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Kunstverein Aalen zeigt "Kunst von uns"

Von blühenden Landschaften und mehr

Zeigen 64 Künstler gleichzeitig 176 Kunstwerke, kann das nur eines bedeuten: "Kunst von uns" ist wieder da. Eine traditionsreiche Ausstellung in den Galerieräumen des Aalener Kunstvereins im Alten Rathaus. Eine Kunstschau von der Art, die das Blut von Kunstfreunden gefrieren lässt oder in Wallung bringt - je nach Erwartung. Und Erwartungen sind - frei nach Theodor Fontane - bekanntlich ein weites Feld. Sicher ist allerdings, entgehen lassen sollte sich kein Kunstenthusiast diese Ausstellung, beweist sie doch vielfältig und farbenprächtig, in der Aalener Bucht existieren die blühenden (Kultur-)Landschaften tatsächlich.

"Ist alles so schön bunt hier", sang einst die Mutter des Punks Nina Hagen überaus trefflich, als sei ihr schrilles Lied auf die Aalener Kunstszene gemünzt. In der tummeln sich Künstler, die in der Lage zu sein scheinen, ihrer Phantasie Flügel zu verleihen. Über drei Stockwerke eine höchst farbige, vielfältige und zuweilen auch kuriose Kunst von recht unterschiedlichen Künstlern. Ein guter Grund für Ines Mangold-Walter, die frischgebackene Vorsitzende des Kunstvereins, viel Lob über ihre Künstlerkollegen auszubreiten, über deren Engagement, das alle Facetten künstlerischen Schaffens zu beleuchten versteht.

 

Mit Lob und Preis dürfen all jene zurecht bedacht werden, die seit der letztjährigen Kunstschau in ihren Ateliers so überaus fleißig gemalt, getöpfert, gehämmert, fotografiert oder auf eine sonstige Art und Weise gekünstlert haben, um die Ausstellungsräume endlich wieder neu zu bestücken. Corona habe den Kunstverein und die Kunst aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verdrängt, so Ines Mangold-Walter. Umso kraftvoller zeigt sich bei der "tollen Ausstellung" (Mangold-Walter) wie lebendig sich die regionale Kunstszene in der Vereinsgalerie zum wohlfeilen Schaulaufen trifft. Nicht nur weil viele der beteiligten Künstler in der hiesigen Kunstszene einen guten Namen haben, sondern auch weil unter den unbekannteren Maler, Bildhauer, Grafiker, Fotografen, Keramiker und all den anderen Kunstspezialisten manch eine Neuentdeckung mit von der Partie ist. Ganz im Sinne - was die "Kunst von uns"-Ausstellung sein möchte - eines offenen Marktplatzes der Inspirationen für ungewöhnliche, unerwartete und manchmal auch einzigartige Objekte.

Aus deren schierer Fülle die besten herauszufiltern, obliegt freilich allein dem subjektiven Geschmack eines jeden Betrachters, gilt doch wie immer die alte Weisheit: Kunst ist in Form gebrachtes Denken und Empfinden von Menschen. Das gelingt mal prächtig, mal bemüht, aber jedes Mal erweist es sich als ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, um den Aalener Kunstbetrieb nicht zuletzt seiner Bedeutung wegen am Laufen zu halten.

Dementsprechend findet sich beim Kunstverein wieder viel Traditionelles und Modernes. Immer Sehenswertes, bei dem manch ein Künstler überraschend auch mal sein lieb gewonnenes Genre wechselt, andere hingegen zum Malstil vergangener Zeiten zurückfinden.

Für die Ausstellungsbesucher wichtig, beim Kunstverein darf es über die Maßen bunt zugehen, da bunt für die Fülle kreativen Empfindens in Anspruch genommen wird. Hauptsache alles ist authentisch, alles Ausdruck des Naturells und der Neigungen ihrer Schöpfer. Weder einem Zeitgeschmack noch dem Druck des Kunstmarkts unterworfen. Eine Ausstellung ohne jeglichen „Mainstream-Charakter“ und das macht die "Kunst von uns" zu einer kleinen "ART Aalen". Selbst wenn die Kunst nicht immer (sofort) als solche zu erkennen ist, gilt dennoch: Niemand (!) gibt vor, was Kunst zu sein hat. Für die aktiven „Hobby- und Profikünstler“ bedeutet das, ihr Schaffen wird durch die Ausstellung honoriert, hier können sie die die Öffentlichkeit suchen, ins Gespräch kommen, sich Lob und Tadel auszusetzen.

