Ausstellung beim Aalener Kunstverein

Kunst von uns

 "Ist alles so schön bunt hier", singt Nina Hagen so überaus schön und schrill. Auch wenn nun das Schöne und Schrille in den Räumen des Aalener Kunstvereins zu sehen ist, auf diesen gemünzt ist das Liedchen nicht! Wobei - hätte sie aber die alljährlichen Ausstellung der Reihe "Kunst von uns" gekannt, wäre sie sicher nie auf den Gedanken "Meine schöne Phantasie!
Meine Schaltstellen sind hinüber!" gekommen, denn Fantasie, Kreativität und Können sind die Zutaten für jene 359 Kunstwerke, die bis zum 17. März in der Galerie im Alten Rathaus zu sehen sind. Über drei Stockwerke eine höchst farbige, vielfältige und zuweilen auch kuriose Kunst von recht unterschiedlichen Künstlern.

84 Profi- und Hobbykünstler haben ihre Werke in der Galerie abgeliefert. "So viele Künstler wie noch nie", freut sich Vorsitzender Artur Elmer, der mit vorgehaltener Hand gesteht, dass er in den zurückliegenden Wochen nahezu "Tag und Nacht" mit Rat und Tat bereitstehen musste, damit die 359 Arbeiten rechtzeitig ihren vorgesehenen Platz fanden.  Auch wenn diese nicht immer als Kunst zu erkennen ist, gilt: Der Kunstbegriff liegt nicht fest, er entwickelt sich immer weiter.  Daraus folgerte die Aufforderung an die aktiven „Hobby- und Profikünstler“ ihre Arbeit fortzuentwickeln, dabei die Öffentlichkeit zu suchen, ins Gespräch zu kommen und sich auch einmal kritisieren zu lassen. Unterschiedlich wie die beteiligten Künstler (von jung bis alt – nicht wertend gemeint) ist auch die Qualität der gezeigten Kunst.

Für potentielle Besucher der Ausstellung bedeutet dies nicht,  abzuwinken und den Kunstverein links liegen zu lassen. Im Gegenteil! Zum einen ist das Niveau der gesamten Ausstellung bemerkenswert, zum anderen gilt natürlich auch hier für die Beteiligten das altbekannte „Erfahrungen sammeln, sich austauschen, den richtigen Weg finden und fortschreiten“.

 Es gibt viel zu entdecken

 

Auf den ersten Blick wirken die Bilder der KV-Aktiven vertraut und lassen sich (scheinbar) vergleichsweise leicht in die verschiedenen Maltraditionen einordnen: gegenständlich, abstrakt, monochrom, farbig. Auf mannigfache Weise nehmen die Kunstschaffenden alle zur Verfügung stehenden Möglichkeit wahr. Auch im Ausdruck und in der Technik.

Drei Stockwerke Kunst verlangen nach Zeit. Zwei Rundgänge sind schon nötig, um sich einen Überblick zu verschaffen. Doch wer seine Beobachtungen vertiefen will, erkennt, dass so manche Künstler einer originellen Symbiose den Vorzug geben, dabei sozusagen zwischen Ratio und Intuition schweben. Unübersehbar: Geometrisch-konstruktiv gefügte Bildinhalte korrespondieren hier mit in expressiver mondrianscher Farbigkeit.

Die Hängung der Bilder scheint keinem besonderen System zu folgen. So befinden sich nebeneinander Abstraktes, Gegenständliches, Grafisches. In Harmonie mit Acrylbildern, bei denen jedwede Form aufgelöst erscheint. Jedem Bild wohnt dennoch eine imaginäre Sentenz inne, die zum Aufbruch zu neuen Ufern ruft, zu gewagten oder zum Verweilen und Träumen. Bisweilen indes eine echte Herausforderung, denn nicht alle Kunstwerke lassen sich so leicht mit nur einem Blick erfassen. Bei so manch einem muss man sich durch schwungvoll rhythmische Strukturen kämpfen, andere wiederrum gleichen einem Irrgarten voller Linien und Zeichen oder sie schaffen ein Labyrinth von Bildern im Bild. Selbst den ausgestellten Fotografien sollte man nicht so einfach trauen, sondern immer mit einem zweiten Blick begegnen, um ein eventuelles Geheimnis dahinter zu entdecken.  

Dem eigenen Urteil vertrauen

 

Die Kunstschau, die - immerhin beteiligen sich nahezu 70 Vereinsmitglieder - bietet aufschlussreiche Einblicke in das kulturelle Leben der Stadt. Ein höchst munteres wie vielfältiges, für das eifrig gemalt, radiert, fotografiert, aus Holz geschnitzt, in Keramik gebrannt und aus Metall geformt wurde. Die 359 Exponate stehen stellvertretend für ein (vermutlich) kaum überschaubares Arsenal an Objekten, das zugleich unterschiedlichste künstlerische Positionen zur Disposition stellt. Vorgegebene Meinungen, ausgetretene Pfade, zeitgeistige Forderungen - alles wegwischen und stattdessen den eigenen Augen vertrauen, um das jeweilige Werk zu erschließen. Ein guter Rat, der hilft.

