"Unter Krokodilen - in der Kunst und im Alltag!"

 

6.10. WIZ, 20 Uhr   

Theater der Stadt Aalen

"Venedig im Schnee"

 

7.10. Studiobühne im Alten Rathaus, 15 Uhr

Theater der Stadt Aalen

"Die große Erzählung" für Menschen ab 8  

 

7.10. Stadthalle, 19 Uhr

Konzertring: "Ensemble 5"

 

7.10. bis 4.11.

Galerie des Kunstvereins, Altes Rathaus

Kunstverein Aalen in Kooperation mit Stiftung Schloss Fachsenfeld

"Hermann Pleuer – der Maler mit der neuen Weltsicht"

 

10.10. Kino am Kocher, 20 Uhr

"Pina" - Film von Wim Wenders

 

12./13.10. Stadthalle, 20 Uhr  

Posterino Dance Company

"Through my eyes – Love me if you can"

 

12.10. Stadtbibliothek, 15 bis 17 Uhr

Lesung mit Tatjana Geßler, Moderatorin und Autorin

 

12.10. Stadthalle, 19 Uhr

Theater trifft Oper trifft Tanz. Podiumsgespräch

 

16.10 Torhaus, 19 Uhr

Vortrag von Thomas Thorausch. Kurt Jooss und "Der grüne Tisch"

 

21.10./27.10./28.10.Stiftung Schloss Fachsenfeld in Kooperation mit dem Theater der Stadt Aalen und der Musikschule, Schlossgebäude, jeweils 17 Uhr   

„Lebende Bilder“ - Live-Acts in der Spitzwegausstellung

 

3.11. Stadthalle, 20 Uhr 

"ensemble πk" - Leitung Uwe Renz

“The unanswered Question”

 

4.11. St. Johann-Kirche, 18 Uhr

Netzwerk Kirchenmusik

Aalener Bach-Zyklus -  Barockorgel und Saxophon

 

8.11. bis 11.11.: 27. Aalener Jazzfest 

 

11.11. Stadtkirche, 20 Uhr     

Netzwerk Kirchenmusik in Kooperation mit dem Aalener Jazzfest

„Requiem“ für Große Orgel und Posaune

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Aalener Kulturjournal