Peter Schlipf - Theaterfotografie

FOTOGRAFIEREN VERBOTEN!

Es riecht nach Kaffee und Schokolade. An den Bistrotischen große und kleine Café-Besucher, an den Wänden Fotos. Bilder von Schauspielern in scheinbar zufälligen Posen. Den fleißigen Theatergängern kommen die Protagonisten und Szenen indes höchst bekannt vor: Mirjam Birkl und Philipp Dürschmied - ein Foto aus dem Stück "Agnes", Michael Kausch in der "Sternstunde des Josef Bieder" oder Alice Katharina Schmid und Bernd Tauber in "Samstag in Europa". Zusammengenommen bietet die kleine Bilderschau eine gute Gelegenheit zum Déjà-vu der zurückliegenden Spielzeit des Aalener Stadttheaters, ein fotografischer Rückblick, den Peter Schlipf ermöglicht. 

Zum Ausstellungsort der Bilder, ins Aalener Café Samocca, kommt der Fotograf ohne die ganz große Kameraausrüstung. Die sei bereits im Gepäck verstaut, da er gleich nach Paris weiterreise, sagt er in seinem unüberhörbar amerikanischem Slang. Vor zwei Jahrzehnten zog es ihn aus den USA zur Verwandtschaft auf die Ostalb, schlug in Aalen Quartier auf und ist seither als Fotograf unterwegs. Gerade hängen im Landratsamt seine Bilder vom UNION-Gelände und nun im Samocca, die Aufnahmen von Theateraufführungen. 

Was am Ende bleibe, seien solche Bilder, meint Tina Brüggemann vom Aalener Stadttheater.  Erinnerungen, die für das Theater, aber auch für Schauspieler wie Publikum von Bedeutung seien.

Allerdings kann nicht jeder Fotoapparatebesitzer für solch visuelle Reminiszenzen sorgen, denn bei regulären Theateraufführungen heißt es für alle: "Fotografieren verboten!" Wobei der Theaterfotografen selbstredend den Auslöser drücken darf. Meist bei der Hauptprobe und damit kurz vor der Premiere eines Stückes, weshalb die Bilder auch astrein sein sollten, denn eine Wiederholung ist manchmal kaum machbar. 

Dass bei diesen speziellen Shootings einiges zu beachten sei, darauf verweist Tina Brüggemann. Der Betrachter eines Theaterfotos sollte mit der abgelichteten Szenerie etwas anfangen können, es müsse Interesse wecken, Lust auf einen Theaterbesuch machen. "Im Idealfall weiß der Fotograf über den Inhalt der Inszenierung Bescheid, damit er die entscheidenden Momente ins Visier nehmen kann." Manchmal helfe auch ein gutes Gespür für die einzelnen Szenen beziehungsweise für entscheidende Augenblicke. "Die Regie baut Bilder auf, sorgt für Spannung. 

Das sind Momente, die fotografisch festgehalten werden müssen, denn nur so trifft ein Foto eindrucksvoll die Stimmung eines Werks und spiegelt die Ästhetik seiner Inszenierung."

Die im Café Samocca ausgestellten Bilder sind bereits Teil der Theaterdokumentation. Waren sie in der vergangenen Spielzeit noch unverzichtbarer Bestandteil der Werbestrategie  für die einzelnen Aufführungen, erlauben sie den Theaterbesuchern im "Galerie"-Format nun ein Rückbesinnen, während die Planung für das nächste, ganz aktuelle Stück schon läuft. Arwid Klaws wird Sibylle Bergs "Viel gut Essen" inszenieren (Premiere am 7.10.; www.theateraalen.de). Allein der Titel verheißt großartige Bilder.

 

Fotos: Peter Schlipf, Herbert Kullmann 

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Aalener Kulturjournal