Portrait:    Alisha Czerlinsky

Zwei wie wir

Die Beiden scheinen unzertrennlich, entspannt sitzen sie gemeinsam am Computer. Allerdings mit einem kleinen Unterschied: Alisha Czerlinsky arbeitet am PC und Lara döst unter dem Schreibtisch. Geht Alisha mal schnell einen Kaffee holen, eilt Lara hinterher. Bei Bedarf legt sie sich auch mal in Alishas Arme, um sich eine Runde Schnuckeln abzuholen. Man gönnt sich ja sonst nichts in diesem doch stressigen Leben. Doch Vorsicht - denn wie sang schon Joseph Schmid in Anlehnung an Verdis "Rigoletto" so schön: "La donna è mobile". Nicht falsch verstehen, es geht nur um den ersten Halbsatz, um  "O wie so trügerisch!"  

Genauso stellt es sich auch heraus: Kaum betritt man das Büro, ist Schluss mit der friedlichen Idylle, denn die wachsame Hundedame meint, bellend auf den Besucher zustürmen zu müssen. Glücklicherweise hat Alisha die Lage schnell unter Kontrolle, genauer - die Hundeleine zur Hand.

Um womöglich Schlimmeres zu verhindern? 

Treffen sich zwei Hundebesitzer …

Die potentielle Gefahr hält sich freilich in Grenzen, denn Lara ist gerademal so groß wie eine modische Einkaufstasche. Aber immerhin eine mit spitzen weißen Zähnchen besetzte, und jeder Hundebesitzer weiß, was das bedeuten kann. Einmal schnuppern wird genehmigt, dann ist alles okay, Lara zieht sich auf ihre Kuscheldecke zurück. Die Idylle kehrt zurück.

Nun lässt sich der kleine Terrierabkömmling sogar den Kopf graulen - wenn auch skeptisches Beäugen erste Hundepflicht ist. "Freundchen pass auf, ich habe dich im Blick!", soll das wohl heißen.

Treffen sich zwei Hundebesitzer, dann geht es selbstredend erst einmal um die Vierbeiner. Und was man da nicht alles erzählen kann. Kein Ende würde solch Schwatzen finden, wäre da nicht noch ein anderer Anlass. Im vorliegenden Falle: Alisha Czerlinsky, die Hundebesitzerin. Sie soll ins Rampenlicht gestellt werden, nicht auf der Bühne, aber irgendwie doch, denn ihr Job als Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros ist, das große Rad Stadttheater mit am Laufen zu halten.

Musik liegt in der Luft

Eine Aufgabe, die der 27-Jährigen so eigentlich nicht in die Wiege gelegt wurde. Eine Blockflöte, um beim Bild zu bleiben, schon. Und die spielt sie heute noch leidenschaftlich gerne, wie auch Klavier. Da liegt der Wunsch Musikerin zu werden nahe. Allerdings auch eine gesunde Portion Skepsis vor den diesbezüglichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem, so auf der Bühne zu stehen, dazu muss man schon geboren sein. Das kennt man vom Theaterspielen. das sei nichts für sie, so Alisha, sie wäre auch nie auf die Idee gekommen, während der Schulzeit bei einer Theatergruppe mitzumachen. "Wie gesagt, eigentlich wollte ich Musikerin werden. Neben Flöte und Klavier spiele ich noch Keltische Harfe und Rahmentrommel. Doch ich hatte immer furchtbaren Bammel vor der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule. Außerdem glaube ich nicht, dass ich der großen Anspannung bei einem Konzert gewachsen wäre. Da mache ich beruflich lieber etwas, das zu mir passt und musiziere nebenbei mit Freunden."  

"Das ist mein Ding!"

In Anlehnung an Theodor Fontane lässt sich erfreulicherweise feststellen: Musik ist ein weites Feld und sie bietet viel. "Mich hat immer wahnsinnig Musikgeschichte interessiert, weshalb der Weg zu den Musikwissenschaften eigentlich nicht weit war." Nach dem Abitur studierte sie zunächst in Würzburg, darauf folgte der Master in Tübingen.

