Oberkochen dell´Arte serviert Uli Boettcher

Der mit dem eigenen Ich tanzt

Zweite Runde bei Oberkochens "dell´Arte". Auf der Bühne Uli Boettcher, der zwei geschlagene Stunden lang ohne Unterlass redet. Wie ein Wasserfall. Das Überraschende dabei, man hört ihm überaus gerne zu. Nicht unbedingt, weil der Wortschwall so spannend, interessant oder gar brisant ist. Ganz im Gegenteil. Seine Themen sind altbekannt und lapidar, aber sie treffen den Nerv des Publikums. Ist es doch das, was ein jeder tagein tagaus selbst erleben kann, wenn es um Ehe, Kinder, Küche, Freund und Feind geht.

Schon nach wenigen Minuten wird klar, Uli Boettcher, ist einer, der sein Handwerk versteht, der sich nicht immer unter die Gürtellinie begeben muss (nur manchmal!), um als Komödiant, Kabarettist und als Psychotherapeut an der eigenen Seele wahrgenommen zu werden. Man muss ihn nicht kennen, glaubt aber bei jedem Satz, ihn schon lange zu kennen. Seine Geschichten klingen wie die der Zuhörer. Vielleicht deshalb, weil sie so alltäglich und persönlich sind.

Mit ihnen begibt er sich in die Nähe von Richard David Prechts Buch "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?". Doch Vorsicht, Uli Boettcher lehnt sich lediglich an, einen philosophischen Diskurs will er nicht führen. Bei ihm ist es mehr eine Nabelschau, die ihn zu der ernüchternden Erkenntnis führt: "Ich bin viele" (Titel). Für seine "Reise durchs Universum" packt Boettcher viele Koffer. Gefüllt mit Dingen, die jeder Zuhörer in den eigenen ebenfalls verborgen hält.

Die Sache zwischen Männern und Frauen gehört dazu, auch die um bekannte Vorurteile über Nachbarn, Tanten und Verwandte. Ein weites Feld, von Boettcher  vom Hundertsten ins Tausendste kommend wortgewandt beackert. Hier setzt sein humoristisches Potenzial an, umschreibt mit giftigen Adjektiven, was heimlich tief auch in jedem seiner Zuhörer schlummert. Dinge, über die man eigentlich nur hinter vorgehaltener Hand im engsten Freundeskreis spricht. Wobei Boettcher die Schamgrenze hinter sich lassend kein Blatt vor den Mund nimmt.

"Ich bin viele" - Boettcher schlüpft in ebenso viele Rollen. Immer wieder melden sich die zwei Seelen in seiner Brust, immer wieder deckt Boettcher innere Gegensätze auf, die er mit Hilfe einer "lebenserfahrenen" Tante löst. Zur Freude des Publikums, denn deren Ratschläge klingen gelinde gesagt nicht immer nach der Weisheit letztem Schluss.

Comedian Uli Boettcher weiß, was sein Publikum zu hören wünscht. Bei Oberkochens "dell´ Arte" erfüllte er am Donnerstagabend im Bürgersaal alle diesbezüglichen Wünsche.

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Aalener Kulturjournal