Ausstellung: Paul Groll im Wasseralfinger Bürgerhaus

  Unter Tage - Über Menschen

Eigentlich glaubt man  alles über die Kunst von Paul Groll zu wissen, schließlich hängen seine Bilder in (fast) allen Amtsstuben, Arztpraxen und überall dort, wo Menschen zusammenkommen. Ruft Paul Groll zu einer Ausstellung, pilgern seine Fans zahlreich zu ihm. Schon einmal gesehen? Zweimal oder öfters? Eigentlich ist das gleich, denn der Lauchheimer überrascht mit seiner Kunst immer wieder aufs Neue.

Genauso gerne blickt man allerdings auf diese. Möglich ist dies im Rahmen der Wasseralfinger Festtage im Bürgerhaus. 42 Bilder drehen sich um eine Welt, die, so scheint es mit Kinderaugen betrachtet wird. Will heißen: Paul Groll ist nach all den Jahren als Künstler seiner unübersehbare verspielten Formensprache treu geblieben. Damit ist zugleich schon fast die Frage beantwortet, was die Kunst des Lauchheimers so anregend macht. Die Antwort: weil sie einfach unverwechselbar ist. Nicht zuletzt dank einer schon nahezu barocken, weil opulenten, eben kindernahen im Sinne von naiven Farbenpracht. Zudem versteht sich der Künstler bestens darauf, auf der Leinwand figurativ abstrakte Bildelemente so zu positionieren, dass sich der Blick der Betrachter darauf fokussiert.

Harmonie in Farbe

Die dadurch entstehende Bildwelt lässt niemanden ungerührt. In dem farbenfroh-heiteren wie vor Lebenslust strotzenden Gewimmel an Flächen und Linien, die sich im Gesamteindruck zu schemenhaften Gebilden formen. Hier dürfen Betrachter ihre Phantasie walten lassen, Menschen und Szenen erkennen oder sich schlicht einfach nur an einer frohgemut harmonischen "Dichtung" erfreuen. Dennoch, wer sich die Zeit nimmt und genau hinschaut, findet in den überwiegend asymmetrischen Farbkompositionen vertraut erscheinende Anspielungen, charakteristische Gesten und Gebärden, die für wohltuende wie unerlässliche Turbulenzen im ureigenen Assoziationsreigen sorgen. Indes, ohne dass damit ein allzu wildes Wirrwarr einhergeht. In der Wasseralfinger Ausstellung erscheinen die Bilder überraschend klar und eindeutig,

gleichwohl aber seltsam verschwommen. Vielleicht auch, da zahlreiche Segmente erkennbar eine Struktur zu formen vermögen, dem ungeachtet sich aber einzelne Bildfragmente einem allzu beiläufigen Betrachten entziehen.

Eines der signifikantesten Erkennungszeichen bleibt die menschliche Figur, die hervorgehoben an einer beliebig scheinenden Stelle auf der Bildfläche teils unvermittelt auftaucht, umgeben von farbigen Setzungen, amorphen Fleckenformen, sich in- und übereinander schiebende Farbwolken, ein buntes Konglomerat bildend, das eine gewisse Eigendynamik ausstrahlt. Von Paul Grolls Kunst geht unverkennbar Lebensfreude aus, nicht nur wegen der optimistischen Farbigkeit, sondern auch da sie so bemerkenswert ausgereift ist, sich entsprechend von bester Qualität - formal wie inhaltlich - zeigt.

Keine Sonne unter Tage

Das Gitarrenduo "Beidsaitig" (Tobias Knecht, Andreas Franzmann) lieferte dazu mit "Here comes the Sun" sonnige Melodien, von denen insbesondere eine höchst `vielsaitig´ performte "Habanera" die kunterbunten Groll-Bilder spiegelte. "Schöne Wiese" und "Weiße Wolke", "Frau Holle" und "Dornröschen" - Glück findet sich eben auch in diesen zuhauf.

Die Wasseralfinger Ausstellung trägt indes die Überschrift "Unter Tage - Über Menschen", was sicherlich den Befund zulässt, unter Tage kocht die Daseinsfreude auf Sparflamme. Schwere körperliche Arbeit, enge Schächte und Dunkelheit - wie setzt Paul Groll das Thema um? Seine in den meisten Bildern vorkommenden "winkenden Händchen" dürften sicherlich fehl am Platze sein, allenfalls als Hilferuf gedeutet werden.

In den Bergwerksbildern stehen sie erneut symbolisch für das Sein der Menschen. Schwarz konturiert für harte Arbeit. Von gekrümmt dastehenden Menschen werden Hände vor das Gesicht gehalten, stehen für Gram und Pein. Im oberen Drittel der Bilder die schöne bunte Landschaft der Ostalb mit Wiesen und Bergen, die untere zwei Drittel offenbaren den Bergwerksalltag. Paul Groll bleibt bei seiner Formensprache, doch durch den sparsamen Farbauftrag, durch viel Schwarz verändert er den Gesamteindruck der Bilder. Sie wirken zwar nicht gar so expressiv wie bei Käthe Kollwitz´ Fäuste reckenden Webern, atmosphärisch jedoch durchaus in diese Richtung weisend. Eine ähnliche Situation findet sich übrigens in seinem "Eine Seefahrt.Nicht lustig". Das Bild ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

INFO

Wie Aalens Kunstkritiker Hermann Schludi die Kunst von Paul Groll beurteilt, findet sich hier.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal