Konzert mit der "Royal Academy of Music" in der Neresheimer Abteikirche

Londoner singen marianische Lieder

"Musik aus Spanien, Skandinavien und England" steht über dem Musikprogramm. Vielfältig und vielversprechend, mit dem Blick auf den Konzertort zugleich ein Hinweis auf beste Qualität. In der Abteikirche zu Neresheim findet dieses höchst bemerkenswerte Stelldichein statt, zu dem die Royal Academy of Music London geladen hat. Seit 27 Jahren trifft sich hier die königliche Akademie zum Workshop, bereichert nebenbei die tägliche Liturgie der Mönche mit Chor- und Orgelmusik. Ob Rheinbergers Motette "Abendlied" oder im

Wechselgesang mit den Mönchen das "Deus tuorum militum" - in der zurückliegenden marianischen Woche lohnte sich der Weg auf den Ulrichsberg schon deshalb.

Am Sonntag nun das Abschlusskonzert der Akademiestudenten. Musik des 16. und 17. Jahrhunderts stehen Kompositionen aus dem 20. gegenüber, wobei der Großteil der Werke der Gottesmutter Maria gewidmet ist, deren Geburt die Kirche am 8.September feiert. Insgeheim vielleicht der eigentliche Magnet an diesem Sonntagnachmittag, denn an so viele Zuhörer wie diesmal, kann sich kaum jemand erinnern.

Irgendwo am Straßenrand nach einer Parknische suchen, bei Nieselregen der Straße nach hoch zum Benediktinerkloster, sich hier in die lange Schlange der Wartenden einreihen. Allem Andrang zum Trotz herrscht in der proppenvollen Abteikirche ehrfürchtige Stille, auch weil nach fast 270 Jahren die Architektur Balthasar Neumanns und Martin Knollers Fresken die Besucher immer noch gefangen nehmen.  In diese nahezu elegischen Ruhe spielt das kleine Neresheimer-Positiv energisch Sebastian Aquilera de Heredias "Salve". Ein reizvoller Auftakt wie eine schöne Anlehnung an den populären "Salve Regina"-Hymnus. Entsprechend stimmungsvoll die erste Motette des Chores (Leitung Prof. Patrick Russill): "Vidi speciosam", eine heitere visionstrunkene

Verklärung der Gottesmutter. Was auffällt, ist der von den Choristen zelebrierte warme weiche Klang, die feine, klare Artikulierung, die hymnisch musikalische Überhöhung alter Texte. Glücklicherweise gibt die Royal Academy zum besseren Verständnis die deutsche Übersetzung der lateinischen beziehungsweise englischen Lieder zur Hand.

Nicht unbedingt notwendig, denn die Musik erklingt so wunderbar vergeistigt, dass schon das bloße Zuhören zur Freude wird. Besonders eindrucksvoll, wenn einer der Studierenden die Choristen an der großen Holzhay-Orgel begleitet - mit Bedacht, vollkommen auf den Chor abgestimmt. Womit die Reihe an den Orgelstudenten wäre. Unter der Leitung von Prof. Dr. David Titterington werden sie in die Geheimnisse der Königin aller Instrumente eingewiesen.

 

Höchst erfolgreich, wie mit  Niels la Cours "Vesper Organi" bewiesen wird, bei dem das "Meditazione" mit schwereloser Leichtigkeit ein tosend hereinbrechendes "Lauda" kontrastiert. Einer der wenigen impulsiv dynamischen Augenblicke, huldigen doch all die anderen eher in tiefer schlichter Spiritualität marianischer Gläubigkeit. Doch nicht nur die Alte Musik folgt dieser Intension, überraschenderweise auch die Neue. Selbst Benjamin Britten reiht sich mit seinem brillanten "Festival Te Deum" ein, in welchem sich freie vokale Linien  gebetsartig um verzierte Orgelakkorde winden, für einen Moment sich gar jazzigen Rhythmen nähern, bevor eine an traditionellen Weisen sich orientierende Feierlichkeit Bahn bricht. Ähnlich dem Timbre von Gerald Finzis "God is gone up", bei dem mit fast Bachscher Inbrunst Orgel und Chor dem inhaltlichen "Gott fuhr empor mit Triumphgeschrei: Der Herr mit schallenden Trompetenmelodien" ganz nahe kommen.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aalener Kulturjournal