Ausstellung beim Aalener Kunstverein

Kunst von uns

(KH)  "Ist alles so schön bunt hier", sang einst Nina Hagen, allerdings ohne an den Aalener Kunstverein zu denken. Hätte sie aber die alljährlichen Ausstellung der Reihe "Kunst von uns" gekannt, wäre sie sicher nie auf den Gedanken "Meine schöne Phantasie!
Meine Schaltstellen sind hinüber!" gekommen. Fantasie, Kreativität und Können sind denn auch die Zutaten für jene 360 Kunstwerke, die bis zum 26. Februar in der Galerie im Alten Rathaus zu sehen sind. Über drei Stockwerke eine höchst 

farbige, vielfältige und zuweilen auch kuriose Kunst von recht unterschiedlichen Künstlern. 

Artur Elmer, seines Zeichens Kunstvereinsvorsitzender, gab den Startschuss zur Ausstellungseröffnung. Auch wenn die Kunst nicht immer als Kunst zu erkennen sei, gelte: Der Kunstbegriff liegt nicht fest, er entwickelt sich immer weiter.  Daraus folgerte die Aufforderung an die aktiven „Hobby- und Profikünstler“ ihre Arbeit fortzuentwickeln, dabei die Öffentlichkeit zu 

suchen, ins Gespräch zu kommen und sich auch einmal kritisieren zu lassen. Unterschiedlich wie die beteiligten Künstler (von jung bis alt – nicht wertend gemeint) ist auch die Qualität der gezeigten Kunst.

Für potentielle Besucher der Ausstellung bedeutet dies nicht,  abzuwinken und den Kunstverein links liegen zu lassen. Im Gegenteil! Zum einen ist das Niveau der gesamten Ausstellung bemerkenswert, zum anderen gilt natürlich auch hier für die Beteiligten das altbekannte „Erfahrungen sammeln, sich austauschen, den richtigen Weg finden und fortschreiten“.

 Es gibt viel zu entdecken

Auf den ersten Blick wirken die Bilder der KV-Aktiven vertraut und lassen sich (scheinbar) vergleichsweise leicht in die verschiedenen Maltraditionen einordnen: gegenständlich, abstrakt, monochrom, farbig. Auf mannigfache Weise nehmen die Kunstschaffenden alle zur Verfügung stehenden Möglichkeit wahr. Auch im Ausdruck und in der Technik.

Drei Stockwerke Kunst verlangen nach Zeit. Zwei Rundgänge sind schon nötig, um sich 

einen Überblick zu verschaffen. Doch wer seine Beobachtungen vertiefen will, erkennt, dass so manche Künstler einer originellen Symbiose den Vorzug geben, dabei sozusagen zwischen Ratio und Intuition schweben. Unübersehbar: Geometrisch-konstruktiv gefügte Bildinhalte korrespondieren hier mit in expressiver mondrianscher Farbigkeit.

Die Hängung der Bilder scheint keinem besonderen System zu folgen. So befinden sich nebeneinander Abstraktes, Gegenständliches, Grafisches. In Harmonie mit Acrylbildern, bei denen jedwede Form aufgelöst erscheint. 

Jedem Bild wohnt dennoch eine imaginäre Sentenz inne, die zum Aufbruch zu neuen Ufern ruft, zu gewagten Bildabenteuern (Alfons Glocker, Jurita Jablonski) oder zum Verweilen und Träumen (Hans Werner Andexer). Bisweilen indes eine echte Herausforderung, denn nicht alle Kunstwerke lassen sich so leicht mit nur einem Blick erfassen. Bei so manch einem muss man sich durch schwungvoll rhythmische Strukturen kämpfen, andere wiederrum gleichen einem Irrgarten voller Linien und Zeichen oder sie schaffen ein Labyrinth von Bildern im Bild. Selbst den ausgestellten Fotografien (Elke Koke, Ivana Dorn) sollte man nicht so einfach trauen, sondern immer mit einem zweiten Blick begegnen, um ein eventuelles Geheimnis dahinter zu entdecken.  