Manch eines der Kunstwerk besitzt indes - seiner charakteristischen Ausführung wegen - einen hohen Wiedererkennungswert wie Christine Schlegelmilchs "Figurentheater", Waltraud Schwarz´ "Lichtspur", Artur Elmers digitale Malerei und Georg Hellers C-Prints.

Auf den ersten Blick wirken viele Bilder vertraut, lassen sich  bekannten Maltraditionen zuordnen. Richtig Provokantes ist heuer allerdings nicht dabei. Dafür gibt es zahlreiche neue Künstler: Wiebke Bader beispielsweise. Deren "Großer Faun", hält, was er verspricht, bringt er doch nahezu 140 Kilogramm "Lebendgewicht" auf die Waage. Etwas zu viel fürs Gebälk im Alten Rathaus, weshalb die Künstlerin den bronzenen Waldgeist als Kopie aus Gips und Styropor zur Kunstschau brachte. Bemerkenswert auch Monika Munk-Ludwigs Glasarbeiten, Hans Paul Kienzles "Terra Magica", die Fotos von Ivana Dorn, Alfons Glocker und Julius Eiberger. Dazwischen Josef Schaebles und Johannes Böhnleins harmonische Sandsteinskulpturen. Nur eine kleine Auswahl aus dem riesigen Angebot sehenswerter Kunst. Man könne gar nicht alle aufzählen, meinte Artur Elmer richtigerweise.

Sich Zeit nehmen, lautet deshalb die Devise, zumal man sich bei manch einer Arbeit durch komplizierte Strukturen kämpfen muss. Andere wiederum gleichen einem Irrgarten aus Linien und Zeichen oder schaffen gleich ein Labyrinth von Bildern im Bild. Die Präsentation der Kunst folgt dabei keinem erkennbaren System, garantiert jedoch Abwechslung pur.

So viele Teilnehmer wie noch nie

 

Zu sehen sind Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Goldschmiedehandwerk, Installation sowie Keramik, die Einblicke in das künstlerische Werke können auch erworben werden.
Teilnehmende Künstler sind:

Hans Werner Andexer, Wiebke Bader, Shabitha Balaratnam, Susanne Barth, Svenja Baumann, Toni Baumann, Kathrin Beck, Georgeta Berger, Béla Bisziok, Johannes Böhnlein, Ursula Braun, Ingrid Demmler-Seckler, Andreas Dorn, Ivana Dorn, Corinna Ebert, Julius Eiberger, Brigitte Eisenhardt, Artur Elmer, Ekaterina Filuta, Gisela Fürst-Talmon, Roswitha Gaupp, Diana Gebel, Hermann Gerstung,  Alfons Glocker, Armin Halder, Gabriele Hammer, Laszlo Haschka, Georg Heller, Markus Heller, Stefan Heller, Otto Hess, Birgit Hietkamp, Monika Hoffer, Mark Keller, Gunther Kerbes, Hans Paul Kienzle, Elke E. Koke, Eva Lützenburg, Emanuil Lutsevich, Markus Maier, Elisabeth Manz,  Barbara Martis, Helmuth Mayer, Maria-Anna Mayer, Ingrid Meiler, Le Mel, Monika Munk-Ludwig, Vincenzo Palanga, Ingrid Pfeiffer, Uta Rasp, Christa Rettenmaier, Marlies Rettenmaier, Gunvor Reuter, Matthias Roesch, Wolfgang Rückert, Josef Schaeble, Christine Schlegelmilch, Hannelore Schilling, Ingeborg Schlipf, Peter Schlipf, Dietmar Schmid, Cornelia Singer, Ana Maria Szabo, Gerhild Schneider, Peter Schneider, Gabriele Schumann, Waltraud Schwarz, Manfred Storn, Elke Tawfik, Ingrid Theinert-Pentzlin, Binu Thomas, Astrid Triebel, Sigrid Uhlemeyer, Peter Walter, Melanie Wanner, Brigitte Wengenmayr,  Irmgard Sofie Wetzel, Gerhard Winkler, Stephan Wolter, Evi Wörle, Georg Zamecki, Ingrid Zillober und ZOI.

 

INFO

Kunstverein Aalen: Kunst von uns

Galerie im Alten Rathaus

Ausstellung bis 17. März

www.kunstverein-aalen.de

 

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Aalener Kulturjournal