"Beim Studium der Musikwissenschaften plagen einen natürlich Zweifel, ob man nicht doch in einen brotlosen Beruf hineinstudiert. Manchmal war ich ganz nahe daran, zu den Sprachwissenschaften überzulaufen. Aber mittlerweile bin ich mir völlig sicher, die Musikwissenschaft ist mein Ding, das wollte ich schon immer machen. Und ich weiß, mir stehen mannigfache berufliche Perspektiven offen - vom Konzertbüro über Konzertdramaturgie bis hin in den journalistischen Bereich. Oder im pädagogischen Bereich Musikvermittlung an Kinder oder doch lieber in der Wissenschaft bleiben. Die Möglichkeiten sind einfach riesig!"

Kunst und Kultur ermöglichen

Eine Ad-hoc-Entscheidung, ob es in diese oder jene Richtung gehen soll, musste nicht sein, zumal Alisha Czerlinsky während ihres Studiums diverse Grenzgebiete streifte, die recht schnell andere Berufsfelder ins Blickfeld schoben. So richtig rund wurde die Sache, nachdem sie einen Bericht über Kulturmanagement gelesen hatte. Das interessierte sie, weil hier all  ihre Interessensbereiche mit einbezogen waren.  "Die Musikwissenschaften sind dafür die adäquate Voraussetzung." Immerhin geht es um nichts weniger als Planung, Organisation und Controlling innerhalb eines Kulturbetriebs. Und um die Sicherstellung verlässlicher Rahmenbedingungen für kulturelle Aktivitäten angesichts eines komplexen wie veränderbaren Zusammenspiels von Anbietern und Nutzern. Mit "Kunst und Kultur ermöglichen" umschreibt es  Alisha griffig. "Verständlicherweise wollte ich nun nicht mehr nur in Sachen Musik aktiv werden, sondern im ganzen Kulturbereich." Zupass kam ihr ein Inserat des Aalener Stadttheaters, in dem genau solch eine Position annonciert wurde. "Da musst du zugreifen!", war ihr erster Gedanke.  Zweifel gab es keine, denn letztlich seien die Anforderungen die gleichen, ob im Opernhaus oder Theater, ob man nun mit Sängern arbeitet oder mit Schauspielern. 

Was wohl die Zukunft bringt?

Eine neue Herausforderung ist es dennoch und die will erst einmal bewerkstelligt werden. "Das war das erste Mal, dass ich hinter die Kulissen eines Theaters schauen konnte", verrät Alisha. "Wobei ich offen zugebe, mir hat es sofort gefallen." Beim Stichwort "Traumjob" fackelt Alisha nicht lange: "Den habe ich hier gefunden!"

Selbstredend hat Lara mit dazu beigetragen. Denn die Hundedame mag nicht von ihrer Seite weichen. Umgekehrt übrigens auch nicht. Ohne Tiere zu leben, könne sie sich nicht vorstellen, so Alisha. "Wir wohnen auf dem Land und da war klar, da müssen viele Vierbeiner mit einziehen." Woher ihre Liebe zu Tieren kommt? "In meiner Familie sind alle hundeverrückt." Nacheinander holte sie sich drei Hunde aus verschiedenen Tierheimen. "Es macht einfach Spaß mit ihnen unterwegs zu sein." 

Ein Leben ohne Hunde ist möglich, aber sinnlos

Seit Alisha Czerlinsky ihre Arbeit als Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros aufgenommen hat, bleibt deutlich weniger Zeit für Hundespaziergänge. Dennoch muss jeder mehr sein, als kurz Gassi zu gehen. "Mein Tag ist mit der Arbeit und mit meinen Vierbeinern gut ausgefüllt", stellt sie fest. Bei der Frage, ob da noch - wie bei einigen ihrer Vorgänger im Amt - Zeit für Ambitionen auf Regie- beziehungsweise Dramaturgie-Assistenz bleibe, zieht Alisha die Augenbrauen hoch und stellt klar: "Ich gehöre hinter den Schreibtisch!"

Nach kurzer Pause folgt eine vorsichtige Anmerkung: "Aber schauen wir mal, was die Zukunft noch alles bringt."

 

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Aalener Kulturjournal