Fotoausstellung im Landratsam Aalen

Peter Schlipfs Impressionen - Bilder vom Unions-Gelände

Er kam, sah und fotografierte: Peter Schlipf zeigt im Aalener Landratsamt, was hinter der schnöden Fassade der alten "Schuhwichse" steckt. Seit Jahren schon dämmert das Gebäude vor sich hin, liegt sozusagen im Dornröschenschlaf. Besser es lag, denn zwischenzeitlich hat der Kreis ein Auge auf das Areal geworfen. Die Folge: Mit der beinahe beschaulichen Idylle, die ihren Anfang mit dem letzten Feierabend der ehemaligen Mitarbeiter 1988 nahm, ist es endgültig vorbei. 

So manch ein Fotograf kokettiert damit, wie er einst im abendlichen Dämmerlicht und selbstredend klammheimlich über das stacheldrahtbewehrte Fabriktor kletterte, um den ganz allmählich einsetzenden Verfall fürs heimische Fotoalbum zu dokumentieren. Peter Schlipf war im vergangenen Jahr der Erste, der hochoffiziell  unter dem Torbogen in das mitten in der Stadt und doch so abgeschieden gelegene Paradies von Eidechsen, Vögeln und sonstigem Getier durfte. 

Ohne großes Konzept, wie er betont. Aber bewaffnet mit Fotoapparat und einem Gespür für ansprechende Bilder. Das Ergebnis kann sich denn auch sehen lassen. Im Landratsamt hängen seine Einblicke in die alte Fabrik. Fotos, die Nichteingeweihte staunen lassen ob der geheimnisvollen Bauwerke, die sich so verloren hinter die Außenmauer ducken. Verblüffend dabei die unerwartete architektonische Harmonie des gesamten Ensembles, das zugleich Zeugnis von der Industriegeschichte des vergangenen Jahrhunderts gibt, aber auch die dunkle Ahnung einer zu Ende gehenden Zeit. 

Bei der Ausstellungseröffnung waren im Landratsamt zahlreiche ehemalige Mitarbeiter anwesend, um die Erinnerungen an ihre einstige Arbeitsstätte mit der real existierenden Wirklichkeit zu vergleichen. Schlipfs Fotografien gewähren ihnen nochmals Einblicke in Werkstätten, Produktionshallen und Verwaltungsbüros.  Auf einigen Bildern sieht es so aus, als wären die Beschäftigten gerade in der Mittagspause, auf anderen scheinen altertümliche Maschinen auf Standby geschaltet und Werkzeug liegt griffbereit. Ein 'Déjà-vu' , denn in der Aalener Wilhelm-Merz-Straße  wird niemand mehr Schuhcreme und Co produzieren, verpacken, ausliefern.

Diese sich an der Vergangenheit orientierenden Bilder werden ergänzt durch bunte Impressionen, meist Frontalaufnahmen unterschiedlichster Gebäude, Gassen und Winkel, die wie mit einem Ultraweitwinkelobjektiv aufgenommen, spielerisch bröselnde Architektur verfremden. Romantisierende Aufnahmen, deren dokumentarischer Wert freilich begrenzt ist, fehlt doch der authentische Blick auf die alte Fabrikanlage, die Systematik in der fotografischen Erhebung und der nur dadurch möglichen Rekonstruktion von Funktionszusammenhängen einstiger Produktions- und Arbeitsprozesse. 

Vielleicht sollte dies auch nicht sein. Wäre indes jedoch eine Gelegenheit gewesen, die vermutlich - da so manch eine Anlage bereits abgebaut ist - so nicht mehr möglich sein wird.

Die Fotografien zeigen allerdings auch, welch bemerkenswertes Potential an Sozial- und Industriegeschichte vor aller Augen und dennoch in Sichtweite von Rathaus und Landratsamt unbemerkt schlummerte. Peter Schlipfs Impressionen geben einen Hinweis darauf, einen sehenswerten.

 

Fotos: Peter Schlipf, Herbert Kullmann 

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Aalener Kulturjournal