Kultur im Park: Queenz of Piano

Wenn zwei das Gleiche tun,  ist es nicht immer dasselbe 

Das war anders als gedacht! Die Macher der Essinger Kulturinitiative erwarteten neben der Pianistin Jennifer Rüth deren Kollegin Anne Folger. Die aber war letzten Samstag nicht abkömmlich, sodass Ming das "Queenz of Piano"-Duo komplettierte. Nicht zum Schaden der Zuhörer, denn das Konzert war schlicht und einfach ein Erfolg. Beide Musikerinnen spielen hervorragend Klavier, liefern einen virtuosen Parforceritt durch die Musikgeschichte, eine Performance mit Charme und Witz.

Vor sechs Jahren gastierte "Queenz of Piano" am gleichen Ort. Zwar liegt diesmal niemand bäuchlings auf dem Flügel, um Chopin zu spielen, doch rücklings auf dem Klavierstuhl ist ein Muss. Zum Vergnügen des Publikums, das diesen rar gewordenen Mix aus virtuoser Spieltechnik, flinker Akrobatik und Kabarett mit wachsender Begeisterung begleitet. Für Jennifer Rüth und Ming ein schweißtreibendes Gesamtkunstwerk, bei dem die Grenzen zwischen humoriger und ernster Musik ebenso fließend sind wie die zwischen Klassik und Moderne. Ob Michal Jacksons "Thriller", "All Blues" oder "Boogie Woogie" - die Beiden spielen jazzig, poppig, mal laut, mal leise.

In der proppenvollen Schlossscheune geht es fetzig zu, dank schwebender Theremin-Klänge kommt gar noch "Startrek"-Feeling auf. Fehlt noch etwas zum Glücklichsein? Jennifer Rüth kennt die Antwort: Für Klassikfans wäre es Beethovens "Freude schöner Götterfunken", für Schwaben "Freu dich, dann musst beten", für Amerikaner "Dont´t worry, be happy". Alles vom Klavier begleitet. Doch  nun dürfen die Zuhörer mitsingen: "Ooh, ooh ooh ooh oo-ooh ooh oo-ooh - be happy!" Passend zum

anschließenden "Shape of you" mit seinem "Oh—ich—oh—ich—oh—ich—oh—ich - Ich bin verliebt in deinen Körper". Glücklicherweise spielen Ming und Jennifer Rüth den Song mit gleich zwei Klavieren. Apropos Kultur. Das sei irgendwie immer ein Sparmodell, meinen die Zwei und zeigen allen Kulturbeauftragten anhand von Mozarts "Türkischem Marsch", wie das richtig geht: Aus der Fünf-Minuten-Komposition wird ein Drei-Sekunden-Rutsch.  Zum Glück nur ein Politbeispiel, ist doch das nachfolgende Wiegenlied-Potpourri viel zu schön zum Kürzen.

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Aalener Kulturjournal