Dem eigenen Urteil vertrauen

Die Kunstschau, die - immerhin beteiligen sich nahezu 70 Vereinsmitglieder - bietet aufschlussreiche Einblicke in das kulturelle Leben der Stadt. Ein höchst munteres wie vielfältiges, für das eifrig gemalt, radiert, fotografiert, aus Holz geschnitzt, in Keramik gebrannt und aus Metall geformt wurde. Die 360 Exponate stehen stellvertretend für ein (vermutlich) kaum überschaubares Arsenal an Objekten, das zugleich unterschiedlichste künstlerische Positionen zur Disposition stellt. 

Vorgegebene Meinungen, ausgetretene Pfade, zeitgeistige Forderungen - alles wegwischen und stattdessen den eigenen Augen vertrauen, um das jeweilige Werk zu erschließen. Ein guter Rat, der hilft.  Zudem bot die Eröffnung die Chance, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Wie sonst wäre Monika Hoffers Luther-Triptychon zu entziffern, war doch die Künstlerin bis dato insbesondere durch ihre kaligraphischen Arbeiten aufgefallen. Oder die "Komposition in Blau" - Elisabeth Manz könnte Geschichten dazu erzählen wie auch Josef Schaeble über sein "NetzWerk" 

aus  Jura Marmor und Johannes Böhnlein über den "Tripodos". Hedwig Maier-Unrath geht mit ihren keramischen Arbeiten gen Abstraktion, Gunvor Reuter stilisiert das Antlitz seines "Paars" in klassischer Manier, Kornel Viszokay brennt seine Gefäße schwarz wie Ingrid Demmler-Seckler ihren Raben, der jedoch mit einem Schuss Humor daherkommt. Witzig wie Herbert Baumanns "Zwergenbande" Nur ein paar wenige Beispiele. Es wäre müßig alle beteiligten Künstler aufzuzählen. Doch eines ist ganz sicher: Alle zeigen sich von ihrer allerbesten Seite.

 

Folgende Künstler stellen in der Galerie im Alten Rathaus ihre Arbeiten aus:

 

Hamzeh Alabli, Hans Werner Andexer, Herbert Baumann, Toni Baumann, Kathrin Beck, Georgeta Berger, Ulrike Bergmann, Bela Bisziok, Johannes Böhnlein, Rüdiger Daub, Ivana Dorn, Brigitte Eisenhardt, Artur Elmer, Alina Galetar, Roswitha Gaupp, Diana Gebel, Hermann Gerstung, Alfons Glocker, Laszlo Haschka, Otto Hess, Rainer Hintz, Monika Hoffer, Jurita Jablonski, Gunther Kerbes, Elke Koke, Melanie Kraus, Ina Linden, Hedwig Maier-Unrath, Markus Maier, Elisabeth Manz, Aka Me, Lesia Melnik, Vincenzo Palanga, Christa Rettenmaier, Marlies Rettenmaier, Gunvor Reuter, Matthias Roesch, Jessica Rühmann, Holger Sasum, Josef Schaeble, Hannelore Schilling, Christine Schlegelmilch, Peter Schlipf, Dietmar Schmid, Peter Schneider, Uwe Schulz, Gabriele Schumann, Manfred Storn, Binu Thomas, Ingrid Theinert, Astrid Triebel, Kornel Viszokay, Melanie Wanner, Brigitte Wengenmayr, Irmgard Sofie Wetzel, Karin Witte, Evi Wörle, Ingrid Zillober, ZOI.

 

Die Ausstellung wird bis 25. Februar 2018 zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen sein:

Di bis So 10.00 bis 12.00 und 14.00 bis 17.00 Uhr,

Do bis 18.00 Uhr

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Aalener Kulturjournal