Noch ein Geburtstagskind: Manfred Schiegl - Schlagerzeuger aus Leidenschaft

Musik macht das Leben leicht

Noch ein kleiner, aber unverzichtbarer Nachschlag zum 50jährigen des "Bottichs". Manfred Schiegl spielte bekanntlich vor fünf Jahrzehnten zur Eröffnung der Aalener Disko mit seinem damaligen Quartett und heuer - in etwas anderer Besetzung - erneut. Nur, was dabei fast untergegangen ist, Manfred Schiegl hatte vor zwei Wochen Geburtstag. 79 Jahre jung und wer ihn schon einmal in seinen eigenen vier Wänden erlebt hat, muss eingestehen: Mehr Musiker geht nicht.

Ganz im Vertrauen, einem leidenschaftlichem Drummer gesteht man schon zu, dass er das eine oder andere Percussion-Instrument unter seinem Dach beherbergt. Manfred Schiegl macht hier allerdings eine Ausnahme. Bei ihm scheinen die eigenen vier Wände eher Mittel zum Zweck und nur einer Sache dienlich zu sein: unzähligen Schlaginstrumenten Herberge zu bieten. In der Garage, im Erd- und Obergeschoss, unterm Dach: Marimbaphon, Schlagzeug, Bongo, große Trommel, kleine Trommel, dazwischen Exotisches, dessen Namen so fremd wie der Herkunftsort klingt. Unverkennbar ist, da haut einer leidenschaftlich gerne auf die Pauke. Womit das Thema getroffen wäre, denn Manfred Schiegl tut dies seit? Er lässt den Stick zwischen den Fingern kreisen, Pause.

Dann winkt er ab. Nebensache. Sicher ist aber: Er ist gerade 79 geworden. Kaum zu glauben, wenn man ihn so sieht, mit ihm über vergangene Zeiten plaudert, wenn er unendlich viele Geschichten erzählt, mal diese, mal jene Melodie anstimmt und zwischendurch mit den Fingern den „Bolero“ auf die Tischplatte trommelt.

Schlussfolgern lässt sich: Sein Leben gehört ganz der Musik. Keine Plattitüde! Mit sechs Jahren klimperte er bereits auf dem Klavier – weil seine Eltern es so wollten. „Mir lag allerdings der Rhythmus näher. Ich wollte trommeln, trommeln, trommeln.“ Damals noch auf Kochtopf und Ofenrohr. Drei Klavierlehrer versuchten ihn auf andere Gedanken zu bringen, alle drei hat er „verschlissen“, um endlich am Schlagzeug sitzen zu dürfen. Hazy Osterwald und Jochen Brauer nennt er als musikalisches Vorbild, an den Sticks wollte er jedoch wie Buddy Rich sein. „Für mich der größte Drummer. Ein phänomenaler Techniker, der über eine hohe solistische Intelligenz verfügte. Der Swing-Schlagzeuger schlechthin!“

 Swing, das Stichwort. Manfred Schiegls musikalischer Favorit, obwohl er als begnadeter Schlagzeuger auch bei den Stuttgarter Philharmonikern  für den perfekten Rhythmus sorgte, daneben noch ein 60köpfiges Percussion-Ensemble und das nach ihm benannte Manfred-Schiegl-Quartett leitete. Nicht zu vergessen: Sein umfängliches Wissen gibt er nach wie vor als Musiklehrer an Jüngere weiter, auch an seinen Sohn Philipp, der heute eine Schlagzeugschule betreibt. Die Liste der Schüler scheint endlos. Viele entschieden sich später für ein Musikerleben. Einer wurde gar Musikprofessor in Berlin, ein anderer Ensemblemitglied der Dresdner Philharmonie.  

Zu seinen größten beruflichen wie persönlichen Erfolgen zählt freilich die Arbeit als Soloschlagzeuger bei der Stuttgarter Philharmonie (seit 1967). Den diesbezüglichen Lorbeerkranz errang er 1983, als er zum Kammermusiker ernannt wurde. Die Aalener seien stolz darauf, dass einer der ihren eine solch hohe Auszeichnung erhalte, betonte Aalens damaliger Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle in seinem Gratulationsschreiben.

In dieser exponierten Position dürfe man sich keinen falschen Ton erlauben, meint Schiegl. „Die Philharmoniker sind ein Ensemble, in dem jeder auf den genauen Einsatz des anderen angewiesen ist. Letztlich zählte immer die Leistung!  Schließlich spielt das Orchester in der philharmonischen Bundesliga auf dem ersten Rang.“

Da bleibt es nicht aus, dass so manch ein Prominenter die Nähe zu den renommierten Musikern suchte. Zum Orchestervorstand allemal. 32 Jahre lang gehörte Manfred Schiegl ihm an. Er erinnert sich an Treffen mit den einstigen Ministerpräsidenten Filbinger, Späth und Teufel, auch mit dem jetzigen Kretschmann. Für Musikfreunde nachhaltiger erwiesen sich freilich die Begegnungen mit den ganz Großen der Musik - von Yehudi Menuhin bis Krzysztof  Penderecki.

Nachtrag

Ein Vollblutmusiker wie Schiegl beschränkt sein vielfältiges Wirken freilich nicht auf Pauke und Co. Vielmehr beweist er sich auch als Komponist. So schrieb er bereits zu Beginn seiner Karriere für die Aufführung der „Perser“ durch das Tübinger Landestheater die passende Schauspielmusik. Und für alle denen der Sinn nach einer guten Schlagzeugerausbildung steht, verfasste er für den Hofmeister Verlag Leipzig eine „Schlagzeugschule“.

Er hat alles erreicht, bekam zahlreiche Auszeichnungen - 2001 auch den „JazzO“-Preis der Oberkochener Jazz Lights, er ist auf unzähligen CDs verewigt (eine der letzten entstand mit dem Manfred-Schiegl-Quartett beim OpenAir im Schloss Fachsenfeld. Übrigens in bemerkenswerter Besetzung: Siegfried Liebl (Piano, Vocal), Livius Bogdan (Sax, Violine), Andreas Scheer (Bass) und als „Special Guest“ Jochen Brauer (Flöte, Vocal). Hat man nach so viel Erfolg noch Träume? Manfred Schiegl muss nicht lange überlegen: „Mit meinem Sohn Philipp würde ich gerne Ravells `Bolero´ spielen, wobei das Schlagwerk aber vor (!) dem Orchester stehen müsste.“

(Text aus dem Jahr 2014, Fotos aus den Jahren 2006 und 2014)
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Aalener Kulturjournal