Sommerausstellung beim Aalener Kunstverein

Kunst des Alten Amerika

Erdtöne beherrschen das Bild. Auf kleinen Bühnen, in Regalen und Vitrinen Vasen, Töpfe, Karaffen. Dazwischen Figuren - sitzend, stehend, liegend. Wer in deren Gesichter schaut, findet kaum ein Lächeln. Maskenstarre, grimmige, gleichgültige, der Zeit und Raum enthobene Minen dominieren. Archetypen? Durchaus, auch wenn die Ausstellung im Alten Rathaus darauf keine eindeutige Antwort gibt. Dafür lässt Aalens Kunstverein tief in die kulturelle Vergangenheit des alten Amerikas blicken. Keine Indianer, kein Wilder Westen oder gar Karl May sind indes gemeint, sondern die Ureinwohner des Südens.  Kunstvereinsvorsitzender Artur Elmer höchstpersönlich verortet bei der Eröffnung der Ausstellung - zu sehen sind über 500 Exponate aus einem Zeitraum von 3500 Jahren - die Herkunft der Objekte: "Das ist alte Kunst aus Süd- und Mittelamerika!"

Keine Kunst von Beuys,  Richter, Warhol oder sonst  einer Berühmtheit also, sondern Jahrhunderte überdauernde Artefakte von Völkern, die kaum einer namentlich kennt. Inkas, Mayas, Azteken sind von Kreuzworträtseln her geläufig, aber Chavins oder Tlatilcos? Umso sehenswerter deren Keramiken, Skulpturen, Schmuck und Textilien, zumal diese überwiegend und trotz ihres beachtlichen Alters sich  in erstklassigem Zustand befinden. Da darf man vor den Vitrinen verweilen, den Abbildern von  Menschen, Gottheiten oder was auch  immer die Figuren darstellen, "in die Augen schauen". Von stilisiert bis realistisch ist alles dabei. Von allen geht mehr als 1000 Jahre später noch immer ein phantasieanregender Impuls aus. Der Stuttgarter Ulrich Hoffmann, der viele Exponate zur Ausstellung beisteuert, sieht darin mit ein Grund, warum Kunstinteressierte seit dem letzten Jahrhundert mit Leidenschaft nach solch raren Museumsstücken suchen.

In den Ursprungsländern Süd- und Mittelamerikas ist die legale  Ausfuhr längst untersagt. Was durch seine Hände gehe, komme immer aus europäischen Sammlungen, so Hoffmann, der in Stuttgart eine einschlägige Galerie betreibt. Seit 41 Jahren organisiert er entsprechende Ausstellungen und in den vier Jahrzehnten habe das Interesse von Händlern, Besuchern und Sammlern keinen Deut nachgelassen. Da kann Artur Elmer nur zustimmen. Seit 35 Jahren sei Kunst und Kultur aus anderen Welten eine wichtige Säule im Ausstellungsleben des Kunstvereins. Seiner Meinung nach kann sich heute niemand mehr in ein Schneckenhaus zurückziehen, zumal sich die aktuelle Flüchtlingskrise bereits im Kunstgeschehen spiegelt. "Kultur und Politik kann man nicht trennen!" Umso unverständlicher sei die hartherzige Politik manch eines Verantwortlichen. "Wir brauchen den Austausch mit anderen. Darin liegt ein großer kultureller und spiritueller Reichtum."

Artur Elmer zieht allerdings auch einen großen historischen Bogen zu der Gewaltherrschaft der Konquistadoren, die einst jegliches kulturelles Zeugnis der Völker Südamerikas zerstören wollten. Solcherart Bestrebungen gebe es leider noch immer.

Aufgrund der Vielzahl der Exponate empfiehlt Elmer, die Ausstellung mehrmals zu besuchen. Eine genaue Beschreibung und Interpretation lehnt er allerdings ab. Nur so viel gibt er mit auf den Weg: "Kultur schafft die notwendigen Normen, die das Zusammenleben in Gemeinschaften ermöglichen." Diesbezüglich gebe jedes einzelne Ausstellungsstück einen Impuls. "Schauen Sie sich deshalb alles ganz genau an, verlassen Sie sich auf ihre Augen, machen Sie sich ihre eigenen Gedanken."

 

INFO

Die Ausstellung wird bis 5. August 2018 zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen sein:
Di bis So 10.00 bis 12.00 und 1

4.00 bis 17.00 Uhr,
Do bis 18.00 Uhr

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal