Mother Africa

New Stories from Khayelitsha

Die letzte Show liegt schon einige Jahre zurück. Damals erzählte "Mother Africa" vom Leben im südafrikanischen Township Khayelitsha. Nicht mit den Mitteln der Literatur, sondern mit erstklassigen Artisten und ebensolcher Musik.

Am vergangenen Donnerstagabend begeisterte "Mother Africa" erneut mit afrikanischer Artistik, Akrobatik und Musik nahezu 1000 Besucher der Aalener Stadthalle.  Allerdings wollte zunächst die Show nicht beginnen, da wegen eines Unfalls an der Kletterstange am Vortag die Sicherungstechnik erweitert werden musste. Mit halbstündiger Verspätung begannen dann Buschtrommel und E-Gitarre von Afrika zu erzählen. Von alten Geschichten aus dem Township Khayelitsha und von jugendlich moderner Partytime.

Seit vergangenem Jahr ist "Mother Africa" mit einer Neuinszenierung auf Tour. "New Stories from Khayelitsha", heißt die Devise. Dem Publikum zeigt sich die Show wiederum mit teils spektakulären Acts, leidenschaftlicher Musik sowie Tänzen voller Lebensfreude. Moderne Choreographie bringt alles auf eine Linie, so dass die realen und fiktiven Geschichten abermals in das Township entführen können. Allerdings - so darf heuer festgestellt werden - durchaus auf recht unterschiedliche Weise im Vergleich zum Vorgängerprogramm. Wurden damals die Geschehnisse im Township deutlich geschildert, wenn auch nicht immer mit der sozialen Realität  übereinstimmend, so doch entlang eines erkennbaren Roten Fadens. Daran haperte es diesmal zeitweilig. Wie bei der letzten Show kamen die afrikanischen Künstler, die mit artistischen und akrobatischen Meisterstücken begeisterten, aus verschiedenen Ländern wie Äthiopien, Simbabwe, Südafrika, Tansania oder Kenia.  

Kein Widerspruch: Tradition und Moderne 

Das Niveau von "Mother Africa" lässt sich durchaus mit André Hellers Zirkusshow "Afrika! Afrika!" vergleichen, auch wenn Zelte fehlen und stattdessen durch kleine und große Hallen europäischer Städte getourt wird. Ein weiterer Unterschied: "Mother Africa" setzt seine Artisten mit perfekter Lichtkunst und Popmusik in Szene.

Die Künstler zeigen nicht nur zeitgemäße Artistik, sondern auch ein modernes Afrika jenseits aktueller Berichterstattung. Ein Afrika, dessen Musik unüberhörbar traditionell verwurzelt ist, dennoch nicht auf HipHop verzichtet. Dessen Jongleure genauso gut mit Messer, Bällen und Reif hantieren, wie die Artisten mit ihrer 

außergewöhnlichen Körperbeherrschung beeindrucken. So stehen sportliche Höchstleistungen gleichberechtigt neben typischen Klischeebildern. Buschtrommeln zwingen ebenso in heiße Rhythmen wie westliche Percussion-Instrumente, die jungen Frauen tragen  farbenfrohe traditionelle Kostüme, um kurz danach in leichten Girly-Kleidern das Tanzbein zu schwingen. Männer mit Muskeln, manche auch mit Bauchansatz, zeigen auf dem Boden und an der Kletterstange spannende Artistik par excellence. Zu erwähnen ist noch Leadsängerin Tamsanqa Germaine Moyo, die gemeinsam mit der Band vorzügliche Musik liefert und immer wieder mit ihrem Gesang die Darbietungen der Artisten unterfüttert. 

Show macht Lust auf "Mother Africa 3.0"

Daraus ergibt sich - trotz einer Unterbrechung aufgrund eines Feuer-Fehlalarms - eine farbenfrohe Party, deren gute Laune auch die Zuschauer ansteckt. Rhythmisches Schunkeln zu den Trommeln Afrikas, Mitklatschen und Zwischenapplaus gehören dazu. Die Geschichte , die "Mother Africa" dazwischen erzählt, bleibt indes vage, dafür gelingt der Balanceakt zwischen Tradition und Moderne  blendend.

Neben dem Können der Künstler bleibt dieser oftmals seltsam anmutende Mix aus archaischen afrikanischen und vertraut europäischen Klängen ebenso in Erinnerung, wie  die rituelle Tanzformen, die nach und nach in Breakdance münden. Keine Wertung, vielmehr ein durchaus gelungener Transfer in beide Richtungen. Ohne Netz und doppelten Boden, wie immer man das verstehen möchte. Da darf man heute schon auf "Mother Africa 3.0" gespannt sein. 

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Aalener Kulturjournal