Ausstellung Landratsamt Aalen 

Manfred Schindlers Kloster-Neresheim-Einsichten

Bei der Ausstellungseröffnung - besser wäre es hier Anführungszeichen zu verwenden, denn so eine richtige Vernissage war nicht gewollt  - war nur eine Handvoll Gäste anwesend, auch nicht der Künstler Manfred Schindler. Er war aus gesundheitlichen Gründen verhindert. Vertreten wurde er von seiner Tochter  Nicola Schindler. Nicht nur der Nachname weckt Erinnerungen, Manfred Schindler war einst bei der Schwäpo, auch das Thema gibt Anlass in der Vergangenheit zu kramen. 50 Jahre Verein "pro Neresheim", das kann sich sehen lassen. Landrat Klaus Pavel hat einige Fotos zur Ausstellungseröffnung mitgebracht, die in die Jahrzehnte zurückblicken lassen, zu einem Verein, bei dessen Gründung Bundesminister, Wirtschaftspotentaten und Blaublütige anwesend waren. 

Immerhin ging es um ein bedeutendes Kloster, dessen Mauern nicht nur vom Überschall tieffliegender Starfighter zermürbt waren. Während die bereits Genannten Spendenaktionen zugunsten des Klosters anleierten, gab es auch kleinere Aktionen, um für die Restaurierung zu werben. Eine davon der "pro Neresheim-Kalender", den Nicola Schindler zum 50jährigen mithilfe der Illustrationen ihres Vaters gestaltete.

Der ist in Sachen Verein ein alter Hase. Einer, der  in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten an der konzeptionellen und graphischen Gestaltung der Vereinsaktivitäten zur Erhaltung der Abteikirche und der denkmalgeschützten Klosteranlage aktiv mitwirkte. 

Im Rollstuhl sitzend zeichnete Manfred Schindler die  in die Landschaft des Härtsfeldes und deren jahreszeitliche Stimmungen eingebettete Klosterbauten. Die Illustrationen seien persönliche Reminiszenzen, frei von künstlerischen Ambitionen und Interpretationen, deutet Nicola Schindler an.

 

Wie es zum Kalender kam und wie ihr Vater die Illustrationen für pro Neresheim entwickelte, davon berichtete Nicola Schindler:

Mit einem Einser im Zeichnen und einem in Geschichte aus der Schule verabschiedet, hätte er gerne ein Kunststudium begonnen, doch so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung aus Schlesien war das eine Illusion. Der Junge müsse etwas lernen, was eine Familie ernähre, so der Vater. Buchdrucker sollte er werden.  Damals hieß das: von
Hand Buchstaben aus Blei zusammensetzen, 1.250 pro Stunde. Sätze entstehen, Seiten. Tag für Tag. Bis zur erfolgreichen Gesellenprüfung. 

Die Lust am Zeichnen erhielt er sich. Und so verdient er sich Geld in verschiedenen Druck- und Verlagshäusern, während er "Gebrauchsgrafik", wie die visuelle Kommunikationsgestaltung damals hieß, studierte. In den sechziger Jahre kehrte er aus der Schweiz nach Deutschland zurück, arbeitete bei der Zeitung, um sich dann selbständig zu machen.  Die Wirtschaftswunderjahre benötigte die damals noch rare Kompetenz in Sachen  Werbung und Public Relation. Manfred Schindlers kleines Atelier wuchs, gewann Unternehmen wie Zeiss, Voith, Bosch, Magirus und Kässbohrer als ständige Auftraggeber.

Als die Neresheimer Abteikirche wegen Einsturzgefahr geschlossen wurde, suchte der 1967 gegründete "Verein zu Erhaltung der Abteikirche Neresheim" professionelle Hilfe, denn Spendenbereitschaft setzt überzeugende Information voraus. Irgendwann fiel der Name Manfred Schindler. Das war der Beginn einer bis heute andauernden Mitwirkung.

Gute Öffentlichkeitsarbeit braucht gutes Bildmaterial. Nicht nur von der Abteikirche selbst, sondern auch der Landschaft, die das einmalige Bauwerk krönt. Die Motivsuche begann. Wie gewohnt mit dem Zeichenstift, mit flüchtigen Skizzen. Sie dienten als Layout für erste Entwürfe zur Gestaltung der Vereinspublikationen, der Prospekte, Buchveröffentlichungen und Ausstellungen. 

Sie waren zugleich Vorlage zur Verständigung mit Fotografen, zum Beispiel auch der eigenen Tochter, die diese Inspirationen aufgriff, mit vielen Aufnahmen verwirklicht und aus eigenem Blickwinkel ergänzte. Selbst Kameraleute des Fernsehens nutzten Schindlers Skizzen, um das unbekannte Härtsfeld für Filmreportagen zu entdecken.

Die meisten Zeichnungen landeten indes irgendwann im Papierkorb. Einige sind allerdings erhalten geblieben. "Es verlangt besondere Intensität, sich geduldig mithilfe des Zeichenstiftes mit einer Landschaft, einer Architektur auseinanderzusetzen. 

So wuchs das Bedürfnis, die eine oder andere dieser flüchtigen Bildnotizen ausführlicher
wiederzugeben, mit jahreszeitlichem Bezug, manches auch aus anderer Perspektive, als es die
Kamera in der Hand vermag", erinnert sich Nicola Schindler an erste Überlegungen zum Kalender. Entstanden seien Bilderinnerungen, wie man sie in wenig hektischer Zeit
von Natur- und Wandererlebnissen nach eigener Anschauung mitzubringen gewohnt war, wie einst Eduard Mörike oder Hermann Hesse sie von ihren Spaziergängen über die Schwäbische Alb anfertigten. "Es sind Illustrationen, die sagen wollen: Ja, so ist Neresheim. Ja, so habe ich es gesehen, empfunden. Und so werde ich es gerne in Erinnerung behalten", zitiert Nicola Schindler ihren Vater.

 

 

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Aalener Kulturjournal