Manfred Schiegl Quartett spielt für Manfred Schiegl

80 Jahre und kein bisschen leise

Swing ist und war schon immer Manfred Schiegls musikalischer Favorit, obwohl der Aalener Schlagzeuger einst bei den Stuttgarter Philharmonikern  für den perfekten Rhythmus sorgte, daneben noch ein 60köpfiges Percussion-Ensemble leitete und im Manfred-Schiegl-Quartett spielte. Was heißt spielte? Er tut es noch immer! Zu seinem 80. Geburtstag gab am Samstag die wohl älteste Boygroup der Ostalb ein veritables Ständchen im Rathausfoyer. Selbstredend mit Swing, aber auch mit all den anderen Melodien, die seit Jahrzehnten ohrwurmgleichen Widerstand gegen den musikalischen Zeitgeist leisten.

Zur Freude der Zuhörer, die indes nicht nur mit 60plus charakterisiert werden durften, war doch auch deutlich jüngeres Publikum anwesend. Die zweite positive Überraschung: Es gab keine ellenlangen Lobeshymnen, sondern ganz nach Peter Kreuders altem Schlager nur "Musik! Musik! Musik!".

"80 Jahre und kein bisschen leise!", befand Oberbürgermeister Thilo Rentschler in einem ganz kleinen Wortbeitrag zu recht. Wobei es sich der OB nicht nehmen ließ, gemeinsam mit dem Publikum ein inniges Geburtstagsständchen anzustimmen und - mindestens genauso wichtig für all jene, die heuer keine Eintrittskarten mehr ergattern konnten - für 2020, zum 81. von Manfred Schiegl, ein großes Konzert im künftigen Kulturbahnhof anzukündigen. Der Musiker nahm es sichtlich gerührt auf, widmete sich dann aber rasch wieder seinem eigentlichen Metier: der Musik. Gemeinsam mit seinen drei Musikerkollegen vom "Manfred Schiegl Quartett" -  Siegfried Liebl (Piano und Gesang), Liviu Bogdan (Violine und Saxophon) und Andreas Scheer (Bass) - sorgte er für eine vergnügliche Reprise aus Jazz, Operette und Schlager.

Musik, wie sie heute allerhöchstens noch von den Stuttgarter "Salonikern" beziehungsweise dem "Süddeutschen Salonorchester" in dieser Qualität gepflegt wird.

Manfred Schiegl lässt die Sticks wie ein Jungspund zwischen den Fingern kreisen, schlägt mit dem Besen sanft die Becken, haut aber auch mal kräftig auf die Pauke. An diesem Abend sind aber mehr jene Melodien gefragt, bei denen sich der Drummer zügeln muss, bei denen ein Gespür für feine wie elegante Rhythmen gefragt sind.

Ein Musiker geboren für die Musik. Keine Plattitüde! Mit sechs Jahren klimperte er indes noch auf dem Klavier. „Mir lag allerdings der Rhythmus näher. Ich wollte trommeln, trommeln, trommeln.“ Damals zum Leidwesen seiner Eltern noch auf Kochtopf und Ofenrohr. Drei Klavierlehrer hat er „verschlissen“, um endlich am Schlagzeug sitzen zu dürfen. Hazy Osterwald und Jochen Brauer nennt er zwar als seine musikalischen Vorbilder, doch am Drum-Set wollte er immer wie Buddy Rich sein. „Für mich der größte Drummer. Ein phänomenaler Techniker, der Swing-Schlagzeuger schlechthin!“

Zu Schiegls größten Erfolgen zählt freilich die Arbeit als Soloschlagzeuger bei den Stuttgarter Philharmonikern, wo er   1983 den Ritterschlag erhielt: Die Ernennung zum Kammermusiker. In solch einer exponierten Position dürfe man sich keinen falschen Ton erlauben, erinnert sich Manfred Schiegl. „Die Philharmoniker sind ein Ensemble, in dem jeder auf den genauen Einsatz des anderen angewiesen ist. Letztlich zählte immer die Leistung!  Schließlich spielt das Orchester in der philharmonischen Bundesliga auf dem ersten Rang.“

Da bleibt es nicht aus, dass so manch ein Prominenter seine Nähe suchte, wie die einstigen Ministerpräsidenten Filbinger, Späth und Teufel sowie der jetzige Kretschmann. Nachhaltiger erwiesen sich freilich die Begegnungen mit den ganz Großen der Musik - von Yehudi Menuhin bis Krzysztof  Penderecki.

Um es nicht zu vergessen: Einer wie Schiegl beschränkt sich nicht auf die Pauke. Vielmehr beweist er sich auch als Komponist. So schrieb er bereits zu Beginn seiner Karriere für die Aufführung der „Perser“ am Tübinger Landestheater die passende Schauspielmusik. Und für alle die auch "trommeln" wollen, verfasste er für den Hofmeister Verlag Leipzig die „Schlagzeugschule“.

Manfred Schiegl hat alles erreicht, bekam zahlreiche Auszeichnungen - 2001 auch den „JazzO“-Preis der Oberkochener Jazz Lights, er ist auf unzähligen CDs verewigt, eine der letzten entstand mit dem Manfred-Schiegl-Quartett beim OpenAir im Schloss Fachsenfeld. Übrigens in bemerkenswerter Besetzung: Siegfried Liebl (Piano, Vocal), Livius Bogdan (Sax, Violine), Andreas Scheer (Bass) und als „Special Guest“ Jochen Brauer (Flöte, Vocal). Hat man nach so viel Erfolg noch Träume? Manfred Schiegl muss nicht lange überlegen: „Mit meinem Sohn Philipp würde ich gerne Ravells `Bolero´ spielen, wobei das Schlagwerk aber vor (!) dem Orchester stehen müsste.“

 

 

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Aalener Kulturjournal