Auf Entdeckertour

Auf den ersten Blick wirken viele Bilder der KV-Aktivisten vertraut, lassen sich mal mehr, mal weniger leicht diversen Maltraditionen zuordnen. Gegenständlich, abstrakt, monochrom, farbig - auf mannigfache Weise nehmen die Kunstschaffenden in Ausdruck und Technik alle zur Verfügung stehenden Möglichkeit wahr. Doch drei Stockwerke Kunst verlangen indes auch von den Kunstfreunden viel Zeit. Zwei Rundgänge sind schon nötig, um sich einen Überblick zu verschaffen. Wer seine Beobachtungen vertiefen will, erkennt rasch, dass so manche Künstler einer originellen Symbiose den Vorzug geben, dabei sozusagen zwischen Ratio und Intuition schweben. Das kann schlicht und unscheinbar sein, aber auch geometrisch-konstruktiv oder expressiv mondriansch. Die Hängung der Bilder folgt dabei keiner besonderen Neigung. So finden sich nebeneinander und  vis-à-vis Abstraktes, Konkretes, Grafisches in einer nicht enden wollenden Variation.

Jedem Bild wohnt indes eine imaginäre Sentenz inne, die, wie auch immer, zum Aufbruch ruft, hin zu neuen Ufern oder auch nur zum Träumen und Verweilen. Das kann sich bisweilen zu einer echten Herausforderung auswachsen, denn nicht alles lässt sich so leicht mit nur einem Blick erfassen - Ausnahmen bestätigen die Regeln. Bei so manch einem muss (darf) man sich durch schwungvoll rhythmische Strukturen kämpfen, andere wieder gleichen einem Irrgarten voller Linien und Zeichen oder sie schaffen ein Labyrinth von Bildern im Bild, von Flächen, Farben und Formen. Selbst den ausgestellten Fotografien sollte man nicht so einfach vertrauen, sondern immer mit einem zweiten Blick begegnen, um deren Geheimnis zu lüften. 

Dem eigenen Urteil vertrauen

Wie gesagt, die Kunstschau ermöglicht einen überaus aufschlussreichen Blick in das kulturelle Leben der Stadt. Ein höchst munteren wie vielfältigen, bei dem die zahlreichen jungen Künstler hoffnungsfroh stimmen. Zumal die Exponate stellvertretend für ein (vermutlich) kaum überschaubares Arsenal an Kunstobjekten stehen, das zugleich unterschiedlichste künstlerische Positionen zur Disposition stellt. Vorgegebene Meinungen, ausgetretene Pfade, zeitgeistige Forderungen - manch ein Kunstwerk folgt solchen Vorgaben, aber eben nicht alle. Wobei heuer richtig Provokantes - aller politischer und sozialer Verwerfungen zum Trotz - nicht dabei ist. Dennoch ist Platz für Entdeckungen.

 

Und da Namen in der Kunst eben nicht Schall und Rauch sind, hier die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler: Hamza Alabli, Hans Werner Andexer, Wiebke Bader, Annegret Barth, Sabine Barth, Georgeta Berger, Kathrin Beck, Bela Bisziok, Rüdiger Daub, Ingrid Demmler-Seckler, Andreas Dorn, Corinna Ebert, Artur Elmer, Lamia Fetzer, Ekaterina Filjuta, Gisela Fürst-Talmon, Roswitha Gaupp, Hermann Gerstung, Paul Groll, Peter Haußmann, Georg Heller, Stefan Heller, Otto Hess, Monika Hoffer, Gerhard Ilg, Ute Ilg, Jurita Jablonski, Monika Kaminska-Merz, Gunther Kerbes, Albrecht Kettler, Hans Paul Kienzle, Helmut Kimmel, Melanie Kraus, Tobias Kraus, Laura Luchian, Markus Maier, Barbara Martis, Le Mel, Gunvor Nielsen, Vincenzo Palanga, Christa Rettenmaier, Matthias Roesch, Dieter Rühmann, Jessica Rühmann, Ulrich Sauerborn, Josef A. Schaeble, Eckard Scheiderer, Hannelore Schilling, Christine Schlegelmilch, Ingeborg Schlipf, Peter Schneider, Manfred Schwarz, Waltraud Schwarz, Elke Tawik, Binu Thomas, Astrid Triebel, Peter Walter, Brigitte Wengenmayr, Irmgard Sofie Wetzel, Gerhard Winkler, Karin Witte, Stephan Wolter, Evi Wörle und Ingrid Zillober.

 

Noch ein Allerletztes: Worte sind geduldig, deshalb am besten selbst die Ausstellung besuchen. Es lohnt sich. Garantiert!


 

INFO

Kunstverein Aalen: Kunst von uns

Galerie im Alten Rathaus

Ausstellung bis 3. Dezember

www.kunstverein-aalen.de

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Aalener Kulturjournal